“Anspruch” an die (deutsche) Literatur

Je länger man in der Schule ist, desto seltsamer werden die Werke, die man im Deutschunterricht lesen muss!

Leider musste ich am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, der Willkür des Kultusministeriums ausgesetzt zu sein. Denn waren “Faust” und “Der Besuch der alten Dame” noch spannend und interessant zu lesen, so kamen mir doch Zweifel weswegen wir ausgerechnet “Michael Kohlhaas” und “Der Proceß” lesen müssen. Klar es sind großartige deutschsprachige Werke von Autoren deren schriftstellerisches Genie ich keineswegs aberkennen will, jedoch finde ich es bedauerlich, dass so wenig abseits der so genannten “Klassiker” in der Schule gelesen wird  bzw. Lehrer stutzig werden, wenn man beim sog. “freien Thema” im Deutschabi anfängt mit Cecilia Ahern und Bram Stoker zu argumentieren.

Natürlich gibt es auch genug Lehrer, die versuchen auch einmal in modernere Gefilde der Literatur vorzudringen, jedoch meist mit dem Ergebnis, dass ähnlich kafkaeske Werke ausgesucht werden wie bereits im Lehrplan stehen.

Was ich mir aber eigentlich wünschen würde, wäre, dass auch die Schüler ein Mitspracherecht haben, was gelesen werden soll. Vielleicht käme da mal was Moderneres bei raus, das eher in Richtung Mainstream geht als nach der Nase der sog. “Kritiker”. Es spricht doch nichts dagegen einmal zu analysieren wie Leonie Swan (u.a. Autorin von Glennkill – Krimigeschichte aus Sicht von einer Schafherde) es gelingt trotz der naiv wirkenden Sichtweise der Schafe ihre Geschichte spannend zu halten, wie sie Bilder einsetzt und auch mit Klischees spielt.

Natürlich kann man mit den höheren Anschaffungskosten argumentieren, aber Taschenbuchausgaben sind meistens etwas günstiger und auch die Bücher, die im Lehrplan stehen kosten meist um die 7€, wenn nicht manchmal mehr. Und ich glaube die Bereitschaft wäre größer, sich das Buch zu kaufen, wenn man es auch so, einfach nur für sich selbst gekauft hätte. So musste ich mal ein Buch kaufen für Englisch, das nicht in Deutschland erhältlich war, habe dann wegen des strengen Winters ewig darauf gewartet und als ich es endlich in Händen hielt, haben wir es nur noch eine Stunde lang gebraucht – so was bezeichnet man dann wohl als Fehlkauf.

Aber nun zurück zu den Kritikern:

Ich finde es erschreckend wie sich manche hinstellen und denken, das, was ihre persönliche Meinung ist, müsse auch für alle anderen Leser gelten. Natürlich wurde erst jüngst durch eine Soft-SM-Reihe (die ich nicht gelesen habe und auch nicht vorhabe zu lesen) gezeigt, dass sich die breite Masse nicht von der Kritikermeinung abhalten lässt etwas zu lesen, jedoch wird in späteren Jahren danach gerichtet werden, welche Bücher “Klassiker” werden und welche nicht. Wer gab ihnen das Recht Werke eines Schriftstellers, die nach seinem Willen nicht veröffentlicht werden sollten so hoch zu loben, dass heutige Schülergenerationen sich noch damit quälen müssen?

Daher zum Schluss meine Empfehlung:

Lest! Lest so Querbeet und bunt wie ihr wollt und lasst auch von niemandem einreden, dass das Buch, das ihr so toll fandet, absoluter Schund sei. Klar manche Bücher sind das vielleicht tatsächlich, aber wo kämen wir da hin, wenn wir alle nur noch alte Schinken auf höchstem sprachlichem Niveau lesen dürften? Lesen soll schließlich Spaß machen! Ist es nicht sogar löblich in unser heutigen Zeit überflutet mit Massenmedien wie Fernsehen, Internet und mehr Filmen und Serien wie ein einzelner je schauen könnte, überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen? Denn für das Wesentliche, das Bücher bewirken, muss es kein großer Schriftsteller, Philosoph oder Psychoanalytiker sein.

Wenn wir ein Buch lesen, lesen wir zu einem gewissen Teil auch immer uns selbst und erkennen so, was uns vielleicht bis dahin verborgen war, und werden darüber hinaus um einige Erfahrungen reicher.

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2 Responses to “Anspruch” an die (deutsche) Literatur

  1. Mimi says:

    Mich hat gestört, dass nur ‘Literatur’ gelesen und interpretiert wird, aber den Schülern nicht beigebracht wird zu schreiben. Im Gegenteil, Kreativität wird im Deutschunterricht in den Schulen zumeist gehemmt. Warum macht man es nicht wie in den USA? Literatur UND Creative Writing.

  2. 安奈 says:

    Ich finde deinen Blogeintrag wirklich gut. Es geht eben wirklich in erster Linie, um das Lesen an sich, um den Spaß dabei und nicht um den Wert, den es nach, welchen Herren/Damen auch immer, haben soll.
    Ich lese gerne “Klassiker”. Unter anderem finde ich “Fast” von Goethe wirklich gelungen, aber auch “Robinson Crusoe” von Daniel Defoe, “Die Schatzinsel” von Robert Louise Stevenson, sowie die Werke von Jule Verne (“20000 Meilen unter dem Meer”, “Reise zum Mittelpunkt der Erde” oder “In 80 Tagen um die Welt”) einfach angenehm zu lesen.
    Aber auch die moderne Literatur hat ihre besonderen Werk. Besonders hat es mir “The Name of the Wind” von Patrick Rotfuss angetan. Ein Triologie, die ein Menschenleben in drei Tagen erzählt. Ich finde es spannend, wenn sich Geschichten in mehrere zeitlichen Ebenen bewegen.
    Noch zu Erwähnen ist die populärwissenschaftliche Literatur, die auch einen wichtigen Platz einnimmt. Unter anderem mit “Ach so! Warum der Apfel vom Baum fällt und weitere Rätsel des Alltags.” von Ranga Yogeshwar oder von Stephen Hakins “Das Universum in einer Nussschale.”
    Mit Witz Alltagssituationen oder die Gesetze der Physik zu erklären gelingt nicht jedermann.

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