Augenblicke #003

Meinen Wochenendplänen für Samstag machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung, gleichzeitig wurde ihre auf Sonntag verschobene Umsetzung dadurch umso schöner.

Xanten hatte ich mir bereits eine ganze Weile ansehen wollen und so stieg ich vormittags in mein Auto und fuhr die 50 Minuten bis zum Eingang Hafentempel des Archäologischen Parks. Geparkt wurde irgendwo auf der Schneefläche, auf der bereits auch ein paar andere Fahrzeuge standen. Ich kaufte eine Karte, ging durch das Tor in einem der Wachtürme, der die den Park umgebende Hecke unterbricht, und wurde empfangen von Stille.

Bei mir hatte es bereits Samstagnachmittag wieder zu tauen begonnen, doch hier lag der Schnee noch. Andere Besucher sah man nur in der Ferne, hörte sie aber nicht, vielleicht war es auch noch etwas zu früh. Und so hatte ich sehr bald das Gefühl vollkommen allein auf diesem großen Areal zu sein. Gemütlich lief ich von einer Station zur nächsten, den Weg nur durch die Säumung der Bäume und den Mangel an aus dem Schnee hervorstechenden Grashalmen findend.

Am Eingang wird man gewarnt, dass es keinen Winterdienst gibt, doch bei dem verhangenen Licht der tiefen Wintersonne, wirkte es auf mich als müsse es so sein, dass alles unter der durchgehenden weißen Decke aus nur wenigen Zentimetern Schnee lag. So konnten meine Gedanken wandern, während meine Stiefel Abdrücke im oftmals noch unberührten Schnee hinterliesen. Ich dachte an die 9 Jahre Lateinunterricht zurück, als ich nach und nach feststellte wie viel tatsächlich noch an Wissen vorhanden war, und an das, was ich daraus an Wissen für mein Leben gewonnen hatte. Im Museum, in das ich mich nach 2 Stunden Kälte flüchtete, bestaunte ich die Reste einer Beckenheizung der Therme, die ich einst mit Legosteinen nachgebaut hatte, in den Nachbauten von Gebäuden musste ich an die Illustrationen des ersten Lateinbuchs denken und beim Durchschreiten des Amphitheaters konnte ich mir ein Kichern gerade noch verkneifen, als mir die Passage aus den “Ars Amatoriae” einfiel, die wir in der Mittelstufe übersetzten und die beschrieb, wie er durch aufmerksamen Schutz vor Staub und Hitze sie bei den Spielen für sich gewinnen könne, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Aber auch hier begann die weiße Pracht zu schmelzen und ich entschied mich im Licht der Dämmerung zurückzufahren, um mir Nudeln zu kochen – froh darüber, dass sich die römischen Essgewohnheiten mit der Zeit doch geändert haben.

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