Suzanne Collins – “Die Tribute von Panem”

Die Wahl viel dann doch schneller als erwartet: ich werde “The Return of the King” fertiglesen und damit mein drittes Mal Lesen des “Herrn der Ringe”.

Aber was tat ich, nachdem ich mein schriftliches Abi geschrieben hatte, bevor ich in den Osterferien anfing mich in die nordische Mythologie einzuarbeiten, um beim der ersten Lektüre des englischen Originals von “Lord of the Rings” entsprechend gewappnet zu sein? Ich backte Ende März mit einer meiner besten Freundinnen Lebkuchen und bekam den ersten Teil der Tribute von Panem ausgeliehen, damit ich, wenn mir 2 Tage darauf in den Film gingen, wüsste, worum es geht. Bis auf die letzten 30 Seiten hatte ich es tatsächlich geschafft. Im Anschluss wünschte ich mir den Soundtrack von meiner besten Freundin (war auch mit im Kino) den Soundtrack zum Geburtstag, bekam aber, was mich heute noch sehr freut, die CD “Songs from District 12 and beyond”, die Lieder enthält, die thematisch zum Buch passen, aber nicht alle im Film verwendet wurden. Sie ist wirklich gut, um in die richtige Stimmung für die Bücher zu kommen. (Kurzer Einwurf: Hat jemand gesehen, was für einen fantastischen Mond wir heute Nacht haben? Ein gelber Vollmond vor tiefschwarzer Nacht.)

Tödliche Spiele

Eigentlich ist die Geschichte um die 17-jährige Katniss Everdeen (so alt ist sie auch noch in Band 3, obwohl c.a. 1 1/2 Jahre vergangen sind!) eine klassische Dreiecksbeziehung, die sich erst zum Schluss von Teil drei entwirrt. Uneigentlich ist es eine Geschichte über Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit, Wahrheit, Mut und die Frage, was tatsächlich das Richtige zu tun, bedeutet. Katniss lebt nämlich in dem nach unserer Zeit existierenden Staat Panem, auf dem Gebiet der heutigen USA, der aus der Hauptstadt, dem Capitol, und 12 Distrikten besteht, die diese mit jeweils typisch dort hergestellten Dingen beliefern. Während das Capitol in Saus und Braus lebt, hungern die meisten Menschen in den Distrikten, v.a. in Distrikt 12, der bis auf Kohleabbau nicht viel zu bieten hat und aus dem auch Katniss stammt. Die Begründung für dieses System? Erhaltung des Friedens, seitdem Distrikt 13 sich vor knapp 80 Jahren gegen das Kapitol auflehnte und “von der Landkarte getilgt” wurde. Außerdem “dürfen” pro Jahr je ein Junge und ein Mädchen aus jedem Distrikt an den sog. Hungerspielen teilnehmen, um im Siegesfall ein Jahr andauernde Sonderrationen für ihren Distrikt zu gewinnen. Der Haken: das Highlander-Prinzip gilt auch hier. Ergo, kann es nur einen Überlebenden geben. Wer hier an das römische Reich zu Zeiten der Kaiser erinnert wird, dem sei Recht gegeben – später fällt “Panem et Circenses” sogar als Ausdruck.

Die Teilnehmer werden bei der sog. “Ernte” ausgelost. Gale, Kindheitsfreund und Jagdgefährte, schlägt Katniss am Morgen dieser vor, wegzulaufen, doch sie entscheidet sich dagegen, was im Nachhinein gut ist. Denn ihre kleine Schwester Primrose wird ausgewählt. Da sie an ihrer Statt geht, lernt Katniss nun genauer den Bäckerssohn Peeta kennen, der sie schon länger heimlich liebt, und fährt mit ihm und ihrem Tutor Haymitch, dem einzigen bisherigen Sieger von Distrikt 12, zum Capitol.

Schnell werden die beiden nach Peetas öffentlichem Liebesgeständnis zu dem tragischen Lieblingspaar der Capitol-Bewohner, für die selbst noch die 74. Hungerspiele nur Belustigung sind. Doch bald ist ihre “Liebesbeziehung”, die von Katniss Seite nur halb stimmt, der einzige Weg, die Arena zu überleben. Zwar hat Katniss illegale Jagderfahrung, doch die anderen sind besser, schneller, stärker und die Spielmacher wollen eine Show, bis nur noch Peeta und Katniss übrig sind. Doch was bedeutet dein Leben, wenn dafür die Liebe deines Lebens sterben muss? Ausweg: gemeinsamer Suizid, der in letzter Sekunde verhindert wird. Und nun kommt das Problem: Peeta glaubt die Regierung seine Liebe, doch Katniss, deren Zeichen in der Arena eine Spotttölplebrosche ist und die auf Grund ihres Kostüms bei der Vorstellung im Capitol “Mädchen in Flammen” getauft wurde, wird als Rebellin angesehen, die alles eiskalt kalkuliert hatte, um das Capitol lächerlich zu machen.

Gefährliche Liebe

Seit ihrer Rückkehr nach Distrikt 12 geht es allen besser, doch Katniss meidet Peeta und muss feststellen, dass Gale für sie Gefühle hat, was ihre Situation nicht unbedingt bessert. Denn kurz vor der “Tour der Sieger”, eine Reise quer durch alle Distrikte, erscheint President Snow persönlich bei ihr, um sie darauf hinzuweisen, dass ihre Familie nur so lange am Leben bliebe, wie sie alle Welt glauben machen könne, dass sie Peeta tatsächlich liebe und keine Rebellion starten wolle. Doch Katniss braucht die Rebellion nicht mehr zu entzünden. Sie war die ganze Zeit schon im Untergrund im vollen Gange! Doch Katniss muss ihre Rolle weiterspielen, so tun als wolle sie Peeta wirklich heiraten und täuscht sogar eine Schwangerschaft vor, als sie mit Peeta und 22 anderen “Gewinnern” bei den 75. Hungerspielen wieder in den Ring muss. Doch diesmal ist es anders. Die Gegner kennen sich besser und bald findet sich eine Gruppe an Leuten zusammen, die sie und Peeta unter in Kaufnahme eigener Verluste beschützen, bis zu dem Zeitpunkt, als sie das Kraftfeld um die Arena sprengt. Peeta wird vom Capitol entführt und sie von den Rebellen gerettet, die von Distrikt 13 unterstützt und von einem Teil der Gewinner organisiert wurden. Und dann besucht sie Gale, und berichtet ihr, Distrikt 12 gäbe es nicht mehr. Litten alle nicht Linientreuen Distrikte schon unter den “Friedenswächtern” (Polizei/Armee des Capitols), so hatte das Capitol nun beschloss Katniss alles zu nehmen: mit der Bombardierung ihrer Heimat.

Flammender Zorn

Die wenigen Überlebenden aus Distrikt 12 haben Unterschlupf in dem nicht zerstörten Distrikt 13 gefunden, der unter der Erde existiert. Katniss, psychisch instabil, wird zum Gesicht der Rebellion und auch bald des Krieges, der zwischen den Distrikten und dem Capitol entbrannt ist. Peeta kann gerettet werden, wurde jedoch unter einer speziellen Folter aller Gefühle für Katniss beraubt und hält sie nun für ihren Todfeind. Währenddessen gibt es immer wieder Nachricht von Tod bekannter Leute. Langsam wächst Katniss in ihre Rolle rein, beschließt aber bei der letzten Belagerung des Capitols auf eigene Faust President Snow zu töten.

Die Bande zu Gale zerreißen, als Katniss mit ansieht wie ihre als Sanitäter eingeteilte Schwester bei einer Explosionsfalle, die er für Distrikt 13 entwickelt hatte stirbt. Sie fällt zurück in ihren instabilen Zustand. Als ihr das Privileg zu Teil wird, President Snow öffentlich hinrichten zu dürfen, erschießt sie nicht ihn, sondern das Regierungsoberhaupt von Distrikt 13, da sie erkannt hat, dass sie ihr größerer Feind ist. Das Gerichtsurteil hierfür ist Exil und so kann sie endlich wieder nach Distrikt 12, der wieder aufgebaut wird. Später nähern sie und Peeta sich wieder an und gründen tatsächlich eine Familie.

Fazit

Diese Bücher gehen unter die Haut. Der Schreibstil gibt einem das Gefühl, weniger ein Buch zu lesen als es viel mehr zu schauen. Und dennoch musste ich mir ob der Brutalität vieler Szenen, immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass es nur ein Jugendroman ist. Trotzdem konnte ich die Bücher nur schwer aus der Hand legen. Teil 2 folgte erst Ende Mai diesen Jahres, als die ersten Ankündigen für den zweiten Film kamen, da ich nicht wie bei “Wolkenatlas” ewig auf das Buch warten wollte. Doch mein Vorhaben, mit Teil 3 zu warten, scheiterte an Gales Offenbarung am Ende des Buches.

Leider überleben meine beiden Lieblingsfiguren nicht: Cinna, Katniss mehr als genialer Stylist, und Finnick, der als Verbündeter in Teil 2 hinzukommt. Und die Lösung der Dreieckbeziehung finde ich am Ende etwas zu drastisch, wobei es sich um wahre Tragik (googelt mal die richtige Definition!) handelt, da Katniss doch nur Primrose retten wollte, wodurch aber eine Ereigniskette in Gang kam, die letzten Endes ihren Tod herbeiführte. Dennoch gut gelöst, da es so für Katniss nie ein zurück zu Gale geben wird.

Außerdem fließt sehr viel Gesellschaftskritik in die Bücher mit ein. Bei genauer Betrachtung sind wir gar nicht so weit entfernt von dem Staatssystem in Panem, wenn man die Sache einmal global betrachtet. Zudem hab ich in letzter Zeit das Gefühl, dass die Gesellschaft im Allgemeinen immer mehr gegenüber gezeigter Brutalität abgestumpft ist. Es reicht nicht mehr v.a. in Filmen den Beginn von Szenen zu zeigen und dann abzublenden. Nein, wir wollen sehen, wie Leute verprügelt oder über den Haufen geschossen werden, und sind doch gleichzeitig schockiert, wenn wir die aktuellen Nachrichten mitbekommen. Wieso können wir nicht mehr “Gute Nachrichten” haben? Zumindest ich würde mich mehr freuen über die Nachricht “Katniss Everdeen gewann als beste ihrer Altersgruppe in der Disziplin Waldlauf” als “Katniss E. überstand das fröhliche Gemetzel nur dank ihrer tragischen Liebe”. Oder wie geht es euch damit?

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One Response to Suzanne Collins – “Die Tribute von Panem”

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