Terry Pratchett – “The Light Phantastic” – meine zweite Scheibenwelt – & – Auflösung zu Appetithäppchen #002

Der eingefleischte “Discworld”-Fan wird natürlich längst gemerkt haben, dass es sich bei dem letzten Appetithäppchen um einen Auszug aus “the Light Phantastic” gehandelt hat – für den Rest folgt nun die Handlung:

Es wäre viel zu schade solch geniale Figuren wie Rincewind und Twoflower zu verlieren indem sie über den Rand der Scheibenwelt fallen. Dieser Meinung ist zumindest das Octavo, das in seinem Kerker in der Unseen University einigen Rabatz macht, um die beiden wieder aufzufangen. Das es nebenbei dafür sorgt, alle hochrangigen Zauberer aus den Betten zu scheuchen und diese auf die Suche nach Rincewind zu schicken, ist ihm dabei herzlich egal. Auch das Schicksal des Bibliothekars, das es nebenbei in einen Urang-Utan verwandelt, lässt es kalt. Allerdings ist es ihm nicht egal, dass die Stimmen immer lauter werden, die seine 8 Sprüche zu früh sagen wollen.

Währenddessen muss Rincewind mit seiner Verwirrung kämpfen. Wieso ist er statt im freien Fall in einem tiefen, dunklem Wald, in dem die Bäume immerzu versuchen mit ihm zu reden? Zumindest hat er Twoflower bei sich, was aus dem sympathischen Wassertroll aus Band 1 wurde erfährt man nämlich leider nicht. Aber der Wald hat zum Glück nach andere Bewohner, die es tatsächlich lieb mit planlosen Wanderern meinen, und sie in das verwaiste Haus einer alten, freundlichen und leider verstorbenen Dame führen. Dort können sie sich aufwärmen und am Haus gütlich tuen, dessen süßen Bestandteile sich selbst reproduzieren. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer, als die erste Gruppe Zauberer auf der Suche nach Spruch Nummer 8 Rincewind kidnappen will. Also wird auf den Besen der alten Dame gestiegen oder – besser gesagt – gehangen und die Flucht ergriffen.

Auf diesem Weg laden die beiden schließlich auf dem Felsen des freundlichen Druiden, der mit den Auswirkungen von Great A’Tuins kleinem Schlenker seine liebe Not hat. Wieso funktioniert auch ein jahrhundertelang erprobter Steinkreis einfach nicht mehr? Naja, es könnte auch an dem roten Stern liegen, der neu am Nachthimmel zu sehen ist. Bedauerlicherweise hat Twoflower das mit dem Kulturschock nicht verstanden und schreitet rettend ein, als die Druiden ihrer Mondgöttin eine Jungfrau opfern wollen. Ok, die meiste Arbeit macht der über 90-Jährige Held Cohen, der mangels Zähnen eine etwas undeutliche Aussprache hat, aber hey, nicht jeder ist seine eigenen lebende Legende! Dummerweise ist Bethan, die Jungfrau, gar nicht glücklich über ihre Rettung, schließlich hat sie für ihre Opferung jahrelang auf das Weggehen am Abend verzichtet, und auch Twoflower scheint der Kontakt mit einer Druidensichel nicht gut bekommen zu sein. Gut, Bethan beruhigt sich etwas, als sie mitbekommt, dass ihr Retter kein anderer als der große Held Cohen ist, aber um Twoflower zu heilen, muss sich Rincewind von einer Hexe der Pferdeleute ins Jenseits schicken lassen.

Tod haben wir bereits kennen gelernt. Aber wie lebt so ein Mann eigentlich? Er verzichtet auf Farbe, prunkvolle Fassaden, aber nicht auf geräumige Innenräume mit schwerer Einrichtung. Und er ist Vater einer reizenden Adoptivtochter, die sich jedoch darüber aufregt, dass Lebende immer viel zu selten bei ihrem Vater bleiben. Letzten Endes findet Rincewind Twoflower wie er Tod, War(Krieg), Famine(Hungersnot) und Pestilence(Seuche) versucht Bridge beizubringen, damit sie sich damit ihre viele Zeit vertreiben können. Auffällig ist an dieser Stelle, dass Tod mit “Mort” angesprochen wird. Diesen Namen trägt auch sein späterer Azubi (Band “Gevatter Tod”), auch wenn ihn alle “Junge” nennen… vielleicht wird er deswegen immer mehr wie sein Meister… Doch Rincewind der Spielverderber will lieber schnell wieder zurück in die Welt der Lebenden, was Ysabel gar nicht gefällt – macht sie nie, nie wütend auf euch! Das Mädel kann mit Papis Sense einfach zu gut umgehen – und eine heldenhafte Rettungsaktion durch das Luggage (Gepäck) notwendig macht. Fragt jetzt bitte nicht wie es ausgerechnet dorthin kam. Aber eine Sache weiß ich mittlerweile: Man darf sich deswegen nicht beim Verlassen des Jenseits umdrehen, weil einem der Anblick garantiert nicht gefallen wird.

Auftritt Trymon! Dieser Zauberer ist gefährlich. Nicht nur, dass er extrem klug ist, nein, er macht auch Sport und ist nur schwer von den anderen Zauberern einzuschätzen, was ihn persönlich aber nicht davon abhält den ein oder anderen zu beseitigen, als er liest wie mächtig man wird, wenn man alleine alle 8 Sprüche des Octavos liest. Zumindest findet er eine Heldin, die bereit ist Rincewind einzufangen, während der rote Stern mit jedem Tag größer wird.

Dieser Versuch scheitert aber zunächst grandios daran, dass Rincewind Zwiebeln für eine Suppe (Cohen kocht natürlich) sammeln soll und erstaunt feststellt, dass er unter den Trollen eine Berühmtheit ist und zumindest in dieser Situation Immunität besitzt. Die braucht er auch, um mit Hilfe der Trolle die anderen zu befreien, die man dummerweise in die Mundhöhle von “Grandfather” geführt hat. Auf jeden Fall springe bei dieser Angelegenheit ein paar schöne Diamanten für Cohen heraus, die er sich später nach dem Vorbild von Twoflowers Gebiss (wie alt ist der Kerl eigentlich?) von einem Zwergen-Juwelier einfassen lässt. Vermutlich kann nur der weiße Hai noch schöner Lächeln, ok, sagen wir Smaug ist auch sehr, sehr weit vorn. Während dieser Arbeit werden die anderen heftig von den “Sternen-Leuten”, Fanatikern, die denken, der Stern würde verschwinden, wenn sie alles magische vernichten, bedrängt. An dieser Stelle ein hoch an den Zauberer, der arme Ladenbesitzer zum ewigen Umherziehen verdammte, nur weil sie sich an die Öffnungszeiten halten wollten. So gelangen Rincewind, Twoflower und Bethan rechtzeitig zum großen ShowDown nach Ankh-Morpork, während Cohen ihnen auf dem Luggage nachfolgen muss.

Allmählich drehen die Stern-Leute durch und wollen die Unseen University erobern. Dort herrschen aber zunächst ganz andere Probleme: Trymon hat sich das Octavo gekrallt und die restlichen Zauberer eingesperrt, um seine Sprüche allein aufsagen zu können. Schlechte Idee! Denn Rincewind ist wirklich eine Ausnahme, weil er eine Spruch im Kopf haben kann, ohne durchzudrehen, aber sieben sind wirklich zu viel und öffnen ein Portal zu den Gefängnis-Dimensionen in Trymon. Ihr denkt, das Böse wäre schlimm? Weitgefehlt! Das wirklich Schlimme ist das, was das soeben Zerstörte überhaupt nicht wertschätzt! Zum Glück kennt Rincewind die alten Schleichwege in die Universität und hat gelernt hart und unfair zu kämpfen. Den Rest erledigt die Tatsache, dass der Kampf auf dem höchsten Turm der Uni stattfand.

Doch die Zaubersprüche müssen gelesen werden. Rincewind hat erstaunlicherweise keine Probleme damit, während die Scheibenwelt dem roten Stern so nahe kommt, dass man seine Monde sehen kann. Zum Schluss muss Bethan Rincewinds Aussprache noch einmal berichtigen, doch dann werden sie Zeugnis des schönsten Anblicks überhaupt: Das Schlüpfen 8 kleiner Weltenschildkröten, die sich Great A’Tuin anschließen. Oh, und Twoflower bekommt seine letzte Rüge bezüglich des Fotografierens, denn manche Momente muss man mit der Seele festhalten.

Am nächsten Tag geht es vor allem ums Aufräumen. Rincewind plant, jetzt da wieder Platz für andere Zaubersprüche in seinem Kopf ist, es noch einmal ernsthaft mit der Zauberei zu versuchen. Bethan und Cohen haben sich abgesetzt, um zu heiraten. Und Twoflower? Dieser beschließt, dass es Zeit ist nach Hause zu gehen, um sich dort an seinen Bildern und Erinnerungen zu erfreuen. Aber er lässt natürlich auch Geschenke zurück: für die Frischvermählten (nicht anwesend) genug Gold, um ein kleines Königreich zu kaufen oder einfach nur einen gemeinsamen Haushalt aufzubauen (seine Ansicht) und für Rincewind das Luggage, das ihn als neuen, wenn auch anfangs widerstrebenden Herrn akzeptiert.

Fast noch besser als Band1 und mit genauso viel Liebe zum Detail geschrieben. Denn wer käme sonst auf die Idee zu schreiben: “In der Ferne heulte ein Wolf. … Der Wolf heulte auf zu heulen, weil es ihm peinlich war, dass niemand mit einstimmte.”

Und seien wir ehrlich: Wie viel erleben wir, dass uns schrecklich erscheint, aber im Endeffekt doch etwas Positives bewirkt. Es muss kein großer roter Stern sein, es reichen schon kleinere Erlebnisse. Der verpasste Bus, durch den man alte Freunde wiedersieht, die spät angesetzte Vorlesung, wegen der man einen wunderschönen Sonnenuntergang mitbekommt… Ich glaube, ihr wisst was ich meine. Vergesst bitte einfach nur nicht auch unsere Welt als etwas Besonderes und Faszinierendes zu sehen

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