Cecilia Ahern – “Hundert Namen”

Gerade ich, seit einer Woche in der Einarbeitung für meine Bacherlorthese, weiß wie schwer es sein kann den Kontext zwischen Elementen zu verstehen und ihn dann auf Papier – oder seien wir ehrlich: in Bytes – zu bringen. Doch wie sieht das ganze dann erst aus, wenn man statt einem vorgegebenen Thema und einer groben Richtung nur eine Liste von 100 Namen erhält, ohne die Möglichkeit nachzufragen bei demjenigen, von dem man sie erhalten hat?

So ergeht es Catherine Logan. Ihre letzte berufliche Chance, nachdem sie durch ein falsches Detail in einer Story ihre Karriere fast vollständig zerstört hat, ist der Artikel, den ihre an Krebs verstorbene Mentorin, Freundin und Redakteurin Constance eigentlich noch hatte schreiben wollen. In ihrem allerletzten Gespräch weist sie Kitty daraufhin, dass es wichtig sei auf die Wahrheit zu hören, statt nach Verborgenem zu suchen. Den Sinn dahinter erkennt sie jedoch erst nach der Rückkehr eines zweitägigen Ausflugs nach Cork mit den ersten sechs Leuten, die sie von der Liste hat kontaktieren können. Am liebsten würde ich sie euch jetzt so vorstellen, wie Kitty sie der restlichen Redaktion von Constance’ Zeitschrift vorstellt, da ich aber nach der ersten Woche intensiver Recherche meinen Augen etwas Ruhe gönnen wollte, habe ich mir das Buch via Onleihe als Hörbuch ausgeliehen und “vorlesen” lassen (verzeiht daher bitte Fehler bei der Schreibweise der Namen).

Dreh- und Angelpunkt ist für mich Birdy, die zu ihrem 18. Geburtstag wettete, dass sie ihren 85. erlebt – 100 Pfund 1 zu 100 gegen sie gesetzt, da sie als Kind Tuberkulose hatte. Zur Einlösung der Wette muss sie zurück in ihr Heimatdorf in Cork und jedes Mal, wenn ihr typische Akzent erwähnt wurde, musste ich an einen meiner Lehrer während eines Sprachaufenthaltes in Irland denken, der beteuerte, man höre seinen Akzent selbst dann noch, wenn er Spanisch spräche. Archie, dessen fast sechzehnjährige Tochter ermordet wurde, und selbst nicht mehr an Gott glaubend, plötzlich die Gebete anderer hören konnte – auch wie sehr Kitty es sich wünscht, sich bei dem Mann, dessen Leben durch ihren Fehler zerstört wurde, zu entschuldigen. Mary-Rose erhält regelmäßig von ihrem besten Freund Heiratsanträge, doch während er dies als Scherz meint, um minimum freie Getränke einzuheimsen, liebt sie ihn und bringt kranken Menschen ein Licht, indem sie sie schön macht. Für schön hält sich Ambrose allerdings nicht – zumindest bis der Mann, mit dessen Hilfe sie das Schmetterlingsmuseum ihrer Eltern weiterleitet, ihr gesteht, dass sie ihn mit ihren zwei verschiedenfarbigen Augen, den roten Haaren und dem Feuermal im Gesicht an einen der von ihr so geliebten Schmetterlinge erinnert. Alles andere als schüchtern ist hingegen ein polnischer Immigrant, der sich zusammen mit seinem indischen ehemaligen Arbeitskollegen den Guiness Book of Records Eintrag für den schnellsten Tretbootsprint über 100m holt. Und schließlich wäre da Eva, die gelernt hat den Menschen so genau zuzuhören, dass sie von ihr das perfekte Geschenk erhalten – nicht das, was sie meinen, das sie es sich wünschen, sondern das, das sie tatsächlich brauchen.

Und was haben nun alle diese Menschen außer der Tatsache, dass sie Kitty wieder zu sich selbst führen, gemein? Nichts. Sie haben einfach nur alle ihre Geschichte zu erzählen.

Es war gut, dass ich das Tempo diktiert bekam, sonst hätte ich an vielen Stellen bestimmt gezögert weiterzulesen -bereits zu Beginn. Aber so konnte ich einfach lauschen und mich auf die Story einlassen, sie auf mich wirken lassen. Denn wie immer bei Ahern hat diese Mischung aus Freude und Melancholie einen ganz besonderen Zauber, der einen irgendwo zwischen seinen eigenen Gefühlen und Erinnerungen schweben ließ. Vor allem durch die Vielzahl der verschiedenen Charaktere war es diesmal unglaublich leicht Überschneidungen mit mir selbst zu finden. Nicht zuletzt, weil ich mit diesem Blog euch zwischen den Zeilen auch viel über mich erzähle (auch wenn ich es eigentlich zu vermeiden versuche).

JS Raw: die strukturierte Chaotin

Und was ist eure Geschichte?

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One Response to Cecilia Ahern – “Hundert Namen”

  1. Pingback: Bag for Gems – kleine Prachtstücke | JS Selbstgemachtes

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