Karen Doornebos – “Rendevouz mit Mr. Darcy”

Kaum eine Frau schmilzt nicht dahin, wenn Mr. Darcy in “Pride and Prejudice” um die Hand von Elizabeth Bennet wirbt. Jane Austen hat mit dieser Figur bestimmt schon eine Menge an Frauen verzaubert. So auch Chloe Parker, 39, alleinerziehende Mutter, Inhaberin einer kleinen, schlechtgehenden Druckerei/Manufaktur – und großer, richtig großer Austen-Fan.

Als ihre Tochter Abigail von einer historischen Dokumentation in England Wind bekommt (kaum zu glauben, was 8-Jährige heutzutage alles so anstellen), steht für sie fest, dass ihre Mutter dort teilnehmen muss. Und eigentlich hört sich das alles auch gut an: Die Kostüme, England (denn trotz englischer Vorfahren in der mütterlichen Linie lebt Chloe in Chicago), ein echtes Anwesen, ab und zu ein paar Fragen zu der Welt von Jane Austen beantworten und natürlich 100 Tausend Dollar dringend benötigtes Preisgeld. Wäre da nicht die “Idee der Produzenten” kurzer Hand der Quoten wegen daraus eine Reality-Show aller “Bachelor” zu machen. Tatsächlich gab es im Regency um 1812 auf Grund der Kriege auf dem Festland und der Kolonilalsierung einen gewissen Junggesellenmangel, aber nun muss Chloe nicht nur schockierend luftige (vom Mieder einmal abgesehen) Kleidung tragen, sondern auch in eine Rolle schlüpfen, mit der sie so gar nichts mehr am Hut hat: Die der Heiratskandidatin.

Ausgestattet mit Fächer, Pompadour, maßgeschneiderter Gaderobe (die hie und da etwas leiden wird) und einer hochschwangeren Anstandsdame (Mrs Crescent – Mutter mehrerer Söhne und dringend angewiesen auf ihren Teil des Preisgeldes, um einem davon die Entfernung eines Geschwürs am Hals bezahlen zu können) stürzt sich Chloe in den Kampf mit den damaligen Sitten, ungüstigem Timing, der Konkurrentin Grace (vernascht die gesamte Dienerschaft und ist nur auf das Land aus) und zu einem gewissen Teil mit sich selbst, um Mr Wrightman dazu zu bringen, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Es gibt nur einen Haken. Nämlich, dass es eigentlich nicht “den” Mr Wrightman gibt. Denn neben Sebastian, der für die meisten Damen das Objekt der Begierde ist, gibt es noch den ebenfalls gutaussehnden und charmanten Henry, mit dem Chloe so viel mehr gemein zu haben scheint…

Ich könnte euch jetzt auf die Folter spannen und in epischer Breite von Dinnern, Teepartys, Fuchsjagden (nur die Fährte) und romantischen Picknicken erzählen – will ich aber gar nicht. Das lest ihr bitte schön selbst und kichert dabei vor euch hin, froh, dass wir mittlerweile 200 Jahre weiter sind. Daher jetzt die Auflösung des Ganzen: Chloe muss Sebastian (zumindest für die Kameras) heiraten, da ein Diener sie in flagranti (naja, zumindest kurz davor) erwischt hat, als er Chloe suchte, weil bei Mrs Crescent die Wehen einsetzten und sie ihren Schützling bei der Hausgeburt (!) dabei haben möchte. Doch die hat mittlerweile die Schnautze gestrichen voll von ihrem “Mr Darcy”, da sie ihn nach geglückter Geburt mit Grace erwischt. So macht sie mitten in der Zeremonie an passender Stelle (“Gründe … nicht heiraten” – ihr kennt das doch bestimmt 😉 ) reinen Tisch mit dem alle samt verlogenen Pack und reißt in das nächste Dorf aus. Nur die “Köchin”, in Wahrheit Lady Anne Wrightman, und ihr Sohn Henry kommen gut dabei weg, da sie vor beiden Hochachtung hat. Allerdings verliert sie diesen gegenüber Henry, als er sie nämlich endlich einholt und ihr alles erklärt, weiß sie bereits, dass er eigentlich der Besitzer des riesigen Anwesens ist. Wie sich herausstellt, ist Sebastian ein entfernter Cousin und Casanova, der seine Texte von Henry geschrieben bekam, weil dieser seinem Leid, immer nur wegen seines Vermögens gemocht zu werden, ein Ende bereiten wollte. Doch all seine Worte und Beteuerungen – nebst der “Mausefalle”, Kater Alestair, als Reisegeschenk – halten Chloe nicht davon ab schnellst möglich wieder zurück in die Staaten zu fliegen, deutlich ernüchtert und mit plötzlichem Interesse an der modernen Gesellschaft –  was man ihr nach Wochen ohne Dusche und nur seltenem Bad wirklich nicht verübeln möchte. Ihr gelingt es ihr Geschäft alleine wieder gewinnbringend zu machen und sieht sich mit ihrer Mitarbeiterin die Folgen der Show an. Doch ein Problem bleibt: Alestair ist einfach kein Stubenkater. So setzt sich Chloe an den früher so gehassten Computer, schreibt eine von ihr ehemals verspottete E-Mail und fragt darin Henry, ob sie und ihre Tochter ihm Ende des Sommers den Mäusefänger zurückbringen könnten.

Auch wenn das Buch mit der Nachricht daher kommt: Mädels, hört auf zu träumen, das Leben damals war härter als ihr denkt und es gibt keine Märchentypen auf weißen Pferden!, so ist es doch auch furchtbar romantisch und kitschig. Denn Doornebos lässt genug Raum für Chloes Staunen über die Kleider, über den Prunk der beiden großen Häuser, auf denen sich alles abspielt, und auch für ihre Träume und Phantasien (zugegebenermaßen nicht mehr ganz so jugendfrei). Ich persönlich habe bis jetzt leider nur “Pride and Prejudice” gelesen (dafür aber auf Englisch und in Oxford), kenne aber zum Glück zu den meisten anderen Romanen wenigstens die Verfilmungen, was auch dringend notwendig war, sonst wäre ich nämlich manchmal wirklich verloren gewesen, wenn Chloe ihr Repertoire an Anspielungen herausholt. Und sie zeigt auch etwas anderes, nämlich, dass moderne Liebesgeschichten nicht nach Schema F ablaufen müssen. Austens Werke enden in der Regel mit der Verlobung, da danach Frau meist der Alltag wieder hatte – inklusive hoher Kindbettsterblichkeit – doch wir haben die Möglichkeit sämtliche Aspekte einer Beziehung zu bewundern, egal wie lang sie schon dauert oder wie kurz sie vor dem Ende steht. Wieso dann nicht einfach dort aufhören, wo im Regency die Verlobung stehen würde und bei uns alles passieren kann?

PS: Im Original heißt das Buch “Definitely Not Mr. Darcy”, was gut Chloes Haltung zum Ende hin aufnimmt.

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