Arthur C. Clarke – “2001: Odyssee im Weltraum”

Allmählich weiß ich wieder wo oben und unten ist und auch die sonstigen Nebenwirkungen einer längeren Reise im schwere- und luftlosen Raum lassen langsam nach.

Normalerweise bin ich bemüht das Buch vor dem Film zu lesen, doch diesmal ging dieses Vorhaben gnadenlos schief. Nein, den gleichnamigen Film von Stanley Kubrick habe ich noch nicht gesehen. Wo liegt also mein Problem? Vielleicht ganz einfach darin, dass der Film nur auf einer Kurzgeschichte (the Sentinel) von Clarke beruht und er sich nach dem Sehen des Films inspiriert fühlte dieses Buch zu schreiben (okay, er war auch bereits am Drehbuch beteiligt, aber das zählt in dem Fall nicht).

Zu den oben genannten Nebenwirkungen zählte auch meine vorläufige Unfähigkeit die Geschichte kurz und knapp zusammen zu fassen, weswegen ich mir in Henrik Langes “Weltliteratur für Eilige” Inspiration holte.

Das Raumschiff Discovery One ist unterwegs zum Saturn. Der Einzige, der über Zweck und Ziel der Mission Bescheid weiß, ist HAL 9000, ein ziemlich cleverer Computer.

Schöne neue Technik? Von wegen: HAL entwickelt auf der Reise ein unberechenbares Eigenleben und tötet beinahe alle Astronauten. Nur Dave Bowman ist noch übrig. Für ihn der richtige Zeitpunkt, HAL den Saft abzudrehen.

Bowman erreicht den Saturn, wird unsterblich und gelangt schließlich in ein neues Universum. Jetzt könnte er HAL ganz gut gebrauchen.

Irgendwie ist mir das Ganze dann doch zu knapp. Die Geschichte ist eigentlich in sechs Hauptabschnitte gegliedert, wobei zwischen Teil 1, 2 und 3 jeweils mehr oder minder große Zeitsprünge stattfinden (ca. 4 Millionen Jahre, 3 Jahre) und Herr Lange das erste Drittel weglies.

Urnacht

Die Vorfahren der Menschen ändern ihren Speiseplan von rein vegetarisch zu fleischlastig. Möglich wurde dies durch neuartige Fertigkeiten, die sie – ohne ein wirkliches Langzeitgedächtnis ausgestattet – über eine gewisse Zeit hinweg von einem durchscheinenden Quader beigebracht kamen. Dieser verschwand jedoch wieder nachdem sie seiner Meinung nach ausreichend geübt hatten, um nun auch Tiere zu jagen und sich verteidigen zu können. Laut Clarke wurde es erst so möglich, dass wir vom unteren Teil der Nahrungskette aufsteigen und sprechen lernen konnten. An den Quader erinnerte sich natürlich niemand.

TMA-I

1997. Wie sieht die Welt wohl 30 Jahre nach Buchentstehung aus? Zu den Hauptproblemen zählen die Überbevölkerung von 6 Milliarden Menschen und die wirtschaftliche Unberechenbarkeit Chinas, das seine Atomwaffen an weniger entwickelte Länder günstig verkauft. Zum Glück arbeiten wenigstens Russland und die USA zusammen, die nach knapp einem halben Jahrhundert den Kalten Krieg beendeten. Zur persönlichen Beruhigung sind diese überraschend exakten Daten nebensächliches Geplänkel, während man stückweise erfährt, weshalb der Mond unter Quarantäne steht: Aus den Erfahrungen mit dem Hörspiel zu “Krieg der Welten” verzichtete man der Weltbevölkerung mitzuteilen, dass man bei der aktuellsten Mondvermessung einen schwarzen Quader (TMA-1) fand – mit Seitenmaßen im Verhältnis von exakt 1 : 4 : 9 –  und man zu dem Schluss kam, dass es wohl vor 4 Millionen Jahren etwas draußen im All gegeben haben muss, das diesen hinterließ. Das geht ja noch in Ordnung. Jedoch ist es doch etwas besorgniserregend, was mit TMA-1 geschieht, als er nach so langer Zeit wieder mit Sonnenlicht in Berührung kommt: er sendet ein Signal.

Zwischen Planeten, Abgrund, Die Monde des Saturns, Durch das Sternentor

Auftritt HAL 9000, dem dritten wachen Besatzungsmitglied – neben David Bowman und Frank Poole –  der Discovery One. Die ersten Monate der Reise, um den Saturn zu vermessen, sind ereignislos vorbei gestrichen, als es plötzlich Probleme mit dem Kommunikationsmodul gibt. Glücklicherweise befinden sich genug Ersatzteile an Bord, doch auch nach dem Austausch des Moduls gibt es Probleme. So begibt sich Poole erneut nach draußen, wo er durch den Impuls des sich plötzlich bewegenden Werkzeugwagens umkommt. Bowman beschließt daraufhin die anderen drei Besatzungsmitglieder aus dem Kryptoschlaf zu wecken, da er sich mit HAL alleine nicht mehr wohl fühlt. Dieser öffnet jedoch alle Hauptluftschleusen, wodurch sämtlicher Sauerstoff aus dem Hauptraum entweicht und Nummer 2 bis 4 umbringt. Übrig bleibt nur Bowman, der zunächst dem protestierenden HAL alle Speicherelemente entfernt, den Kontakt zur Erde wieder herstellt und nun den eigentlichen Zweck der Reise erfährt: die Erkundung eines Saturnmondes, zu dem das Signal von TMA-1 ging.

Und tatsächlich findet Bowman TMA-2, wie er ihn nennt, mit den gleichen Maßen wie sein kleiner Bruder auf dem Erdenmond. Nur ist dieser ein Tor zu einer Art Raumbahnhof, das sich aktiviert als Bowman das Schiff in einer kleinen Raumkapsel verlässt. So gelangt er zu denen, zu denen die wurden, die damals den Menschen den Gebrauch von Werkzeug lernten und wird einer von ihnen – ohne all ihre Zwischenstufen: der Übertragung ihres Bewusstseins auf unbelebte Materialien, der schrittweisen Befreiung von Materie und der vierten Dimension. Schließlich kehrt er zur Erde zurück.

Obwohl er zum Herrn der Welt geworden, war er sich nicht im klaren darüber, was er jetzt unternehmen sollte.

Doch dies stand fest: Er würde auch den nächsten Schritt tun.

Und mich verwirrt vor dem Buch sitzen lassen, denn mit diesen Sätzen endet es. Vor allem ab der Aktivierung des Sternentors wird deutlich, dass der Film 1968 erschien, denn vor lauter Formen- und Farbbeschreibung vergass ich die lichtdurchflutete Cafeteria und verlor fast den Handlungsfaden. Wieso ich nicht schnell abends die letzen Kapitel verschlang, sondern ab “Zwischen den Planeten” nur tagsüber las? Ganz einfach, wie mein Vater feststellte, habe ich mich leider wirklich nicht an die Reihenfolge gehalten, und so kannte ich den Film “Dark Star” (gibt es legal in voller Länge auf YouTube) bereits davor. Schöner B-Movie, in dem unter anderem eine mit KI ausgestatte Bombe (Bombe 19) eine wichtige Rolle spielt – HAL hatte von anfang an dieselbe Stimme (“Ich bin nicht programmiert, Fehler zu machen.”). Zeitgleich kam die düstere Atmosphäre des Films und die in ihrer Einfachheit sehr realistischen Schilderungen Clarkes. Letzten Endes spielte aber anscheinend auch etwas Asimov mit hinein, da HAL im Endeffekt über den Konflikt stolpert, sich dem Saturn immer weiter zu nähern, aber Bowman und Poole das wahre Missionsziel nicht zu nennen, das jedoch bald die Erde aussprechen würde.

Wenn man genau hinsieht, versteht man die Signifikanz dieses trotz allem nicht mal (in meiner Ausgabe) 200 Seiten starken Werkes. Es lässt sich vermutlich kaum ein Sci-Fi Werk finden, das danach kam und sich nicht in der ein oder anderen Weise dort bedient hat oder wenigstens inspirieren lies (Dark Star, Stargate, der Anhalter, …). Dennoch bin ich froh, wieder auf der Erde zu sein, um dort mit offenen Augen zu beobachten, wohin unsere Reise tatsächlich geht. Denn wir sind 14 Jahre nach dem Jahr, in dem man uns zutraute den Saturn lebend zu erreichen. Dann zeig mal, Welt, was du kannst.

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