Günther Bentele – “Das große Spiel des Herrn Trabac”

Wir schreiben das Jahr 1780. Es ist Sommer und David Hüne, Lateinschüler und Sohn des Oberamtmanns zu Bietigheim, wird in eine Reihe seltsamer Geschehnisse verstrickt, bei denen immer der mysteriöse Herr Ignaz von Trabac seine Finger im Spiel zu haben scheint.

Klingt spannend, oder? Dennoch verstaubte dieses Buch bei mir seit der elften Klasse, da ich mit dem Ganzen irgendwie nicht so richtig warm werden wollte. Es war der Preis bei einem schulinternen Schreibwettbewerb, aber bei von der Schule ausgesuchten Büchern bin ich immer etwas skeptisch. Zu Recht wie dieser historische Jugendroman beweist.

David wohnt der Hinrichtung eines Räubers in Ludwigsburg bei, um einem seltsamen Mann einen Brief seines Vaters zu übergeben, der aber nie erscheint. Dafür sieht er im Gedränge ein schwarzhaariges Mädchen, das die Abgelenktheit der Bürger für Diebstähle nutzt (wie er später erfährt ist sie die Erzdiebin Margareta Fehl), und einen blonden Herrn, der sich direkt zu ihm umdreht, dann aber in Ruhe lässt. Auf dem Heimweg wird er dann von zwei Soldaten, die ihn für die Armee (eigentlich Weiterverkauf an Hessen, von dort nach England für den Krieg in Amerika) gewinnen wollen, ins Gefängnis gebracht, da er sich weigert und versucht sie zu bestechen. Aber bereits nach wenigen Tagen wird er von Ignaz von Trabac befreit, der ihm jedoch klar macht, er müsse erst eine Weile bei den Räubern unterschlüpfen, um das Ansehen seiner Familie zu wahren, außerdem wäre er der eigentliche Empfänger des Briefes.

So geht es also zu den Räubern, nachdem sie Margareta in einer anderen Stadt vor dem Gefängnis bewahren. Im Räuberlager angekommen klärt Trabac noch einiges mit dem Hauptmann, doch David, der sich immer mehr wundert, behandelt er wie Luft und lässt ihn einfach ohne weitere Erklärung zurück. Im Laufe der nächsten Wochen schließt David mit dem jungen Räuber Waldo Freundschaft und versucht nicht allzusehr von Margareta zu träumen, schließlich geziemt sich das nicht für jemanden seines Standes. Um zu verhindern, dass er die Bande verrät, wird er als Wachposten bei Überfällen eingeteilt, schenkt jedoch seine “Beute” (ein Mailänder Tuch) Margareta.

Einmal kehrt er mit Waldo zu seinen Eltern nachts zurück. Anscheinend weiß sein Vater etwas, will dies aber nicht sagen, und seine Stiefmutter ist aufgeregt wegen der wohl bald anstehenden Erhebung in den Adel, die mit Davids Erlebnissen verknüpft zu sein scheint. Unzufrieden wollen beide ins Lager zurück, als auf David geschossen wird, woraufhin sich beide trennen und David sich nun mit gestutztem Haar und in schlechter Kleidung als Bettler durchschlägt. Von nun an sucht er auf den Märkten nach Margareta und Waldo und geht wieder ins Lager, als er von einem neuen großen Überfall hört, denn ihn erreichte eine seltsame, verschlüsselte Warnung von einem katholischen Pfarrer, dem er seine Geschichte anvertraut hat. Ziel des Überfalls ist Bietigheim und er kommt gerade noch rechtzeitig, um mitsamt seiner Familie verhaftet zu werden.

Eines Tages tritt Trabac wieder zu ihm in die Zelle. Er sei ein österreichischer Commisarius, angeheuert um die Räuberbanden in Schach zu halten. Davids Vater hätte sich so hoch verschuldet, dass er mit den Räubern zusammenarbeiten wollte. Die plötzliche Ablehnung hätte in dem Brief gestanden. David habe ihm wertvolle Dienste geleistet und würde dementsprechend entlohnt, um mit Margareta nach Amerika gehen zu können, mit der Aussicht irgendwann seine Familie aus dem Zuchthaus nachkommen zu lassen. So endet das Buch mit David und Margareta an Bord eines Schiffes auf dem Weg in eine Zukunft, in der ihre Herkunft keine Rolle mehr spielt.

Dank der Bahnfahrt letztes Wochenende kam ich schnell voran, denn sonst hätte ich vermutlich eine halbe Ewigkeit gebraucht oder es doch einfach wieder in den Schrank zurückgestellt. Mir ist klar, dass ich mittlerweile wohl eher nicht mehr in die Zielgruppe passe, doch habe ich bereits weit bessere Jugendbücher gelesen. An vielen Stellen wirkt der Aufbau von Spannung seltsam gekünstelt, was ich vor allem der Erzählweise des Ich-Erzählers anlaste, die tatsächlich wie ein mündlicher Bericht klingt. Auch habe ich beim Lesen eine Abneigung gegen die Formulierung “wie ich erst später bemerkte” entwickelt, da sie aus meiner Sicht vollkommen falsch (und dafür sehr oft) eingesetzt wurde und so den Leser noch mehr verwirrt.

Positiv ist jedoch die Menge an dargebotenem Wissen zu erwähnen. Von der damals im Südwesten Deutschlands verherrschenden Kleinstaaterei über Bestrafungsformen für Verbrecher und Probleme mit Standesdünkel bis hin zur altphilologischen Ausbildung ist einiges geboten. Allerdings gibt es dem Gesamtwerk stellenweise wieder einen sehr schulbuchhaften Charakter (der Autor ist Lehrer) und lässt mich noch einmal dankbar sein für die eher lockere, wenn auch stets informative Art meiner Geschichtslehrer in Mittel- und Oberstufe.

Vermutlich bin ich tatsächlich die falsche Zielgruppe. Vielleicht ist es eher etwas für Leute um die 15 – oder auch die werden sich ob der Langatmigkeit, die nach den ersten 50 Seiten auftritt, langweilen.

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