J.R.R. Tolkien – “Geschichten aus dem gefährlichen Königreich” – zweite Hälfte

Zugegebenermaßen geht es dann doch nicht ganz ohne Mittelerde, was jedoch mit dem kafkaesken Ende dieses Buches schnell in Vergessenheit gerät.

Die Abenteuer des Tom Bombadil

Hinter diesem Titel versteckt sich eine Sammlung in der Sammlung, zusammengetragen aus dem “roten Buch”. Damit stammen diese Gedichte also quasi aus dem Auenland. Tatsächlich findet sich dort z.B. der “Olifant” wieder, den Sam im vierten Buch des “Herr der Ringe” zitiert, und man kann auch lernen, dass Tom Bombadil keineswegs ein so netter Zeitgenosse ist wie die Hobbits um Frodo glauben. Doch es gibt auch sehr viel Amüsantes zu bestaunen unter den insgesamt 16 Gedichten. Besonders bemerkenswert finde ich jedoch noch Nummer 14 “der Hort”. Darin wird geschildert wie ein großer Schatz immer wieder zum Verderben seiner Besitzer wird, sobald diese älter werden und sich nicht mehr von diesem trennen wollen; einem Zwerg, einem Drachen und einem Helden. Na, klingelt da was?

Der Schmied von Großholzingen

Apropos klingeln. Diese Geschichte befasst sich mit einem Schmied, dessen Stimme in seiner Kindheit glockenklar war und der auch noch während der Arbeit immerzu singt. Denn durch eine Hinterlassenschaft seines Großvaters, des alten Küchenmeisters, kommt dieser in den Besitz eines Elbensterns. Mit dessen Hilfe kann er durch Elbland reisen, was wiederum seine Arbeit inspiriert. Er tanzt sogar eines Tages mit der Elbenkönigin persönlich, die ihn auf seiner letzten Reise dort mit einer Botschaft für den König zurückschickt. Doch wo soll er den König finden? Manchmal ist er einem näher als man denkt. Denn es ist Stift, der mittlerweile selbst Küchenmeister geworden ist und einst bei Schmieds Großvater mütterlicherseits Lehrling war. Ihm verdankte Schmied, dass er im großen Kuchen (ein sehr interessanter Brauch, den ich aber hier nur soweit erkläre, dass ihr wisst, dass es sich dabei um einen nur alle 24Jahre stattfinden Brauch handelt, bei dem 24 Kinder einen Kuchen essen, in dem Tand und Geldmünzen versteckt sind) tatsächlich den Stern gefunden hatte. Doch dieser ist nur eine Leihgabe und so gibt Schmied ihn wieder an Stift, damit ein anderes Kind die Wunder von Elbland entdecken kann.

Das Blatt von Tüftler

Was ist an einer Geschichte über einen Maler kafkaesk? So einiges, wenn es diese Geschichte ist. Herr Tüftler lebt auf dem Land und malt vor allem Blätter sehr hervorragend und genau. Leider wird er vor allem bei der Fertigstellung seines Meisterwerks immer wieder von Besuchern und seinem Nachbarn, der ihn um allerlei Gefallen bittet, gestört. Schließlich wird er sogar einfach hinfort gerissen, damit er endlich die Reise antrete, die er die ganze Zeit vor sich herschöbe, und im übrigen, man bräuchte seine Leinwände, um vom Sturm abgedeckte Dächer zu flicken. Wohin die Reise führt weiß er selbst nicht. Er landet in einer Art Krankenhaus-Arbeitslager-Verschnitt. Jedoch lernt er dort auch wieder seine Zeit sinnvoll und für sich zu nutzen. Schließlich wird er entlassen und fährt mit dem Zug weiter. Mitten im Niergendwo steigt er aus und findet sich in seinem Bild wieder, das Bild eines großen Baumes, etwas dahinter ein Wald und in der Ferne die Berge, die er nicht mehr hat fertig malen können. Nach einer Weile folgt ihm sein Nachbar nach, wodurch Tüftler die Hilfe bekommt, die er braucht um auf gärterischem Wege sein Bild zu vollenden. Später wird die Anlage als Erholungsgebiet für das Krankenhaus genutzt, doch da sind die beiden schon längst fort, die Berge erkunden.

Was dem ganzen wieder einen seltsamen Beigeschmack gibt, ist der letzte Abschnitt, das Gespräch zwischen drei Herren. Einer von ihnen, ein Stadtrat, hatte Tüftler vorzeitig auf seine Reise geschickt, um an dessen Haus zu gelangen. Auch gehörte er zu den störenden Besuchern. Doch ein weiterer bemerkt, er habe einen Teil des Gemäldes gefunden und ein Blatt von Tüftler wäre immer etwas besonderes gewesen, da sich keines geglichen habe.

Vielleicht ist es so momentan schwer, zu erfassen, was ich daran kafkaesk fand. Bitte lest es daher selbst und findet die Stellen selbst, falls euch dieser Teil interessieren sollte.

Fazit

Die Welt ist wundervoll, im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann sich nie sicher sein, wo das nächste kleine Wunder sich versteckt hat. Meine Ausgabe ist von Alan Lee illustriert, was die Stimmung der einzelnen Geschichten noch einmal unterstreicht. Aber auch so ist diese Geschichtensammlung lesenswert. Denn es ist tatsächlich Tolkiens Schreibstil und seine Sicht auf die Welt, die diese Geschichten so bezaubernd machen. Vielleicht auch, dass man das Gefühl hat, sie wären in kleinen Situationen entstanden, wie sie jeder kennt. Zwar weiß ich immer noch nicht, was das gefährliche Königreich jetzt wirklich ist, weil es nicht offen erwähnt wird. Doch ich hege mittlerweile einen Verdacht: Das gefährliche Königreich ist unsere Fantasie, und damit alles was es braucht, um gegen Drachen zu kämpfen, zum Mond zu reisen und manchmal Elben zu sehen.

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