Emmy von Rhoden – “Der Trotzkopf”

Das Frauenbild hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts zum Glück geändert. Aber noch heute sind viele der Meinung, dass es nicht gut ist, wenn ein Mädchen so wild und ungestüm ist wie ein Junge. Vielleicht gerade deswegen hat dieser Roman immer noch Aktualität.

Wegen ihres wilden Benehmens wird die 15-jährige Ilse vom Anwesen ihres Vaters fortgeschickt in ein Pensionat. Die Schuld daran gibt sie zunächst ihrer Stiefmutter, die auch zu Hause versuchte sie zu erziehen, was Ilses Vater jahrelang versäumt hatte. Doch in der Fremde findet sie schnell Freunde, vor allem in der jungen Engländerin Ellenor (Nellie) Grey, deren Sprachprobleme häufig im Buch thematisiert werden. Insgesamt verbringt Ilse 14 Monate im Pensionat, wird fleißig, beginnt mit dem Malen und lernt sogar “Dienstbotentätigkeiten” wie Tischdecken und das sorgfältige Einräumen ihrer Sachen in den Schrank.

Zwar wird ihr wilder Trotz langsam gezügelt, aber langweilig ist ihr Alltag nicht – ganz im Gegenteil. Das Zusammenleben mit ihren Freundinnen birgt so manche Überraschung, Tanzstunden, ein Weihnachtsfest, Theateraufführungen und vieles mehr. Allerdings liegen Freude und Leid eng beieinander: in der Nacht des Tanzballs verstirbt die junge Lilli, die für Ilse wie eine kleine Schwester war. Auch leidet Nellie unter ihrer Liebe zum Deutschlehrer Dr. Althoff und ihrer Zukunft als Gouvernante. Letzten Endes geht die Zeit viel schneller vorüber als erwartet, aber nicht ohne, dass sich die Freundinnen schwören sich alle in 3 Jahren wiederzusehen.

Doch Ilses Abenteuer geht noch weiter. Während der zweitägigen Heimreise übernachtet Ilse bei Freunden ihres Vaters und verliebt sich in deren Sohn Leo. Knapp 2 Monate später sieht sie ihn wieder und erzählt ihm von Nellies Verlobung mit Dr. Althoff. Ermutigt von dieser Schilderung bittet auch dieser um Ilses Hand – sehr zur Verblüffung von Ilses Vater. Damit wäre die Geschichte auch schon fast rum.

Nur fast, weil durch Ilse deren Onkel und ihre Lehrerin Fräulein Güssow, seine jahrelange Verlobte, wieder zusammenfinden.

Wie schon angeklungen bin ich eigentlich gegen dieses stereotype Denken, dass in diesem Buch vermittelt wird, aber es ist einfach zu herrlich wie sich Ilse wandelt und erwachsen wird. Als ich kleiner war, wurde ab und zu die Verfilmung aus den 80er Jahren gezeigt – wie groß mir damals Ilse vorkam! Mittlerweile schüttele ich über manche Dinge den Kopf, wie z.B. die Verlobung mit 17, und bin dennoch so gefesselt, dass ich gestern bis 0.14Uhr gelesen habe (ok, ich hab auch etwas Probleme mit der Zeitumstellung – unpraktisch bei Vorlesung von 8 -18.30). Dafür kann ich jetzt wieder Lem in Ruhe lesen. 😉

Ich hoffe auch außerdem, an dieser Stelle euch demnächst den “Hundertjährigen” vorstellen zu können, der seit über einer Woche ausgelesen ist, für den ich aber noch keine Zeit dank meines Vorlesungsplans gefunden habe.

(Hilfe! Was hat “der Trotzkopf” mit meinem Schreibstil gemacht?)

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