Friedrich Dürrenmatt – “Der Richter und sein Henker”

Während meiner Schulzeit lernte ich einen gewissen schweizer Autoren zuerst kennen und dann schätzen. Dem verpflichtenden “Physikern” und dem “Besuch der alten Dame”, fügte ich “Romulus, der Große” hinzu und las mich in mit Hilfe einer Biographie durch Kurzzusammenfassungen seiner anderen Werke. Immer ein wenig den Hang zum Wahnsinn und immer bereit, mit der letzten Wendung das gesamte vorherige Geschehen in einem völlig neuen Licht darzustellen. Doch um ein Standardwerk der Schullektüre machte ich einen Bogen: der Richter und sein Henker. Zum Glück hatte es einst meine Mutter lesen müssen und aufgehoben, sodass ich im Frühjahr das dünne Büchlein endlich lesen konnte.

Als Schmied erschossen in seinem Wagen aufgefunden wird, wird eine Ermittlung losgetreten, bei der nicht nur der Täter ein doppeltes Spiel spielt. Sein Chef, Kriminalkomissar Bärlach, befördert Tschanz auf Schmieds nun freien Posten, und gemeinsam nehmen sie die illustre Gesellschaft um Herrn Gastmann ins Visier, die ihre ganz eigenen Mittel und Wege kennt, ein Verhör nach ihren Regeln zu führen. Es werden Hunde erschossen, Freundinnen Verstorbener “abgeworben”, über die besten Autostrecken diskutiert, trotz schwerer Krankheit der eh schon angeschlagene Magen malträtiert und alte Freundschaften aufgewärmt. Letzten Endes erkennt man das Alles als fast schon unnötiges Geplänkel am Rande einer deutlich älteren Geschichte und Wette darüber, ob das perfekte Verbrechen aufklärbar ist. Notfalls wird eben des einen Verbrechens überführt, dass nicht vom Schuldigen begangen wurde, sondern von dem Henker, der auf seinen Kollegen neidisch war  und sich Stück für Stück alles holte, was seins war. Berufliche Stellung, Unterkunft, Freundin. Doch zuletzt bleibt Bärlach übrig, der nun endlich auf seinen Arzt hört.

Nachdem ich mich an den Stil gewöhnt hatte (die anderen Werke waren ja schließlich Schauspiel gewesen und nicht Prosa), war ich gefangen. Dürrenmatt hat mir einmal mehr vor Augen geführt, dass die Kunst darin liegt, was nicht gesagt wird. Zwischendrin war die Spannung quasi greifbar, während der Leser sich dann und wann noch über Eigentümlichkeiten wundert oder ein Schmunzeln unterdrückt. Die Figuren wirkten auf mich anfangs stark überzeichnet, doch zum Ende hin wurde deutlich, dass sie genau so sein mussten, um ihre Rollen ausfüllen zu können.

Vermutlich werde ich auch noch in Zukunft das ein oder andere Werk von Dürrenmatt lesen. Doch ob ich mich allgemein an Krimis heranwagen soll, weiß ich noch nicht. Meine Erwartungen wären momentan vermutlich einfach zu hoch.

Begonnen: 19.5.    Beendet: 19.6.15

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