Anja Zimmer – “Die Hüterin der Zeit” (Kreuz & Sonne I)

Die Christianisierung Europas war nicht immer nur ruhmreich, oft ging es den Missionaren auch um die Festigung ihrer eigenen Macht und Konflikte zwischen den Religionen waren eingentlich eh vorprogrammiert. So auch in Irland, nachdem ein gewisser St. Patrick dort die ersten Kelten überzeugte, sich dem Christentum anzuschließen.

Die Rahmenhandlung wird gebildet in der Jetztzeit. Die junge Studentin Hanna nimmt einen Job bei einer alten Dame an, für die sie insgesamt vier alte Schriftstücke kopieren soll (Luft, Erde, Wasser und Feuer). Durch die dort erzählte Geschichte und die Gespräche mit der alten Dame lernt sie ihr Leben zu überdenken, auch, ob sie mit ihrem Freund Micheal glücklich ist oder sie diese Beziehung beendet, um mit James zusammen zu sein. Beide Männer sind ziemlich gegensätzlich. Micheal ist karriereorientiert, sieht sein Studentendasein nur als lästige Übergangsphase und geht wie selbstverständlich davon aus, dass Hanna seinen Heiratsantrag annimmt und die liebe, kleine Ehefrau spielen wird. James hingegen betrachtete sie auf Augenhöhe, hört ihr zu, bringt sie zum Lachen und gibt ihr Halt. Letzten Endes verlässt James Dublin, als Michael hinterhältig eine Verabredung zwischen ihm und Hanna platzen lässt (sie hat kurz zuvor mit ihm Schluss gemacht), aber Hanna reist ihm nach Galway hinterher.

Und all das Durcheinander nur wegen einer (zeitmäßig stark gestrafften – wird von der Autorin selbst zugegeben) Handlung vor Beginn des frühen Mittelalters, bei der ich bald vor lauter Handlungssträngen den Überblick zu verlieren drohe. Zum einen ist da Aed, die sich in ihren Herrn verliebt, vor dessen Bruder flieht und sich mit anderen “Gesetzlosen” erfolgreich und gefürchtet in der Wildnis durchschlägt. Eine ebenfalls starke weibliche Persönlichkeit ist die Nichte des Hochkönigs, die leider erst interessant wird, als es darum geht, einen frisch getauften König dauerhaft ans Christentum zu binden. Der böse Fadenzieher ist bei den sich entwickelnden Intrigen ein christlicher Mönch, der Irland endlich von den “Heiden” befreit sehen will und wirklich alles tut, um sein Ziel zu erreichen. Leider hat er damit letzten Endes Erfolg: der alte Hochkönig und seine Familie (bis auf die Nichte) sind tot, der von ihm unterstützte König erhält den Titel, die Nichte fügt sich, um das Leben ihrer Mitschwestern (ja, sie wuchs im Kloster auf) zu retten, ihrem Schicksal und Aed wird hingerichtet.

Das Ende dieses Handlungsteils hat mich ziemlich traurig gestimmt, da quasi alle Frauen, die etwas bewegen konnten entweder unterjocht wurden oder tot sind. Als einziger Trost diente mir wirklich nur das Ende des modernen Handlungsteils, weil Hanna ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und sich nicht länger von Michael alles vorschreiben lässt.

Der Schreibstil hat mich zwischendrin eher an eine (sehr, sehr gut geschriebene) Fanfiction denken lassen, was der Anziehung des Buches jedoch keine Abbruch getan hat. Während dem Lesen sah ich Irland vor mir – so wie ich es kennen gelernt habe, aber auch ein bisschen so, wie es früher wohl einmal gewesen war. Auch die Beschreibung der vier Blätter, die jeweils durch die Schrift ein zur Handlung passendes Bild darstellten, hat mir gut gefallen, aber vor allem das Haus der alten Dame. Hanna sitzt nie an der gleichen Stelle und der Blick nach draußen, sowie die Ausmaße der Räume scheinen nie zum äußeren Eindruck zu passen, was dem Ganzem einen Hauch von angenehmen Strinrunzeln gibt.

Anscheinend gibt es noch einen zweiten Teil, jedoch weiß ich noch nicht, ob ich mir diesen holen werde – es steht bei mir einfach noch zu viel ungelesenes herum. Denn das Buch an sich hat mir sehr gut gefallen.

Wer ein bisschen mehr über die irische Geschichte lernen möchte, dem empfehle ich Frank Delaney “Ireland – a Novel” (zu Deutsch: “Schwert & Harfe”), das verknüpft mit dem Leben eines kleinen Jungen den Zeitraum von der Eiszeit bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts umfasst.

Begonnen: 26.3.15    Beendet: 6.4.15

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