Nathaniel Hawthorne – “Der scharlachrote Buchtstabe”

Schon vor einer ganzen Weile habe ich mir den Film “Leicht zu haben” mit Emma Stone in der Hauptrolle angesehen. Wer den Film gesehen hat, weiß, dass die Schullektüre “the scarlet letter” eine zentrale Rolle darin spielt und sich die Protagonistin außerdem darüber aufregt, dass ihre Mitschüler alle nur den Film schauen und nicht das Buch lesen würden. Als ich das Buch daher vor einiger Zeit gebraucht gesehen habe, dachte ich nur “Herausforderung angenommen!”.

Was soll ich sagen? Da ich durch meine beruflichen Wechsel sehr viel Zeit im öffentlichen Nahverkehr verbringe, habe ich beschlossen, mich nach und nach durch das Fach mit den ungelesenen Büchern zu arbeiten. Und so landete dieses Büchlein mit seinen knapp 300 Seiten bei mir in der Tasche.

Zu Beginn ist es dem Autor wichtig, dass der Leser genau versteht wie es dazu kam, dass er nach seiner Tätigkeit im Zollamt diese Geschichte niederschrieb, die sich laut ihm tatsächlich so zu trug. Also, wie er eines Tages die alten Aufzeichnungen eines seiner Vorgänger fand, die sich bis auf die frühen Anfänge in der neuen britischen Kolonie an der Westküste Nordamerikas zurück datieren lassen. Leider beschreibt er dafür ausführlich circa 20 Seiten lang seine Kollegen und Mitarbeiter. Aber nun zur eigentlichen Geschichte.

Sie beginnt an dem Tag, an dem Hester Prynne mit ihrer neugeborenen Tochter Pearl am Pranger stehen muss. Ihr Verbrechen wiegt schwer in der noch jungen Puritanersiedlung. Zwar ist sie verheiratet, doch nach allgemeinem Wissen kam sie allein nach Amerika, ihr Mann, ein Gelehrter, blieb noch in Amsterdam. Wie kann sie also Mutter geworden sein? Trotz Ermahnung Dimmesdales, des Pfarrers, verrät sie den Namen des Vaters nicht und trägt zudem stolz den von ihr selbst angefertigten und reich verzierten Buchstaben “A”. Diese äußere Kennzeichnung soll Warnung für andere und gleichzeitig ewige Strafe für sie selbst sein.

Am Tag dieser Ereignisse kommt zudem ein Fremder in die Stadt, der bald zum angesehenen Arzt der Gemeinde wird und sich sogar mit dem ebenfalls hoch angesehenen Pfarrer mehrere Jahre eine größere Wohnung teilt. Dieser Fremde ist allerdings Hesters Ehemann, der sich nun Roger Chillingworth nennt und auf Rache an seinem Nebenbuhler sinnt.

Die Jahre gehen ins Land und Hester gewinnt allmählich an Achtung in der Gemeinde zurück. Zwar lebt sie mit ihrer Tochter weit ab von den anderen und häufig wird noch über sie getratscht und getuschelt und vor allem die Kinder beleidigen sie, doch ihr handarbeitliches Geschick und die akzeptierende und dennoch stolze Art wie sie ihre Last trägt beeindrucken die Leute. Gleichzeitig fühlt sie einen gewissen Zwiespalt ihrer Tochter gegenüber, die sie zwar über alles liebt, die sie aber auf der anderen Seite immer an ihr “Verbrechen” erinnert. Auch ist Pearl etwas anders als andere Kinder, gibt seltsame Antworten und scheint ungewöhnlich wissend. Ihren ganz eigenen Kopf hat sie aber auch, was sich zeigt, als sie der andere Pfarrer der Siedlung nach ihrer christlichen Erziehung ausfragt und sie – obwohl sie eigentlich die korrekten Antworten kennt – etwas vollkommen anderes von sich gibt. Oder als sie und ihre Mutter eines nachts mit Dimmesdale auf dem Pranger stehen und sie ihn auffordert auch tagsüber so ihre Hand zu halten und neben ihr und ihrer Mutter zu stehen.

Ihr ahnt vermutlich schon längst, wer ihr Vater ist.

Hester indes ist besorgt, da Dimmesdales Gesundheit – ein seltsames Herzleiden – immer schlechter wird. Sie bittet Chillingworth darum, Dimmesdale die Wahrheit über seine Identität zu sagen (zu Handlungsbeginn hatte sie versprechen müssen, seine Identität geheim zu halten), und passt ihren “Geliebten” im Wald ab, wo sie sich endlich aussprechen und beschließen gemeinsam zurück nach Europa zu ziehen.

Doch alles kommt anders. Dimmesdale predigt ein letztes Mal am Wahltag (kenne mich mit den amerikanischen Gepflogenheiten zu wenig aus, um das im zeitlichen Kontext korrekt einzuordnen), währenddessen Hester draußen vor der Kirche (auf Grund des Wahltags sind viele Leute von außerhalb gekommen und die Kirche ist zu voll) von Fremden begafft wird und außerdem mit bekommt, dass Chillingworth ebenfalls auf dem “Fluchtschiff” reisen will. Als die anschließende Prozession an ihr vorbei kommt, steigt Dimmesdale tatsächlich bei Tageslicht auf den Pranger und ruft Hester und Pearl zu sich. Er enthüllt ein Brandzeichen in Form eines “A”s auf seiner Brust und erliegt anschließend seinem Herzleiden in Hesters Armen.

Der Autor merkt noch an, dass Pearl wohl entgegen aller Erwartungen zu einer “normalen” jungen Damen herangewachsen wäre und gut in Europa geheiratet hätte, während Hester als alte Frau zurück nach Amerika gekehrt sei, wo sie mit ein wenig Abstand, aber mit einem gemeinsamen Grabstein neben Dimmesdale begraben worden wäre.

 Also irgendwie doch ein Happy End? So genau bin ich mir nicht sicher. Auch fehlte mir an mancher Stelle dann doch der Austausch mit einem Lehrer oder zumindest anderen Lesern des Buchs. Denn viele Feinheiten des Buchs – die Verwendung von Farbe, Tag/Nacht, Teufel und Dämonen, die genaue Bedeutung von Pearls Verhalten etc. – sind mir wohl entgangen. Dazu ein sehr blumiger Schreibstil, der mich das ein oder andere Mal fast nervte.

Mein Fazit lautet daher: es ist zwar ein interessant zu lesendes Buch, da man einiges über die Epoche zum Entstehungszeitpunkt lernt (Hawthorne wertet bestimmte (alte) Ansichten und Verhaltensweisen sehr stark), es ist aber kein Buch, dass ich wieder lesen würde.

Gelesen: Oktober 2018

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David Slattery – “How to be Irish”

Oder wie man gleich mit drei weiteren Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, zusammenhängt. Aber – wie immer – der Reihe nach.

Über diesen humorvollen und nicht selten selbst-ironischen Einblick in das irische Leben mich ich auf der Suche nach Reiseführern in der Bücherei gestolpert. Ich bin nämlich diesen Sommer sehr spontan für eineinhalb Wochen auf der grünen Insel gewesen und habe ziemlich gestaunt, wie sich dort alles in den letzten zehn Jahren. seitdem ich das erste Mal dort war, verändert hat. (Was ich in der Zeit dort gelesen habe, werde ich hoffentlich auch demnächst hier vorstellen. Irgendwie habe ich während des Schreibens meiner Masterthesis diesen Blog doch ziemlich vernachlässigt). Durch die neuen Eindrücke und Erfahrungen (schließlich war ich jetzt als “Erwachsene” in Irland und nicht mehr als Teenie) war ich also bestens gewappnet, um nach meinem Urlaub etwas mehr über die Iren zu erfahren.

Der Anthropologe Slattery  erläutert auf sehr trockene Art und selbstverständlich streng wissenschaftliche Weise ( 😉 ) welche Informationen er und seine “Gewährsleute” im Laufe der Zeit zu den Themen Tod, Kneipe, Hereingeschneite, Hochzeit, Gesundheit, Berufsleben, Bauen, Weihnachten, Politik und Coolness zusammengetragen haben. Da er selbst meist Feldforschung betrieb mangelt es auch nicht Anekdoten, die diese Beobachtungen belegen.

Meine Reaktion beim Lesen wechselte zwischen zustimmendem Nicken, schallendem Gelächter, schierem Unglauben und allmählicher Erkenntnis. Auch kam ich zu der Erkenntnis, dass man als Tourist wohl wirklich so einiges Falsch machen kann und man das “authentische” irische Leben selbst als Zugezogener erst nach Jahrzehnten erleben wird. Umso informativer ist dieses Buch. Denn Slattery war sich nicht zu schade für seine Forschungen Wahlhelfer zu werden, sich tagelang in das Wartezimmer einer Arztpraxis zu setzen oder auch eine ganze Reihe von Beerdigungen und Hochzeiten zu besuchen. Selbst der eigene Anbau wurde Teil seiner wissenschaftlichen Beobachtungen.

Mein Fazit: Zwar keine Pflichtlektüre vor dem Irland-Urlaub, aber als Ergänzung der Beobachtungen danach durchaus zu empfehlen.

Begonnen: 30.7.18    Beendet: 18.8.18

PS: Die Verbindung zu dem Buch, das ich direkt danach gelesen habe ist übrigens folgende. In “Skulduggery Pleasant” gibt es einen Journalisten namens Slattery, der zufällig auf die magische Welt aufmerksam wird.

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Christian Kortmann – “Das menschliche Optimum/ Servus Sapientiae”

Manche Bücher müssen zur richtigen Zeit kommen. So war es jetzt bei mir mit “das menschliche Optimum”. Ich erinnere mich dunkel daran, dieses Buch während einer Frankfurter Buchmesse auf meine Leseliste gesetzt zu haben, wo die Eltern meines Freundes es dieses Frühjahr auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk fanden. Hätte ich es früher geschenkt bekommen, hätte es sich vermutlich einfach in das Regalfach der zu lesenden Bücher eingereiht, aber so stand es keinen Monat, bis es mein Begleiter für die täglichen Fahren im öffentlichen Nahverkehr wurde.

Der Leser erlebt auf weniger als 200 Seiten einen Tag im Leben von Roderick Glaser, ergeiziger Parasitologe an einem Münchner Krankenhaus, im Jahr 2027. Er ist 38, verheiratet, hat einen Sohn im frühen Grundschulalter. Sein ursprüngliches Forschungsgebiet hat er aufgegeben, als er die Chance bekam in Dr. Barreithers Korrektor-Team zu arbeiten. An besagtem Tag, beziehungweise in besagter Nacht, erhält er endlich die Chance die prestigereiche Korrektor-OP ohne seinen Chef durchzuführen, nur unterstützt von der ihm unterstellten Ärztin Nuria, für die er insgeheim schwärmt und die seine Verbündete ist in dieser Welt aus “60-Jährigen”, Menschen die sich deutlich älter verhalten als sie sind und die Neugier am Leben verloren haben.

Einen Teil der Information erhält man in Rückblenden, die immer wieder die eigentliche Handlung unterbrechen und wohl wie spontane Erinnerungen wirken sollen. Der Korrektor ist eigentlich ein aus dem Dschungel Südamerikas stammender Parasit, der beim Menschen verhindert, dass er Fehler macht. Hoch komplexe, strategische Spiele wie Go oder Schach verkommen zum reinen Zeitvertreib, da die Partien zwischen zwei Befallenen immer unentschieden ausgehen. Starben die Betroffenen früher sehr jung, so ist es dank medizinischem Fortschritt nun möglich den Parasiten gezielt zu implantieren und soweit zu regulieren, dass eine normale Lebenserwartung möglich ist. Sein Name: Servus Sapientiae (Sklave der Weisheit). Wen er jedoch als Sklaven sieht hat der Namensgeber, ein italienischer Missionar anscheinend nicht verraten. Die Öffentlichkeit ist begeistert von der Möglichkeit sich selbst weiterzuoptimieren, in manchen Branchen ist der Eingriff sogar notwendig, um bestimmte Karrierelevel zu erreichen.

Doch auch wenn er die Operationen selbst durchführt, weiß Roderick nicht, wie er den Korrektor einordnen soll. Er selbst liebt kleinere Wortspiele, das Unperfekte, trägt aber auch schmerzliche Erinnerungen mit sich herum in wichtigen Situationen versagt zu haben. Doch als der Eingriff die Patientin in Lebensgefahr bringt, weil Nuria die Gabe eines Medikamentes vergessen hat und er ihr vertrauend nicht streng dem Protokoll folgend alle Schritte abgefragt hatte, festigt sich seine Meinung. Er will nicht weiter diesen Wahnsinn unterstützen, bei dem sich gesunde Menschen in der Hoffnung auf ein besseres Leben sinnlos in Lebensgefahr bringen.

Barreither, den sie zu Hilfe gerufen hatten, nimmt ihn nach dieser Äußerung mit auf ein bizarres Fest in einer unterirdischen Grotte mit allen wichtigen Entscheidungsträgern. Die Programmpunkte werden von Implantierten gestaltet, bei denen der Parasit besonders gute Wirkung zeigte. Ein wenig kommt Roderick ins Grübeln, auch weil Barreither ihm die bald freiwerdende Stelle seines Stellvertreters anbietet, die aber einen Korrektor voraussetzt.

Wieder zurück, am frühen Morgen (es wurde kurz nach Mitternacht operiert) gesteht Nuria, dass sie selbst den Korrektor zu ihrem 16. Geburtstag bekam, ihre kleinen Alltagsfehler mache sie nur, um Roderick dies zu verheimlichen und von ihm akzeptiert zu werden. Der Fehler bei der OP war also bewusst zugelassen, was Roderick sogar noch mehr erzürnt. Anschließend hat er ein Gespräch mit einem befreundetem Neurologen, der sich seinen Kopf nach einem Schlittschuhunfall ansehen sollte. Der Unfall ist folgenlos, dafür wurde jedoch eine Anomalie entdeckt, die in der Forschung theoretisch beschrieben wurde und von der man sich ganz neue Ergebnisse mit Servus Sapientiae erhofft.

Als Leser erhält man nur Andeutungen wie Roderick sich entscheidet, das Buch endet damit, dass er sich hinsetzt und all seine Notizen abtippt und seine Gedanken endlich ausformuliert. Als Abschied davon? Als Überzeugungsarbeit, dass er ohne Korrektor besser ist?

Interessanterweise stellt er im Laufe des Buches mehrmals fest, dass gerade unsere Fehler und nicht das, was wir besonders gut können, uns ausmachen. Ein ungewöhnlicher, wenn auch fast schon beruhigender Gedanke.

Mit seinen Gedanken sollte man bei der Lektüre auf jeden Fall nicht abschweifen, da die dichte an neuen Ideen und Konzepten extrem hoch ist auf den wenigen Seiten. Auch die Sprache befindet sich auf einem Niveau und einer Verliebtheit in seltene Wörter, die meine aktuell zu schreibende Masterthesis wie einen Schulaufsatz aus der Unterstufe wirken lässt. Dennoch ist es die Mühe wert, denn es lehrt auch, wie wichtig ist es, sich selbst mit all seinen Fehlern und Imperfektionen zu akzeptieren.  Denn was würde aus uns, wenn wir uns nicht mehr steigern, nicht mehr dazulernen könnten?

Begonnen: Mai 2018    Beendet: Mai 2018

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Manfred Spitzer – “Rotkäppchen und der Stress”

Auf der Suche nach Fachliteratur kann es sich durchaus lohnen auch einmal in andere Winkel der Bibliothek zu schauen. Unter “(Ent-)Spannendes aus der Gehirnforschung” sind insgesamt 17 Veröffentlichungen zusammengefasst, die anders als bei der “Digitalen Demenz” nicht auf einander aufbauen. Außerdem stammt das Buch aus 2014. Wieso ich das so betone? Wartet es ab.

Zu Beginn geht es tatsächlich gemäß dem Titel um Stress. Darum, was er eigentlich ist, was die berufliche Stellung für das persönliche Stressniveau bedeutet und einiges mehr. Anschließend wird es schon ein wenig kniffliger. “Üben, sich im Griff zu haben” ist ein kleines Plädoyer dafür die viel beschworenen “Soft-Skills” bereits im Kindergarten zu trainieren, genauer Selbstkontrolle, aber auch die Reflexion.

Generell gibt es einige Fähigkeiten, die man sich wohl schon als Kind kaputt machen kann. “Fernsehen – erst gar nicht und später das Falsche lernen” bestätigt leider, wie sinnvoll es ist, Fernsehzeiten zu minimieren und dafür zu sorgen, dass sich das Kind mit etwas anderem beschäftigt – denn in den ersten Jahren können die gezeigten Bilder nicht richtig verarbeitet werden und später…? Nun, kann ein zehnjähriges Kind wirklich schon zwischen Realität und Fiktion unterscheiden? (Spitzer kommt übrigens zu dem Schluss, dass zu viel Fernsehen dumm und kriminell macht).

Dann doch lieber kindgerechtes Lernprogramm mit nur wenigen Videos (ohne Gewalt) auf dem Smartphone oder dem Tablet für die Kleinen. Das können die doch schon so gut bedienen. Bitte, bitte nicht! Leute aus meiner Generation (das hört sich für meine Mitte Zwanzig gerade etwas zu alt an) oder älter werden sich noch sehr gut an die ersten Handys für Privatleute erinnern und wie Touch Screens aufkamen und die gesamte Interaktion veränderten. Plötzlich war das super einfach. Einfach berühren, statt die (manchmal) schwerfälligen Tasten zu drücken. Auch das Wischen war super intuitiv. Dank e-book-Reader mit Erschütterungserkennung reicht ein Tippen auf die Rückseite des Geräts im Winter aus und ich muss nicht mehr umständlich die Seiten mit Handschuhen umblättern. Erinnert sich noch jemand daran, wie umständlich es anfangs war Buchseiten umzuschlagen (selbst bei den kinderfreundlichen Büchern mit dickeren Seiten)? Wir mussten erst begreifen, wie das geht. (Hierzu gab es vor kurzem ein nettes erweiterndes Inteview mit Spitzer). Hätten wir uns mit einfachem Wischen zufrieden gegeben und nicht versucht mit unseren Händen alles zu greifen und auseinander zu nehmen, was in Reichweite war, hätten wir unsere heutigen Fähigkeiten? Vielleicht wüssten wir noch nicht einmal wie wir einen Stift richtig halten und schreiben sollen! Diesem Problem sieht sich inzwischen China gegenüber. Die Pinyin-Eingabe erleichtert die Arbeit in chinesischer Sprache am Computer, sodass viele Schüler ab einer bestimmten Klasse fast ausschließlich diese Methode verwenden, um zu schreiben – mit der Folge, dass ungefähr die Hälfte dieser Kinder nicht mehr richtig lesen und schreiben kann!

Allgemein macht es Sinn mehr von Hand zu schreiben. Während Schulen stärker digitalisiert werden sollen, gibt es bereits entsprechende Studien, die beweisen, was meine Professoren uns bereits vor sechs Jahren predigten: keine Computer in den Vorlesungen. Ich habe in den ersten Wochen ernsthaft an meinem Verstand gezweifelt, bis mir auffiel, dass es auch ohne Computer genug Ablenkung im Hörsaal gab und diejenigen, die dann doch am Computer arbeiteten äußerst selten etwas machten, dass wirklich mit der Vorlesung zu tun hatte. Bedauerlicherweise zog die Facebook-Aktivität meiner Kommilitonen meine Aufmerksamkeit stärker auf sich als der Professor. Und noch bedauerlicher bin ich damit kein Einzelfall. Wer also konzentriert in der Vorlesung sein will, muss dafür sorgen, dass seine Kommilitonen keinen ablenkenden Tätigkeiten nachgehen. Sie lenken einen nämlich mehr ab, als wenn man selbst diesen Tätigkeiten nachgeht.

Wenn wir gerade bei Social Media sind: “Spuren in der Wolke” ist der Beweis dafür, dass bereits seit einer ganze Weile bekannt ist, wie leicht sich Daten über einen Nutzer sozialer Plattformen bestimmen lassen. Nur anhand von Likes war es 2013 bereits möglich u.a. Hautfarbe, Geschlecht und Religionszugehörigkeit zu bestimmen. Da werden ein paar Erinnerungen aus den letzten Wochen wach, oder? Das Interessante steht im letzten Abschnitt dieses Kapitels:

Die Ähnlichkeit von solchen “Gefällt-mir”-Angaben in Facebook mit anderen verbreiteten digitalen Aufzeichnungen, wie beispielsweise zum Besuch von Web-Seiten, zur Benutzung von Suchmaschinenen oder zum Einkaufsverhalten, legt nahe, dass die Möglichkeiten zum Erschließen von Persönlichkeitseigenschaften des Nutzers keineswegs auf Facebook beschränkt sind”, kommentieren die Autoren ihre Ergebnisse […]. Sie sehen das nicht unbedingt als Prblem, stellen allerdings durchaus fest, dass die Tendenz zu immer mehr Zeit im Netz und damit auch digitalen Spuren Gefahren für das Wohlbefinden, die Freiheit und sogar für das Leben des Einzelnen haben kann. Offenbar hat man sich in den USA an so manches bereits gewöhnt, denn die Autoren sprechen am Ende ihrer Studie von “Vertrauen” und dem “guten Willen” der im Internet aggierenden Personen.

Mehr Weitsicht bewiesen hingegen die Forscher, die sich mit Demografie und der Entwicklung freier Demokratien beschäftigen. Allerdings läuft es einem selbst an einem warmen Frühlingstag kalt den Rücken hinunter, wenn man liest, dass der jetzige Zustand nach dem “arabischen Frühling”, inklusive des Fortbestehens der Konflikte in Syrien, an der Altersstruktur bereits vor vier Jahren ablesbar war.

Das Flüchten in Traumwelten, selbst wenn es Forschern gelungen ist, in MRT-Scans herauszubekommen, wovon wir träumen, ist dennoch keine empfehlenswerte Alternative.

Wie gewohnt waren die Artikel selbst für einen Laien gut verständlich und interessant geschrieben. Über manchen erwähnten Punkt lohnt es sich auch definitiv länger nachzudenken – und mit offen Augen und klarem Verstand die Welt um einen herum zu beobachten. Denn wenn die hohe Entwicklungsstufe unseres Gehirns uns wirklich so besonders macht, sollten wir nicht dafür sorgen, dass uns die damit verbunden Fähigkeiten erhalten bleiben?

März – April 2018

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Meg Cabot – “Plötzlich Prinzessin”

Viele Mädchen träumen irgendwann einmal davon eine Prinzessin zu sein (Märchen im allgemeinen und vor allem die kitschigen Disney-Verfilmungen, sind daran wohl nicht ganz unschuldig). Doch es kann auch ganz schön anstrengend sein, wenn man plötzlich zur Prinzessin wird, als moderner Teenager zum Beispiel, dem die Hofetikette äußerst suspekt ist und Monarchie eh zuwider. Wie kennt ihr schon? Okay, vermutlich kann man nicht in meinem Alter sein und nicht zumindest von dem Film “Plötzlich Prinzessin” von 2001 gehört haben, in dem Anne Hathaway sich vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan mausert. Glücklicherweise wurde mein stummes Flehen in meinem ersten Beitrag zu einem von Cabots Werken erhört und ich fand in der Onleihe tatsächlich ein gewisses Buch, das so anders ist als der Film.

Am liebsten würde ich nur über die Unterschiede schreiben, aber tatsächlich funktioniert das wohl am besten, wenn ich das entlang der Handlung tue:

Mia Thermopolis erhält von ihrer Mutter ein Tagebuch, um ihre Gedanken und Gefühle ordnen zu können. Wie die meisten Teenager ist sie mit ihrem Leben fast zufrieden – würde ihre Mutter nicht ausgerechnet was mit dem Lehrer anfangen in dessen Fach sie bereits nach wenigen Wochen an der High School auf der Kippe steht, Josh Richter, süßester Junge der Schule, sie endlich mehr beachten und ihr Körper endlich mehr nach ihrer Mutter kommen. So erfahren wir, bevor ihr Leben tatsächlich aus dem Ruder läuft, was sie so bewegt, wie eine typische Woche und ein noch typischerer Freitagabend bei ihrer besten Freundin Lilly und deren großem Bruder Micheal aussieht.

Doch dann kommt ihr Vater zu Besuch, residiert natürlich mal wieder im Plaza, statt sich in Greenwich Village in der Nähe des Lofts seiner Jugendliebe ein Hotel zu suchen, und eröffnet Mia, dass er nicht einfach irgendein Politiker in Genovien ist, sondern der Fürst. Der Fürst, der seit dem überstandenen Hodenkrebs keine Kinder mehr zeugen kann. Damit ist also Mia die einzige Erbin der Linie Renaldo. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, soll sie ausgerechnet bei ihrer etwas eigenwilligen Großmutter, bei der sie schon immer die Sommer- und Weihnachtsferien verbringen muss, täglich (!) Prinzessinnenunterricht bekommen.

Als dieser Unterricht mit dem Aufnahmezeitpunkt von Lillys Sendung kollidiert und Mia nach ihrem “Make Over” mehr nach Lana Weinberger, der Oberzicke der Klasse, aussieht als nach sich selbst, kommt es zudem zum Streit zwischen Mia und Lilly, der sie die ganze Prinzessionnensache noch nicht gebeichtet hatte. Kurz darauf verplappert sich Grandmère gegenüber der Presse und schon hat Mia immer auch noch den Bodyguard Lars an der Backe. Einziger Lichtblick: die neue Freundschaft zu Tina, Tochter eines reichen Saudis, die wegen ihres Bodyguards immer als seltsam abgestempelt und gemieden wurde.

Dann rückt der “Ball der Kulturen” näher. Josh Richter trennt sich von Lana, lädt Mia auf den Ball ein, verhält sich wie ein Ekel (hat die Medien angerufen und raubt ihr vor laufender Kamera ihren ersten Kuss). Die nachfolgenden Szenen versöhnen Mia und Lilly wieder miteinander. Außerdem taucht unerwartet Michael auf dem Ball auf, der solche Veranstaltungen normalerweise meidet, und es wird mit ihrem Nachhilfemathelehrer – und ihren anderen Freunden – ein viel netterer Abend als es je mit Joch Richter hätte sein können. Außerdem erfährt sie, dass Michael echt gut Gitarre spielen kann.

Es ist erstaunlich. Jetzt bin ich ca. 10 Jahre älter als Mia und seit mehrere Jahren in einer festen Beziehung, aber dennoch habe ich das gesamte Buch über mitgefiebert, mit gelitten und mich am Ende gefreut. Das Buch, das eigentlich Mias Tagebuch wiedergibt, ist gespickt mit Feinheiten. Lady Diana ist Mias großes Vorbild, sie legt gerne James Bond-Filmmarathone mit Lilly ein, schaut HBO, will später bei Greenpeace arbeiten und ging vor der Prinzessinnensache jedes Mal mit ihrem Vater in das “Schöne und das Biest”-Musical am Broadway.

Mein Fazit: manchmal muss es auch Kitsch sein!

… und Mathemitschriebe im Tagebuch. 😉

Begonnen: 16.2. Beendet: 25.2.18

PS: Leider ist die Reihe nicht vollständig über Onleihe verfügbar

PPS: Vielleicht hätte ich eine Strichliste darüber führen sollen, was sie alles im Film abgeändert haben….

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Enid Blyton – Unheimliche Verfolgung und andere spannende Geschichten

Mit dem Namen “Enid Blyton” verbinde ich vor allem die “Hanni und Nanni”-Bücher meiner Mutter, die ich als Kind verschlungen habe. Ein paar meiner ehemaligen Klassenkameraden denken wohl eher an “Fünf Freunde”.  Insgesamt lässt sich wohl aber festhalten, dass Blyton Unmengen an Geschichten geschrieben hat, die auch heute noch eine (nicht nur junge) Leserschaft begeistern.

ich weiß nicht mehr genau, wann ich diese Geschichtensammlung geschenkt bekam, aber dem Copyrightjahr der deutschen Ausgabe nach, muss ich wohl gerade Ende der Grundschule oder vielleicht schon am Anfang des Gymnasiums gewesen sein –  auf jeden Fall im genau richtigen Alter, um mich direkt von all den kleinen und großen Helden der Geschichten angesprochen zu fühlen. Nicht selten geht es darum, dass ein Kind (meist aus Langeweile) heraus etwas beobachtet, das der Polizei hilft einen ungelösten Raub oder ähnliche seltsame Fälle zu klären. Manche wachsen dabei explizit über sich hinaus, gewinnen neue Freunde und neues Selbstvertrauen in sich und ihre Fähigkeiten.

Die meisten Geschichten sind innerhalb einiger Seiten abgeschlossen, es gibt aber auch zwei, drei Ausnahmen, die sich über mehrere Kapitel hinweg erstrecken und damit natürlich auch etwas mehr Handlung haben. Das ist definitiv ein Vorteil gegenüber Büchern, die sich an ein etwas “älteres” Publikum richten. Wenn ich nach fünf Minuten lesen anfing müde zu werden, war ich meistens schon durch das Kapitel durch, wollte ich noch weiter lesen, ging das auch problemlos (ich höre so ungern mitten im Kapitel auf, vor allem, wenn ich nicht weiß, wann ich weiterlesen werde).

Wie oben bereits angedeutet, entspreche ich nicht wirklich dem Zielpublikum. Dennoch habe ich die Geschichten mit ihren kleinen und großen Momenten zum Schmunzeln und Staunen sehr genossen. Leider habe ich momentan im Bekanntenkreis niemanden, der um die 10 Jahre alt ist, sonst würde ich es gerne ausleihen. Aber vielleicht ist es für Euch ja eine Inspiration für das nächste Geschenk an so ein Kind. – Sollte es danach auf Abenteuersuche gehen, bin ich allerdings nicht schuld!

Begonnen: Dezember 2017    Beendet: Februar 2018

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Mark Elsberg – Zero

Es ist durchaus normal, dass man, wenn man jemandem von dem geplanten Thema seiner Masterthesis erzählt Literaturhinweise bekommt. Fachliteratur. Umso mehr war ich überrascht, als mir der Mann meiner Tutorin während der Abizeit dieses Buch empfahl (Anm.: Tutoren waren an meiner Schule Lehrer, die teilweise die Aufgabe der in der Kursstufe nicht mehr vorhandenen Klassenlehrer übernahmen, einem aber auch beratend zur Seite standen; die Empfehlung kam aber erst im September letzen Jahres).

Und nein, ich werde euch weder verraten, was ich studieren, noch über was ich meine Masterthesis schreibe.

Einen echten Protagonisten sucht man vergeblich, zwar werden die einzelnen Bestandteile der Handlung alle durch die Journalistin Cynthia Bonsant zusammen gehalten, doch man erhält genauso Einblick in die Führungsetage des rasant aufsteigenden Unternehmens Freemee. Daneben gibt es noch ein paar Mitglieder aus den eher “unterstützenden” Bereichen der US-Regierung und eine nicht zu unterschätzende Aktivistengruppe namens Zero.

Das erste Mal in den Fokus der Öffentlichkeit drängen sie sich, als sie zeigen, wie einfach sie mit Drohnen die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Präsidenten der Vereinigten Staaten umgehen konnten. Kurz darauf stirbt in London ein Freund von Cynthias Tochter Viola, auf offener Straße erschossen, Smart Glasses auf der Nase und mit einem Selbstbewusstsein, dass ihn glauben ließ er könne den per Gesichtserkennung entdeckten Verbrecher ohne die Polizei stellen. Anschließend stilisiert Zero Cynthia zum Inbegriff der ahnungslosen Eltern, die nicht mehr wissen und daher auch nicht kontrollorieren könne, was ihre Kinder eigentlich im Internet so treiben, was sie mit ihren Daten anstellen.

Für Cynthias Chef ist das eine wunderbare Gelegenheit ihren neuerworbenen “Ruhm” für das Journal zu nutzen. Sie soll sich mit der “schönen, neuen Welt” auseinander setze, darüber schreiben und an der Seite eines indischen IT-Genies, zu dem sie sich bald hingezogen fühlt, Zero auf den Zahn fühlen. Bald muss sie jedoch feststellen, dass hier insgesamt etwas sehr verkehrt läuft. Ein weiterer Freund von Viola stirbt, diesmal in der morgendlichen Rush Hour in der U-Bahn. Zuvor hatte er die Suizidraten für die Nutzer des Dienstes Freemee recherchiert. Sie selbst wird in der Kanalisation in Wien von Unbekannten angegriffen. Das Mitglied von Zero, das sie bis dorthin verfolgt hatten, hilft ihr. Ab dann steht sie auf ihrer Seite. Was gut ist, denn den großen ShowDown in New York hätte sie ohne Zeros Hilfe nicht überlebt.

Zentrum des Ganzen ist der Gründer des oben bereits erwähnten Dienstes Freemee, der zusammenfasst welche Daten andere Dienste über die User sammeln, sie ihnen anzeigt, aber auch mit diesen Daten anbietet sie zu “optimieren”. So lernt Viola plötzlich fleißig, hat ihre “Gothic-Dasein” hinter sich gelassen, damit sie die Lehrer nicht mehr auf dem Kieker haben und sich sogar einen neuen Freundeskreis aufgebaut. Carl Montik hat jedoch festgestellt, dass er mit seiner Software mehr kann. Er kann die Werte der Anwender komplett ändern und so sogar Wahlen beeinflussen. Eine Fähigkeit, die sich der Stabschef des Weißen Hauses für die nächsten Wahlen zu nutzen machen möchte.

Was Violas Freund herausgefunden hat? Nun ja, Carl brauchte eine ganze Reihe von Versuchskaninchen, bis er wusste wie weit er gehen kann. Regelmäßige Anwender von Empfehlungen abgebenden Anwendungen wurden als “glücklicher”, “erfolgreicher” beworben. Doch die dazu im Vergleich zum Durchschnitt höhere Suizidrate spricht eine andere Sprache, oder?

Aber keine Angst, zunächst geht einmal alles gut aus, die Schurken können als solche an den Pranger gestellt werden und vor allem Viola lernt den verantwortungsvolleren Umgang mit dem Internet.

Das Thema ist spannend, technische Details sind ausreichend genannt und erklärt, um dem ganzen einen realen, glaubwürdigen Anstrich zu geben. Ich habe mitgefiebert und den Atem angehalten – und das alles auf gerade mal etwas mehr als 300 Seiten! Leider sind dabei die einzelnen Figuren auf der Strecke geblieben. Vor allem Cynthia wird als Identifizierungsperson aufgebaut und bleibt für meinen Geschmack zu wenig greifbar.

Was mir dafür immer wieder ein Schmunzeln entlockt hat: Zero. Zwischen den Kapiteln sind Auszüge aus Chats der verschiedenen Mitglieder wiedergegeben und auch in der Handlung selbst tritt das Kollektiv immer wieder durch gut gemachte, teils aber sehr reißerische Videos auf. Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem ein Satz, der sich wohl an Cato den Älteren (und schon wieder sind wir zurück in meiner Schulzeit) anlehnt: “Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Datenkrake zerschlagen gehört”. Mit Karthago ist es den Römern immerhin gelungen und die politischen Diskussion hierzu werden lauter.

Übrigens, für wen sich das alles immer noch an Science Fiction anhört (zumal ich Freemees Geschäftsmodell ja nicht so wirklich vorgestellt habe), habe ich in den letzten Monaten noch ein paar Artikel gefunden, die zeigen, dass Elsberg ein gutes Gespür für Aktualität besitzt:

Die nächsten Jahre werden wohl einige spannende Entwicklungen bringen, dennoch ist es wichtig, nicht zu vergessen, dass hinter all den Bewegungsmustern, Nutzerprofilen und Daten aus den Social Media tatsächlich immer noch ein Mensch steckt, ein Individuum. Mit vielen davon kann man sogar im Alltag ganz ohne elektronisches Gerät dazwischen kommunizieren – probiert es. Es ist erfrischend!

Begonnen: 11.9.2017    Beendet: 30.10.17

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Freude über die 84 (Vielen Dank!, Miniverlosung)

oder inzwischen eher 86 Follower.

Als ich mich vor 3 Jahren entschieden habe, etwas Besonderes zu machen, wenn ich diese Zahl knacke, hatte ich irgendwie nie wirklich erwartet sie auch zu erreichen – unter anderem, weil es nach meinem Praxissemester wieder etwas ruhiger hier geworden ist. Privat hat sich bei mir einiges verändert und nicht immer hatte ich Zeit in so viel zu lesen, wie ich eigentlich wollte.

Zusammen mit dem “Ziel” geisterte ursprünglich eine bestimmte Idee in meinem Kopf herum. Die wurde allerdings ganz schnell wieder verworfen, als mir klar wurde, wie wenige von Euch in Deutschland wohnen und ich für das notwendige Porto vermutlich das zu verlosende Buch nochmal würde kaufen können. Nichtsdestotrotz ist Douglas Adams “Per Anhalter durch die Galaxis” ein mehr als nur empfehlenswertes Buch.

Und damit nähern wir uns auch des Pudels Kern: Empehlenswert.

Nur ganz wenige Bücher, die ich in den letzen Jahren gelesen habe, habe ich mir a) selbst gekauft b) ohne entsprechende Vorschläge meiner Bibliothek hinzugefügt. Deshalb bitte ich Euch nun, schreibt mir einen Kommentar, der Folgendes enthält

  • einen Beitrag von mir, der euch besonders gut gefallen hat –  alternativ lasse ich auch gelten, wenn ich irgendwann mal etwas über eines eurer Lieblingsbücher geschrieben habe
  • das Buch, das Ihr zur Zeit lest
  • ein Buch, das ich Eurer Meinung unbedingt lesen sollte, weil …

Was springt für Euch dabei heraus? Ich lerne Euch besser kennen und ihr werdet zu mehr als der anonymen Masse, die regelmäßig nach “Timm Thaler” stöbert. Ihr könnt ungehemmt über ein Buch Eurer Wahl auf einem fremden Blog schwärmen. Und ich verpflichte mich drei von den von Euch vorgeschlagenen Büchern in annehmbarer Zeit (die nächsten zwei Jahre) zu lesen und hier über sie zu schreiben.

Da ich nicht weiß, ob und wie oft Ihr hier vorbeischaut, endet die Aktion erst am 4.2.2018.

Ich freue mich auf rege Beteiligung.

 

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Neil Gaiman – American Gods

Ich habe geschummelt.

Als ich von der Serie “American Gods” hörte, wurde ich neugierig. Doch so wie ich es ab und zu  tue, las ich erst auf Wikipedia die Zusammenfassung, bevor ich mir das Buch auslieh, um es tatsächlich zu lesen. Also wusste ich bereits was kommen würde, konnte nach Hinweisen Ausschau halten und  erkannte manche Anspielungen leichter. Aber was soll’s

Ich weiß, dass es gezinkt ist. Aber es ist das einzige Spiel in der Stadt.

Shadow wird ein paar Tage früher aus seiner Haftstrafe entlassen – nicht wegen der großen Milde des Gefängnisdirektors, nein, sondern um auf die Beerdigung seiner Frau gehen zu können. Auf dem Flug dorthin stellt sich ihm ein älterer Herr in einem teuren Anzug und mit einem Glasauge vor, sagt, da es Mittwoch sei, könne Shadow ihn Mr. Wednesday nennen, das wäre schließlich sein Tag, und bietet ihm einen Job als Fahrer und Mann fürs Grobe an. Aber Shadow lehnt ab, hat sein bester Freund ihm doch eine Stelle im Fitnessstudio frei gehalten. Dann erfährt er, dass es in dem Autounfall, bei dem Laura starb, einen weiteren Toten gab, seinen besten Freund, mit dem sie eine Affäre hatte. Entsprechend “schön” wird die Beerdigung. Dennoch legt Shadow eine Goldmünze auf ihr Grab, die er von einem Typen namens Mad Sweeney am Vorabend erhalten hat.

Bereits auf dem Rückweg zum Motel, in dem Mr. Wednesday abgestiegen ist, wird Shadow von einem Jugendlichen in einer Limousine entführt und darauf hingewiesen, der Wandel wäre unaufhaltsam. In der Nacht kommt dann Laura zu ihm ins Zimmer, scheinbar lebendig und trotzdem tot. Shadow würde es gerne als schlechten Traum abtun, kann es jedoch nicht.

Am nächsten Tag beginnt der eigentliche Roadtrip der beiden ungleichen Männer. So lernt Shadow zunächst Czernobog und die drei Zorya Schwestern kennen. Da Shadow gegen den ergrauten Schlachthausmitarbeiter im Dame-Spiel verliert, darf dieser ihm, wenn alles rum ist, den Schädel mit einem Hammer einschlagen, dafür muss er aber einwilligen Wednesday zu einem Treffen der anderen zu begleiten. Die jüngste der Zoryas, die nur nachts wach ist, gibt Shadow als Talisman den Mond in Münzenform und erklärt ihm, dass in ihrer Heimat das Sternenbild “großer Bär” dort “Odins Wagen” heißt und an einem dieser Sterne ein Ungeheuer in Ketten liegt, dass sonst das Universum verschlingen würde.

Nach mehreren kleinen Begebenheiten steuert Shadow mit Wednesday die Sehenswürdigkeit “Top of the Rock” an, wo er unteranderem Mr. Nancy kennen lernt, der ihm großartige Geschichten über eine gewitzte Spinne erzählt. Doch das Treffen mit ihm und einigen anderen geht schief, als sie zu einem örtlichen Restaurant fahren. Shadow wird gekidnappt von seltsamen Agenten. Doch Laura kommt und befreit ihn aus dem umgebauten Eisenbahnwagon (und tötet dabei einige der Agenten), sodass er sich weiter nach Süden durchschlagen kann. Ein Rabe sagt ihm, er solle nach Cairo gehen zu Mr. Jacquel und dort eine Weile bleiben. Also kauft er sich ein Auto und fährt dorthin.

Mr. Jacquel führt mit Mr. Ibis zusammen das Bestattungsunternehmen in der kleinen Stadt und zeigt Shadow wie wichtig es ist, respektvoll mit den Toten umzugehen. Gemeinsam richten sie die Totenfeier für Mad Sweeney aus, den sie kurz nachdem er Shadow um die Goldmünze bittet (es war eine, die er nicht hätte hergeben sollen) tot in einer Gasse finden. Wenig später trifft Wednesday ein und nimmt Shadow mit, ohne dass er sich richtig verabschieden kann. Aber seitdem sieht er öfter einen Falken in den Bäumen an der Straße und Katzen scheinen ihn mit besonderem Interesse zu mustern.

Es ist während der Weihnachtsfeiertage. In einem Diner erklärt Wednesday Shadow wie er früher als Trickbetrüger sein Geld gemacht hat. Seltsam ist dabei, dass es immer Tricks für zwei Personen waren, Wednesday aber nie zuvor einen Partner erwähnte. Im Anschluss wird Shadow von ihm allein in die Kleinstadt Lakeside geschickt, wo ihn Hinzelmann in empfangnimmt und ihm die Wohnung zeigt, in der er leben kann, solange Wednesday in gerade nicht braucht. Er lebt sich gut ein und erlebt noch eine Reihe merkwürdiger Reisen mit Wednesday, bis eines Tages gleich zwei Frauen in der Stadt eintreffen, die wissen, dass dieser Mann nicht Mike Ainsel ist (unter diesem Namen lebt Shadow dort). Doch während Sam bereit ist zu schweigen, macht die Witwe von Shadows bestem Freund im Pub eine riesen Szene, sodass Shadow festgenommen und auf das Polizeirevier gebracht wird. Noch bevor Czernobog und Mr. Nancy ihn nach dem Anruf bei Jacquel dort abholen können, sieht Shadow mit an, wie Wednesday ermordet wird. Seltsamerweise wird nämlich die Verhandlung mit dem Kopf der Gegenseite, Mr. World, im Fernsehen übertragen.

Nun folgt der Austausch der Leiche in der Mitte Amerikas, ein schlechter Ort für sowohl alte als auch junge Götter. Das einzige, was Shadow stutzig macht, ist jedoch nur sein alter Zellengenosse Low Key Lyesmith, der für die anderen den Chauffeur gibt. Inzwischen weiß Shadow genug, um über den Namen zu stolpern. Anschließend hält er für Wednesday die Totenwache, wie bei seiner Einstellung abgemacht. Neun Tage an eine Esche gebunden, ohne Wasser ohne Nahrung. Während dieser Zeit hat er viele Besucher, einige real, einige auf einer anderen Ebene.

Währenddessen sammeln sich die Kontrahenten in Rock City, für eine letzte alles entscheidende Schlacht. Doch bevor sie beginnt, soll Mr. Wood seinem Chef Mr. World einen Zweig der Esche bringen. Pech für ihn, dass er Laura im Auto mitgenommen hat und sie an seiner Stelle vor den mysteriösen Herrn tritt, der sich als Low Key herausstellt. Ihr verrät er seinen Plan die Schlacht Odin zu weihen, sodass dieser wiedererstehen kann und er selbst noch Jahrhunderte von dem entstandenen Chaos leben kann. Mit einer List verwundet sie ihn schwer, tötet dabei aber auch sich beinahe. Als Shadow hinzukommt (warum und wie, lest bitte selbst) liegt Loki im Sterben und Wednesday ist nur eine wabernde Gestalt. Um ihren Plan zu vereiteln, lässt er sie allein, nachdem er sich auch von Laura verabschiedet hat und ihr die Münze abnimmt, die ihr etwas Leben zurückgab, und tritt auf das Schlachtfeld. Dort erklärt er beiden Seiten, dass sie hereingelegt wurden. Denn es ging nie darum, welche Seite gewinnen würde. Daraufhin hören die Kämpfe auf und alle kehren zurück in ihr “normales” Leben. Denn wie viele von ihnen im Laufe der Handlung feststellten, Amerika ist kein gutes Land für Götter.

Hiermit wären die ersten 500 Seiten des Buchs erzählt. Doch zu meiner großen Überraschung hatte ich noch 70 Seiten übrig und auf der nächsten Seite stand groß “Epilog”.

Shadows Aufräumarbeiten sind noch lange nicht erledigt. Zurück in Lakeside findet er ein als verschollen geltendes Mädchen im Kofferraum einer Schrottkiste, die als Wette über den Einbruchzeitpunkt auf den zugefrorenen See geschoben wurde. Er bricht jedoch samt Auto ein und entdeckt viele weitere Wägen am Seegrund, einen für jedes Jahr. Seltsamerweise ist es Hinzelmann der ihn rausfischt und sich in seinem Haus geduldig Shadows Fragen und Erklärungen anhört. Sie werden erst durch den Polizeichef gestört, der wohl alles mitanhörte und Hinzelmann erschießt. Dass er sich im Anschluss selbst umbringen will, immerhin erschoss er den beliebtesten Bürger Lakeside’s, weiß Shadow zu verhindern und erklärt ihm noch, dass die Stadt ihn in Zukunft brauchen würde – schließlich ist der Schutz, den Hinzelmann über Jahrhunderte gewährleistete Vergangenheit. Anschließend löst Shadow seine Schuld bei Czernobog ein, doch dieser berührt ihn nur sanft mit dem Hammer an der Schläfe, er hat in mittlerweile einfach zu gern gewonnen.

Die allerletzte Szene des Buches findet auf Island statt. Shadow ist nämlich auf Reisen gegangen. Doch seine Begegnung mit dem dortigen Odin ernüchtert ihn nur weiter.

“Sie und Ihresgleichen”, sagte Shadow: “Sie sind nie zufrieden ….”

Oh, und ich vergas zu erwähnen. All die Zeit über war Shadow Wednesday’s Sohn.

Bisher kannte ich von Gaiman nur den “Sternenwanderer” und muss sagen, es ist kein Vergleich zu diesem Werk. Es ist zwar schon auffällig, dass die Idee für beide auf Reisen entstanden (der Sternenwanderer in Irland, American Gods in Island), aber hier trennen sich auch schon ihrere Wege.

Dieses Buch ist so vielschichtig wie die Realität, mit der Shadow plötzlich konfrontiert wird, selbst. Außerdem fürchte ich, habe ich eine Reihe von Anspielungen übersehen, da mein Wissen über Mythologie sich hauptsächlich auf die römische/griechische und nordische stützt, ergänzt um ein paar wenige Brocken aus der ägyptischen. Manche Namen der Figuren sind nur so angegeben wie Shadow sie eben verstanden hat, was bedeutet, der Leser muss die korrekte, englische Aussprache parat haben, um sich dann anhand des Klangs die eigentliche Bedeutung zusammenzureimen, z.B. bei Jacquel = Schakal => Anubis, Hinzelmann = Heinzelmann. Bei der ersten Erwähnung von “Low Key” bin ich dafür fast lachend vom Stuhl gefallen.

Auch habe ich die vielen kleinen Nebengeschichten genossen, denn gerade in der ersten Hälfte des Buches wird erwähnt, wie der ein oder andere Gott und auch Kobold nach Amerika kam und wann.

Ein paar weitere Punkte:

  • Gaiman spielt mit einer einstigen Fehlinterpretation Wagners. Denn so wie er Loki beschreibt denkt man eher an ein Feuerwesen (orangene Haare, kleine Flammen, die über seine Haut wandern) als an den Tursen
  • dafür hat er berücksichtigt, dass die Asen ihm einst den Mund zugenäht haben
  • u.a. wird die Königin von Saba, Bilqis, erwähnt
  • Horus Lebensweise ist ein netter Hinweis darauf, wie viele Greifvögel jährlich sterben, weil sie totgefahrene kleinere Tiere von der Straße verspeisen wollen
  • Mittwoch heißt im Schwedischen Onsdag (= Odinstag), im Englischen wurde daraus Wotanstag. Im Deutschen sind die nordischen Bezeichnungen der Wochentage fast alle verschwunden – bis auf Freitag.
  • Czernobog und die Zoryas stammen aus dem slawischen Raum. Interessanterweise sind die Zoryas die Hüterinnen eines Wesens, dessen Beschreibung sich mit der des Fenrir-Wolfs aus der nordischen Mythologie deckt. Der Fenrir-Wolf ist wiederum neben der Midgardsschlange und Hela eines von Lokis Kindern.
  • Wenn wir schon dabei sind. Die Zoryas sind Schicksalsgöttinnen und während die antiken Parzen nicht auftauchen, lernt man doch die Nornen kennen, da sie Shadow an die Esche binden
  • das Buch stammt aus 2001 und Gaiman macht sehr gut deutlich, dass sich Technologien wie das Handy gerade erst am ausbreiten sind, ebenso flächendeckendes Internet
  • an mehreren Stellen tauchen Donnervögel auf, die es auch in die Verfilmung von “Phantastische Tierwesen” geschafft haben
  • im Anhang geht Gaiman darauf ein, dass er einen Teil der Münztricks, die Shadow verwendet, selbst beherrscht bzw. sie extra für das Buch gelernt hat, um sie besser beschreiben zu können
  • jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat, das zu diesem passt. Kapitel 16 beginnt mit dem oben zitierten Ausschnitt aus Berthold Brechts “Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny”. Es hat mich überrascht es in diesem Kontext zu lesen.

Hier alles niederzuschreiben, würde wohl den Rahmen sprengen. Daher kann ich euch nur empfehlen, das Buch selbst zu lesen –  am besten mit einem Buch über Mythologie griffbereit oder Wikipedia. Es lohnt sich.

PS: Ob sie die Serie lohnt? Kann ich euch noch nicht sagen, aber mein Bauchgefühl sagt mir, das zu viele Anspielungen vermutlich hinten runter fallen werden, da man sie unter Umständen noch weniger wahr nimmt als im Buch. Und das wäre schade.

Begonnen/Beendet: 18.7.-11.8.17


PPS: Die Serie ist gut –  wenn man das Buch nicht kennt. Die Handlung wurde leider verändert und auf “pompös” getrimmt. Schade. (16.10.17)

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Terry Pratchett – “Lords und Ladies”

All die Jahre über wurden wir über die wahre Herkunft der Kornkreise angelogen! Nicht Außerirdische sind dafür verantwortlich, sondern die schwächer werdenden Barrieren zwischen den verschiedenen Welten – zumindest auf der Scheibenwelt, wo dieses Phänomen als Kreiszeit bekannt ist.

Doch darum geht es hier eigentlich nicht. Es geht um die glückliche Vermählung von Venrence, König von Lancre, mit der Hexe Magrat. Doch statt ihr formell einen Heiratsantrag zu machen, stellt er sie vor vollendete Tatsachen: der Termin steht fest, die Gäste sind bereits geladen und selbst das Kleid ist bereits fast fertig. Nicht gerade der Beginn einer Märchenhochzeit, aber immerhin kann die Verlobte in Spe dann nicht “Nein” sagen.

Kurz darauf verkracht sich dann Magrat auch noch mit Granny Weatherwax (s. Equal Rites) und zieht schon vorzeitig ins Schloss ein. Doch dass das Leben als (beinahe) Königin so langweilig sein würde, hat ihr natürlich keiner gesagt, als sie das Hexe-Sein an den Nagel hing.

Dafür haben die beiden anderen Hexen – Nanny Oggs macht die 3 voll – alle Hände voll damit zu tun, einen Haufen toll gewordener Junghexen zu bändigen. Die haben nämlich blöderweise oben im Wald bei den Tänzern (riesige Magnetsteine) getanzt. Blöde Idee. Ganz, ganz blöde Idee.

Aber zurück zu den Hochzeitsvorbereitungen. Aus dem fernen Ankh-Morpork macht sich eine Delegation von Zauberern auf den Weg, geführt von Mustrum Ridcully, der in alten Erinnerungen schwelgt, nach Lancre und gabelt nebenbei noch den zweitgrößten Liebhaber der Scheibenwelt, Casanunter (macht im Englischen Original wahrscheinlich etwas mehr Sinn), auf. Währenddessen probt eine Gruppe von Handwerkern ein Theaterstück zu Ehren der Brautleute ein – an den Tänzern, weil sie ansonsten von den anderen Untertanen immer gestört wurden. Der einzige der dabei ein mulmiges Gefühl hat, ist Schmied Ogg, Nannys Sohn und in der Lage alles zu beschlagen (dafür beschlägt er ab und zu das Pferd eines Herrn, der nur in GROßBUCHSTABEN spricht – wer mag das wohl sein? 😉 ).

Trotzdem führen sie ihr Stück der Brautgesellschaft genau dort vor. Es fehlen lediglich die beiden alten Hexen (wild umworben) und Magrat, die im Schloss schmollt, seit sie in Verence Sachen einen Brief von Granny gefunden hat, aus dem hervorgeht, dass sie dem König zu der oben beschriebenen Überrumpelungstaktik geraten hat. So ist sie aber im Schloss und kann sich zur Waffenkammer flüchten, als die Elfen angreifen. Und nein, Elfen sind nicht nette, harmlose Wesen. Bei Licht betrachtet und ohne den Einfluss des Glamour hätte man lieber ein paar Wesen aus den Kerkerdimensionen als Elfen in seinem Königreich. Aber glücklicherweise mögen sie kein Eisen. Aber unglücklicherweise hat die Elfenkönigin Venrence in ihrer Gewalt und plant ihn zu heiraten, um sich Lancre untertan zu machen.

Natürlich hat Magrat etwas dagegen und zieht ausgestattet mit der Rüstung einer alten Heldin und Königin aus Lancre (die es eigentlich so nie gab) gegen sie aus. Letzten Endes braucht es aber dann doch Granny Weatherwax, der es endlich gelingt in den Geist von Bienen einzutauchen, und den Elfenkönig, den Nanny Ogg auf den Plan gerufen hat, um der Situation wieder Herr zu werden.

Letzten Endes heiratet Verence seine Magrat im kleinsten Kreis und bis auf Ridcully, dem Granny wieder einen Korb gab, sind alle glücklich.

Sogar der Schreiberling aus Ankh Morpork, der diesen “Sommernachtstraum” etwas realistischer gestalten musste und ihn unter dem Titel “Widerspenstige Zähmung” auf die Bühnen der Scheibenwelt bringen will.

So…

Ich habe inzwischen den Sommernachtstraum in mehreren Varianten auf der Bühne gesehen und mir ist zumindest stellenweise klar, wo sich Pratchett an ihn anlehnt, allerdings funktioniert das Buch auch wunderbar ohne diese Referenz und die Bezüge auf die in der Geschichte vorangehenden Bücher, die ich leider nicht gelesen habe.

Die Geschichte ist kurzweilig, amüsant, an den richtigen Stellen spannend und wie gewohnt gespickt mit Situationskomik, zum Beispiel wenn Jorick Ogg (Wächter im Schloss) seine Mutter fragt “Freund oder Feind” und diese antwortet, sie sei seine Mutter und er solle den Blödsinn lassen. Oder aber auch die Beschreibung der Grabhügelformation, unter der der Zugang zur Welt des Elfenkönigs liegt.

Trotz all dieser Einfälle schlich sich ab und zu aber auch ein Stimmchen in meinen Kopf, das sagte “aber das ist doch wie in…” Daher hier nun ein kleiner Ausschnitt aus den Ähnlichkeiten zu den “Großen Schwertern(W)  – übrigens älter als dieses Buch -und den “Kingkiller-Chronicles” von Rothfuss (R).

  • Elfen mögen kein Eisen (alle 3)
  • die Elfenkönigin ist rothaarig (W)
  • Einhörner sind flauschig – das Haustier der Elfenkönigin verirrt sich und erhält von Schmied Ogg silberne Hufeisen – und oh, ähm, sorry, dass ist aus “Ich, einfach unverbesserlich” – kleiner Fehler
  • Der Braut ist ihr Ehegatte nicht königlich fast lieber (W)
  • Elfen sind hinter ihrer Schönheit eigentlich ziemlich grausame Wesen (R)
  • der Elfenkönig wird mit dem Teufel gleichgesetzt – in (P) lebt dieser nämlich unterirdisch in einer Art Sauna und Nanny Ogg ist froh, dass nur seine Gedanken erscheinen, nicht er selbst, während in (W) Ineluki mit einer an ein Geweih erinnernden Krone geschildert wird – ein äußerliches Merkmal, dass in der dortigen monotheistischen Religion mit dem “Teufel” in Verbindung gebracht wird
  • alle kuschen vor der weisen Frau – Granny Weatherwax vs. Geloe (W)

Jetzt könnte ich die Liste natürlich noch so weiterführen. Aber wo bliebe da für euch der Spaß? Falls euch noch etwas Wichtiges einfällt,  könnt ihr es ja einfach in die Kommentare schreiben.

Viel Spaß beim Lesen eine wirklich heiteren, wenn auch zwischenzeitlich wirklich bösartigen Buches!

Begonnen: 19.7.    Beendet: 29.7.17

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