Ferienzeit – Lesezeit?

Während der Prüfungszeit habe ich mein Lesekontingent etwas zurückgeschraubt, um mehr Zeit zum Lernen zu haben. Aber jetzt habe ich endlich genug Zeit, um in aller Ruhe zu Lesen – und zwar auch tagsüber und nicht nur eine Stunde vor dem Schlafengehen.

Zur Zeit lese ich 2 Bücher:

1. Kerstin Gier “Silber”, das ich meiner Mutter vorlese – wer das für seltsam oder altmodisch hält ist selbst schuld! Ich finde Vorlesen ist eine wunderbare Tradition und sollte viel häufiger gemacht werden, nicht nur für kleine Kinder, die noch nicht selbst lesen können, sondern auch im normalen Familienleben. Ganz nebenbei ist es nämlich ein gutes Training fließend und lange zu Sprechen, ohne dass dabei die Verständlichkeit leidet. Zudem ist es eine schöne Geste, um Zuneigung zu dem anderen auszudrücken – ich mag zwar auch Hörspiele, aber Vorlesen verdeutlicht auch die Tiefe einer Beziehung, ob jetzt zwischen Eltern und ihren Kindern oder zwischen 2 Partnern, weil man sich dabei Mühe gibt und Zeit für den anderen aufbringt.

2. David Mitchell “Wolkenatlas”: Hier zu Lande wohl eher als “Cloudatlas” bekannt, weil die Verfilmung unter diesem Titel letzten Herbst in die Kinos kam. ich habe es aus der Bücherei ausgeliehen und stehe deshalb etwas unter Zeitdruck beim Lesen, da es stolze 668 Seiten sind. Aber gerade bei diesen episch angelegte Filmen, passiert es viel zu oft, dass die Buchvorlage gekürzt und anders übernommen wurde.

Momentan befinde ich mich in dem Abschnitt, in dem der junge, mittellose Komponist Rober Forbisher (keine Gewähr für richtig geschriebene  Namen! – ich bitte um Nachsicht) langsam Gefallen an der Arbeit für den erkrankten Großmeister Ayrs findet. Von seinem Leben in Belgien erfährt man nur durch Briefe an seinen Freund Sixsmith im Jahre 1931. Wenn ich mich recht entsinne, treten hier bereits die ersten Unterschiede auf zum Film, da zum einen die Ehe von V.A. kinderlos war und zum anderen erzählt wird, Ayrs wäre nur mit seiner Frau verheiratet, um sie vor dem NS-Regime zu schützen…Wer in Geschichte aufgepasst hat, kann sich also zusammenreimen, dass in diesem Bereich ordentlich geändert wurde. Jedoch gefällt mir der Stil der Briefe. Es hat fast etwas träumerisches wie Forbisher die Stimmung einzelner Situationen seinem abwesenden Freund beschreibt und dabei immer wieder auf Begriffe der Musik zurückgreift. Fast ist es bedauerlich, dass derart lange Briefe unüblich geworden sind – auf der anderen Seite: Wären wir wirklich bereit Wochen auf die Antwort zu warten?

Diesem Abschnitt gehen Auszüge eines Tagebuchs voran, das ein Notar Ende des 19. Jh. auf einer Reise von Sydney nach Kalifornien schreibt. Diese Auszüge liest besagter Komponist und erkennt zu Recht, dass sie in einer fast gekünstelt wirkenden Sprache niedergeschrieben sind. Jedoch ist es herrlich wie naiv der Notar sich in die “guten” Hände eines Arztes begibt, den er auf der Suchr nach menschlichen Zähnen am Strand kennengelernt hat.

Kurzer Schwenk zum Film: Diese Szene wird mit den Worten begleitet, dass er dort das erste Mal den Teufel getroffen hätte, wobei der Erzähler einer viel späteren Epoche entstammt. Eine kluge Zusammenführung, da auch Menschen teuflisch sein können,  so wie auch so genannte “Freunde” für ihren Profit schlecht (be)handeln können, wie im späteren herauskommt.

Nun aber noch kurz zu dem anderen Buch:

So viel ich weiß, soll Silber ähnlich wie Rubinrot der erste Teil einer Trilogie werden, und hat nach meinem derzeitigen Lesestand (so um die 130 Seiten) auch das Zeug dazu, da sich sowohl der Schreibstil als auch die Spannungskurve angenehm ergänzen.

Jedoch sollte man gewarnt sein: Ähnlich wie in Rubinrot, muss man sich erst einige Seiten durch scheinbar überflüssige Einführung in Ort, Zeit und Rahmenbedingungen lesen, bevor man tatsächlich zu des Pudels Kern kommt (ja, ich mag Faust).

Kurze Zusammenfassung:

Die 15-jährige Olivia Silber (damit ist die Protagonisten 1 Jahr jünger als es noch Gwendolyn war – heißt sie wirklich in der englischen Übersetzung anders?) muss bei einem der zahlreichen Umzüge feststellen, dass ihre Mutter ganz eigene Pläne hat und landet deshalb mit kleiner Schwester, deutschem Kindermädchen (wohl eher Ersatzmutter) und Hund statt in Oxford in London und soll demnächst bei dem ihr bis dato unbekannten Freund ihrer Mutter einziehen.

Außerdem gibt es 4 ältere Jungs (einer davon ihr Stiefbruder), die in ihrer neuen Schule fast schon vergöttert werden und eine Art Geheimzirkel bilden, dem sie betreten soll. Dieser Zirkel praktiziert in einer Art Traumwelt, betet (teils auf Latein) einen “Herrn der Finsternis” an und es ist immer noch nicht klar, ob dieser “Herr” nicht auch Opfer fordert.

Das kann noch spannend werden…

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3 Responses to Ferienzeit – Lesezeit?

  1. julixsoph says:

    Habe soeben eine kleine Verbindung zwischen beiden Büchern gefunden. Robert “vergleicht” (bei mir auf S. 103) die Tochter seiner Gastgeber Eva mit Christina Rossetti, deren Grab in “Silber” zum Treffpunkt des Geheimzirkels wird

  2. Mimi says:

    Ahh… Silber habe ich schon gelesen 😉 Sag Bescheid, wenn du fertig bist, ich gebe dann gerne meine Meinung zum Besten 😛

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