4. Türchen

+++ Adventskalender +++

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Was nimmt neben Spielwaren- und Parfümwerbung in der Vorweihnachtszeit fast inflationär zu? Richtig, Spendenaktionen.

Das wir uns hier richtig verstehen. Mir ist bewusst, wie viel Gutes mit dem gespendeten Geld erreicht werden kann, und auch wie wichtig es ist, dass es solche Aktionen gibt. Nur leider gehört zu dieser Aussage ein großes ABER. Woher kann man wissen, dass wirklich das Geld dort ankommt, wo man denkt? Welche Mengen gehen für Organisatorisches verloren? Sind die Institutionen dahinter wirklich seriös? Dies sind die Fragen, die man sich eigentlich immer stellen sollte, wenn man sich bereit erklärt, zu spenden. Aber was mich besonders beschäftigt ist etwas anderes: Warum gerade jetzt? Wieso hört man das ganze Jahr über nichts und plötzlich ist man umgeben von Werbung, Leuten und Fernsehsendungen, die an das Gute im Menschen, also auch in mir, appellieren?

Viele gehen davon aus, dass gerade jetzt das Bedürfnis der Menschen in den Industrieländern steigt, etwas Gutes für Fremde zu tun und nicht nur für die eigenen Lieben. Als ob sie etwas nachzuholen hätten, das sie das Jahr über versäumten. Besonders in Erinnerung blieb mir dazu eine Karikatur aus einer Obdachlosenzeitung. Man sieht zwei fast identische Szenen, die sich nur in der Jahreszeit unterscheiden, immer ein Ehepaar vor den Schaufenstern und daneben ein Obdachloser. Im Sommer lästert die Frau noch über diesen, im Winter hingegen meint sie, wie leid er ihr doch tue. Deutlicher kann man die Heuchelei unserer Gesellschaft kaum anprangern und auf den Punkt bringen.

Wie ich das Ganze handhabe? Ich versuche mich vorher zu informieren und ignoriere die Spendenaktionen im Dezember, denn schließlich kann man das ganze Jahr über an die entsprechenden Organisationen spenden. Dafür kaufe ich Obdachlosenzeitungen, wann immer ich einen der Zeitungsverkäufer sehe. Dieses Prinzip habe ich in England kennengelernt und es hat mich beeindruckt, dass in Städten wie Oxford und Cambridge niemand zu sehen war, der bettelte. Alle verkauften “the Big Issue”. Und so führe ich manchmal hochinteressante Gespräche über Krebsforschung oder bekomme einfach nur die besten Wünsche für mein Studium auf den Weg. Die zwei Frauen, die ich neulich in einer Fußgängerzone nach Spenden für krebskranke Kinder fragen sah (sie standen mit ihren Spendendosen da und haben einfach nur immer gesagt “Spenden Sie für krebskranke Kinder”  – also nicht diese aufdringliche Art der Spendenaufforderung), ignorierte ich jedoch. Vielleicht mögt ihr mich für herzlos halten, aber ich kann diese Art des auf die Tränendrüsendrückens nicht ausstehen. Denn wie kann etwas von Herzen kommen, wenn es auf einem schlechten Gewissen beruht? Freiwilliges, soziales Engagement und regelmäßiges Unterstützen finde ich persönlich viel wichtiger.

Wie steht ihr zu diesem Thema? Steigt eure Spendenbereitschaft im Dezember, spendet ihr generell über das ganze Jahr oder lehnt ihr das Spenden von Geld kategorisch ab?

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