Biss ins Abend(b)rot oder wieso Alucard bei Edwards Anblick Lachen würde

Es gab drei Dinge, derer ich mir absolut sicher war:

Erstens: Edward, Lestat und Dracula waren Vampire.

Zweitens: ein Teil von mir – und ich weiß genau, wie mächtig dieser Teil ist – möchte an dieser Stelle anmerken, dass heute nicht Halloween, sondern Reformationstag ist.

Und drittens, ich bin bedingungslos und unwiderruflich der Meinung, dass echte Vampire nicht glitzern.

Soviel dazu. Eigentlich wollte ich euch an dieser Stelle einen Artikel präsentieren, den ich in der elften Klasse für den Deutschunterricht geschrieben habe: Twilight vs. Lestat. Da der leider auf irgendeinem Speichermedium verschüttet wurde, nutzte ich die Chance, um euch etwas gekürzt, dabei aber ergänzt um Bram Stokers “Dracula”, den Inhalt zu präsentieren.

Ein Geständnis vorne weg aber noch: Ich habe alle vier “Twilight” Bücher. Die letzte Hälfte habe ich sogar aus Neugier im Original gelesen. Allerdings verdient aus meiner Sicht nur “The short second life of Bree Tanner” tatsächlich das Attribut “Vampirroman” und ab dem Punkt, an dem Bella ihre Schwangerschaft bemerkt wird es einfach nur noch lächerlich. Glücklicherweise stieß mich die Bitte einer guten Freundin, ein Buch für sie in der Bücherei abzugeben, auf “Interview mit dem Vampir”. Seltsamerweise hatte ich ihr keine 2 Monate zuvor “Dracula” geschenkt, ohne es vorher je selbst gelesen zu haben. Aus Anne Rice Vampirchroniken habe ich die ersten 4 Bände, sowie “Armand” und “Hohelied des Blutes” gelesen.

Wieso ich finde, dass Twilight sich nicht zu Dracula und Lestat gesellen kann? Ganz einfach: das “Vampirsein” ist dort eigentlich nur Nebensache und austauschbar. Nehmt statt Vampiren und Werwölfen einfach zwei verfeindete Familien, Gesellschaftliche Schichten etc. oder nur für die Vampire; Supermodels, Auftragskiller, Spione, Großindustrielle etc. Merkt ihr was? Das geht viel zu einfach! Klar da wäre noch der Aspekt mit der Unsterblichkeit, aber irgendwie hat man das ja mittlerweile in den meisten kitschigen Liebesgeschichten drin. Auch die anderen beiden Werke haben als ein Hauptthema “Liebe” und sonstige zwischenmenschliche Gefühle, jedoch steht auch das Blut und das Töten im Vordergrund. Es wird nicht als notwendiges Übel sondern als zentraler Bestandteil behandelt und zumindest die meisten Vampire (bei Louis kann man sich später nicht mehr so sicher sein) dort verziehen nicht die Mine nach dem Motto “Ich bin ja so ein schreckliches Monster!”. Schuldgefühle, ja, sicher, wenn jemand, den sie eigentlich retten wollten, dann doch zum Hauptgang wird (vgl. Lestat), aber doch bitte nicht dieses nach Dauerschmerzen aussehende, selbst noch am Hochzeitstag verzogene Gesicht.

Ebenso ist mir aufgefallen, dass die Faszination der Vampire sich nicht durch ihr keusches Benehmen auszeichnet. Edward fällt im Vergleich zu seinen angeblichen Artgenossen viel zu bieder aus, während selbst Dracula bzw. Miss Lucy deutlich mehr Sexappeal versprühen – von Lestat gar nicht erst zu reden. Klar, man könnte nun mit religiösen Vorstellungen, Moral und ähnlichem argumentieren, jedoch sind gerade die Vamprichroniken voll mit Spiritualität, denn kaum einer der Hauptcharaktere ist nicht irgendwie einmal tief vom Glauben beeinflusst worden. Zudem ist Rice deutlich fortschrittlicher als Meyer im Bezug auf Familienplanung. Zwar hat letztere mit den Cullens ein interessantes Beispiel für Patchwork eingebracht und Renesme und Jakob werden irgendwann auch mal ganz interessant sein, aber Rice schlägt sie bereits um Längen mit der Beschreibung von Vater-Vater-Kind. Da bliebe nur noch Dracula, dem wir zumindest die Suche nach einer (weiteren) Frau attestieren können und der sich Kirchen bzw. Gruften als Schlafstätten aussucht, obwohl er christliche Symbole sonst meidet.

Das Spiel könnte man jetzt noch eine ganze Weile so treiben, was ich jedoch lieber lasse, da ich schon mehr geschrieben habe als ich eigentlich wollte. Aber um zum Schluss auf den Titel dieses Eintrags zu sprechen zu kommen: Alucard ist zumindest im Manga “Hellsing” (lesenswert!!!, auch wenn ab Band5 die Story etwas seltsam wird) das, was sich von Dracula in unsere Zeit retten konnte, und genau wie sein Vorbild (die Übernahme von allem Wichtigen von Bram’s Dracula ist wirklich gut gelungen) ein Vampir wie man sich ihn vorstellt: nicht handzahm (Integra zählt nicht!), blutdurstig und mit einem leichten Bedauern darüber, dass seine Art langsam zu Grunde geht (Lest einfach selbst). Auf jeden Fall hat sich irgendjemand mal die Mühe gemacht, ein Bild zu zeichnen, was wohl passieren würde, wenn Alucard und Edward auf einander träfen. Ersterer kichert “He sparkles” – gut für Edward, denn sonst hätte er gegen ihn kämpfen müssen und vermutlich verloren, Diamantenhaut hin oder her.

In diesem Sinne: gruselt euch nicht zu sehr und erfreut euch lieber (wenn es euch betrifft) am morgigen AllerHeiligen.

Advertisements
This entry was posted in Books and tagged , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s