Hayao Miyazaki – “Wie der Wind sich hebt” (Film)

Der Wind hebt sich, wir müssen versuchen zu leben.

Mit diesem Zitat von Paul Valéry beginnt der wahrscheinlich letzte Film des japanischen Regisseurs Hayao Miyazaki. Wem der Name nichts sagt, kennt seine Filme vermutlich eher im Zusammenhang mit der Produktionsfirma Ghibli. Selbst wem nicht sofort 5 seiner Werke einfallen (z.B. “Ariety”, “das wandelnde Schloss”, “Das Schloss im Himmel”, “Königreich der Katzen”, “Prinzessin Mononoke”), der wird zumindest von “Chihiros Reise in Zauberland” bestimmt gehört haben. Hinter der gezeichneten, oft der normalen Wirklichkeit entrückten Fassade eines Zeichentrickfilms behandelt er meist ernste Themen.

So auch in diesem Film. Wir begleiten Giro Horikoshi von seinen ersten Träumen vom Fliegen, dem Entschluss Flugzeugingenieur zu werden, zu seiner Universität im fernen Tokyo, zu seiner Arbeit für Mitsubishi, der Reise nach Deutschland, bis zu seinem größten Triumph – der erfolgreichen Entwicklung eines Flugzeuges, bei dem er Projektleiter gewesen war. Aber wir erleben auch einen sehr privaten Giro, der nach seiner Deutschlandreise eine junge Frau wieder trifft, der er einst bei einem Erdbeben in Tokyo geholfen hat. Naoko nimmt sogar seinen Heiratsantrag an, sagt ihm aber auch, dass sie ihn momentan noch nicht heiraten möchte.

Für das weitere Verständnis muss ich hier leider etwas weiter ausholen. Der Film spielt zwischen den Weltkriegen. Mitsubishis wichtigster Auftraggeber ist das Militär, ein Militär, dass trotz großer Armut im Land nicht auf Flugzeuge verzichten will. Nur das ermöglicht es Giro überhaupt seinen Traumberuf auszuüben. Ab und zu träumt er auch von einem italienischen Ingenieur, der im anfangs seine Bomber und Jäger zeigt, aber auch erklärt, wovon er träumt: große Passagiermaschinen. Er sagt ihm auch, jeder hätte nur 10 Jahre, in denen er wirklich etwas erreichen könne. Und diese Jahre nutzt Giro und lässt sich nicht von den Maschinen Junkers, die er in Deutschland sah, beeindrucken. Doch wegen dieser Deutschlandreise und eines Gesprächs mit einem Fremden, muss er eine Weile zu seinem Vorgesetzten ziehen, damit ihn die Staatspolizei nicht holt… Aber eigentlich wollte ich erklären, was es mit Naoko auf sich hat. Sie ist genau wie ihre verstorbene Mutter an Tuberkulose erkrankt und möchte erst gesund werden, bevor sie heiratet. Doch es kommt anders. Sie hält es im Sanatorium nicht mehr aus und zieht zu Giro – nachdem sein Vorgesetzter und dessen Frau die beiden verheiratet haben versteht sich. Sie erhalten das Gästehaus, in dem sich Naoko nun fast immer aufhält und im “Bett” liegt, weil sie eigentlich immer schwächer wird. Doch ihre Anwesenheit motiviert Giro und er bedankt sich auch bei ihr, als sein Flugzeug endlich fertig ist, da er der Meinung ist, ohne sie hättet er es nie geschafft. Er weiß nicht, dass sie, während er auf dem Flugplatz ist, zurück zum Sanatorium in die Berge geht und nicht mehr zu ihm zurückkehrt.

In diesem Schluss zeigt sich, was Hayao Miyazaki zu einem Meister seines Fachs macht. Ich habe während das Films gelacht (da ich mit meinem Aikido-Senpai im Kino war: als Giro einen Gleichaltrigen, der einen kleinen Jungen ärgerte, mittels Hebel elegant auf dem Boden warf), mitgefiebert (wird das Flugzeug tatsächlich fliegen und der hohen Geschwindigkeit standhalten?) und ganz zum Schluss habe ich geweint, was nicht oft beim Filmschauen passiert.

Bevor ihr jetzt aber zu dem Schluss kommt der Film wäre nur traurig, möchte ich euch etwas aufmuntern. So zieht sich unter anderem Giros Vorliebe für Makrele und deren Gräten durch den gesamten Film. Es gibt eine Menge vom Wind weggewehte Hüte und Sonnenschirme. Der Vorgesetzte ist herrlich überzeichnet und auch Giros rosa Anzug, den er als Erwachsener fast ständig trägt, ist mehr als nur etwas fragwürdig.

Trotz allem habe ich einen Kritikpunkt. Wann kapieren die Erwachsenen endlich, dass nur weil es Zeichentrick ist, es nicht zwangsläufig auch kindertauglich ist? Gut zwei Drittel der Zuschauer waren Eltern mit Kindern bis 8 Jahre. Der Film erfordert aber ein gewisses Grundverständnis von historischen Zusammenhängen. Außerdem empfinde ich es als nervig, wenn der Vater rechts von mir seinen Kindern erst einmal auf die Frage, weswegen die alle so komische Schuhe tragen (in seiner Kindheit trägt Giro noch traditionelle Kleidung), antwortet und mitten im Film meint er müsste fragen, in welchem Land denn Tokyo läge! Damit wir uns richtig verstehen. Ich habe nichts gegen Kinder. Ich finde es auch wichtig sie zu fördern (Mein erster Kontakt mit der japanischen Kultur fand auch irgendwann im Alter von 8 Jahren statt). Aber, man kann sich doch vorher informieren, um was es in dem Film tatsächlich geht, und die Lehrstunde außerhalb des Kinosaals abhalten, oder?

Bevor das hier aus dem Ruder läuft noch ein paar weitere Dinge. Es gibt ein “Studio Ghibli Film Festival” – einfach googeln – bei dem quer durch Deutschland auch andere der Filme wieder im Kino gezeigt werden. Juhu!!! Und ein “arigato” an meinen Senpai, dass er es mit mir 2 Stunden im Kino ausgehalten und mit mir danach noch über den Film geredet hat. Als Senpai bezeichnet man im Übrigen einen älteren (z.B. Mitschüler), der in eine Art Mentorenrolle schlüpft.

Hoffentlich bis bald und viel Spaß beim nächsten Kinobesuch.

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