6. Türchen

+++ Adventskalender +++

+ 6 +

In der Reihe der Gedichte, die ich im Laufe meiner Schulzeit, vor allem der Grundschule, lernen musste, durfte ein Gedicht natürlich nicht fehlen. Gerade die erste Zeile wird bei mir in der Familie gerne zitiert, wenn einer von uns im nahen Wald spazieren war und so richtig schön durchgefroren ist. Es zählt für mich zu den Klassikern für die Weihnachtszeit und so möchte ich euch dieses Werk von Theodor Storm heute, an Nikolaus, nicht vorenthalten.

Von drauß’ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
Da riefs mich mit heller Stimme an.
“Knecht Ruprecht”, rief es, “alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!”
Ich sprach: “0 lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.” –
“Hast denn das Säcklein auch bei dir?”
Ich sprach: “Das Säcklein, das ist hier;
Denn Apfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.”
“Hast denn die Rute auch bei dir?”
Ich sprach: “Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.”
Christkindlein sprach: “So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!”
Von drauß’ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Irgendwie haben diese Verse lange Zeit mein Bild vom 6. Dezember geprägt und so war ich in der Nacht davor immer etwas aufgeregt. War ich wirklich brav genug oder überwogen doch die Zeiten, in denen ich nicht ganz so wohlerzogen und vernünftig war? Auch finde ich die Reduktion auf Nüsse und Obst sehr gelungen. Sie sind lecker und gleichzeitig gesund und leider habe ich keine Ahnung, woher dieser Brauch kommt. Und so genieße ich meine kindliche Aufgeregtheit und Neugier, wenn ich zur Küche schleiche und dabei an den geputzten und hoffentlich gefüllten Stiefeln vorbeikomme, in der Gewissheit, dass man manchmal nicht alles wissen muss, um sich dennoch darüber zu freuen.

Ist euch Nikolaus wichtig? Nehmt ihr Stiefel oder ganz in der alten Tradition Socken? Beschränkt sich der Inhalt auf Süßigkeiten oder befinden sich auch nützliche Kleinigkeiten darunter?

Advertisements
This entry was posted in Adventskalender, Gedichte. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s