Sophie Kinsella – “Die Schnäppchenjägerin” – “Fast geschenkt”

Heute Vormittag bin ich wegen ein paar wichtigen Erledigungen in die Stadt und habe danach einen kleinen Kassensturz gemacht. Also, mir bleibt für den Rest des Monats weniger als ich heute ausgegeben habe. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass der Großteil des ausgegebenen Geldes auf Bücher geht – fünf Stück sogar. Eines davon (Schneider – “Deutsch für Profis”) wurde mir von einem Kollegen zur Besserung meines (ihm unbekannten) Schreibstils empfohlen. Zwei (Rothfuss – “Wise Man’s Fear” & Ahern “Der Ghostwriter) standen eh schon auf meiner langen Leseliste. Das nächste ist ein Klassiker (“Sturmhöhe”) und das letzte (“Das Geheimnis von Leben und Tod”) wohl eine Nachwirkung vom letzten Skulduggery-Band. Also alles ganz rationale Einkäufe – zumal ich mir zwei weitere Bücher nicht gehohlt habe. Bei Büchern könnt ihr doch wohl bestimmt verstehen, dass ich einfach nicht widerstehen konnte. Aber könnt ihr es auch bei all dem, was Rebecca Bloomwood, 25, Journalistin bei “Successful Savings” und “leicht” verschuldet, sich innerhalb eines Monats so kauft?

Die Geschichte fängt dort an, wo sie zum Kauf eines Tuchs von Denny & George, die sonst nie ihre Preise reduzieren, sich 20 Pfund von Luke Brandon, erfolgreicher Leiter einer PR-Firma mit ganz großen, gewichtigen Kunden, leit – mit der Begründung, das Tuch sei ein Geschenk für ihre kranke Tante. Mitten auf einer Pressekonferenz. Als er sie kurz darauf mit eben diesem Tuch sieht, ist die Tante kurzer Hand gestorben. Trotz dieser Lüge kommen sich die beiden irgendwie näher. Sie gehen sogar gemeinsam Koffer einkaufen – für Lukes Freundin.

Währendessen versucht Suze, Beckys beste Freundin und Mitbewohnerin, ihr ihren Cousin Tarquin – Tarkie – schmackhaft zu machen. Etwas, das ihr erst gelingt, als Becky herausbekommt, dass dieser unter den zwanzig reichsten Jungsellen Großbritaniens ist (inzwischen ist Derek Smeath, ihr Finzanzberater von der Bank wirklich sehr hartnäckig). Was stören da einen noch Segelohren, ein schrecklicher Modegeschmack und eine seltsame Vorliebe für Wagner? Es kommt wie es kommen muss. Das Date ist schrecklich und beim Frustshoppen am nächsten Tag muss Becky entdecken, dass all ihre Karten gespertt sind. Daher flüchtet sie an den einzigen kuschligen Ort, der ihr geblieben ist. Doch auch in ihrem Elternhaus holen sie ihre Fehler ein. Den langjährigen Nachbarn ihrer Eltern, die seltsamerweise all die Jahre immer noch denken, sie würde auf ihren Sohn stehen, ist durch einen Fondwechsel eine hohe Rendite verloren gegangen. Sie hatten sie danach gefragt und sie hatte nicht ganz geistig anwesend gesagt, dies sei okay. Doch dann fällt ihr auf, dass sie von den Renditenzahlungen gehört hat und stellt bei ihren Recherchen fest, dass die Nachbarn und eine Menge anderer Leute zu dem Fondwechsel, durch die die Ansprüche geschmälert wurden, überredet worden sind. Prompt schreibt sie einen Artikel (für die Klatschpresse) und wird daraufhin in eine Morgensendung eingeladen, wo sie wieder auf Luke trifft, der für die Gegenseite argumentieren soll. Überraschenderweise stellt er sich jedoch hinter sie – wodurch er den Kunden verliert, dafür aber Becky (okay, auch weil er wieder Single ist) gewinnt. Zu dem Typen erhält sie noch ein paar nette Gagen und einen neuen Job als “Finanzberatung” in der Morgensendung, weshalb ihr Konto endlich wieder ausgeglichen ist – oder doch nicht?

Ein paar Monate später.

Luke vergräbt sich in Arbeit und plant den Sprung über den großen Teich, um endlich in New York Fuß zu fassen und von seiner Mutter Anerkennung zu bekommen (den zweiten Teil würde er natürlich so nie zugeben). Währendessen sonnt Becky sich in ihrem Ruhm, darf ein Buch schreiben, für das sie sich extra einen Mac für 2.000 Pfund gekauft hat (geht’s noch? Selbst mein großer, privater Hochleistungsrechner zum Programmieren und für Bildbearbeitung war günstiger!). Ähm, muss ich hier wirklich alles auflisten?

Um es kurz zu machen: Nachdem sie endlich von New York erfahren hat, beschließt sie sich dort auch ihr Leben aufzubauen, um ihre Beziehung mit Luke fortführen zu können. Schnell ist sie berauscht von der Stadt, den Leuten, mit denen sie sich trifft und den Sehenswürdigkeiten (eine Reihe namhafter Kaufhäuser und Stores). Die Luftblase zerplatzt, als eine englische Zeitung über ihre Kaufsucht berichtet. Denn wer vertraut noch einer hochverschuldeten Finanzexpertin? Luke, dessen Deal (angeblich erst) dadurch platzt, will nichts mehr von ihr wissen und sie fliegt zurück. Dort baut sie zum Glück Suze wieder auf und mit Hilfe von Tarkie, mit dem Suze dank Beckys spontanem “Ich hol mal nur schnell den Wagen”-Makeober inzwischen irgendetwas hat, finden sie einen Weg all ihre Schulden zu begleichen. Und so kommt es zu einer riesigen Versteigerung inklusive Starauktionär von Christie’s, bei der sie all ihren Besitz außer der Kleidung sie gerade trägt und einer Handtasche los wird. Nach einem letzten, triumpfahlen Auftritt bei ihrer alten Sendung (die Produzenten wollten ein Häuflein Elend), macht sie sich auf den Weg zum Flughafen. Luke fängt sie ab und überreicht ihr das Tuch, das er so sehr an ihr liebt und heimlich hat ersteigern lassen. Allerdings lösen sich seine Hoffnungen, sie würde bei ihm bleiben, in Luft auf. Er weiß zwar inzwischen, dass er ihre und nicht sie seine Karriere zerstört hat (eine sich selbständig machen wollende Mitarbeiterin hatte die Presse auf Becky gehetzt), doch trotz Entschuldigung fliegt sie einfach in die USA und verrät ihm nicht, wo sie anfangen wird zu arbeiten.

Etwas später: Becky, mittlerweile Einkaufberaterin eines großen Kaufhauses in New York, dessen Ware sie nach kurzem Durchwandern bereits bei ihrem ersten Besuch grandios im Kopf hat, erhält einen neuen Kunden, der ihr beichtet, er wäre neu in der Stadt, habe noch eine Firma in London, die er im kleineren Kreis expandieren lassen wolle und such noch eine gute Beraterin, die ihn für seine Termine, die richtigen Outfits zusammen stelle. Natürlich vergibt sie Luke. Ende

Das war jetzt ziemlich lang und ich hoffe ihr verzeiht mir, dass der Witz, der einen Großteil des Charmes der Bücher ausmacht, auf der Strecke geblieben ist, unter anderem, weil ich doch sehr gekürzt habe.

Das letzte Mal, dass ich ein Buch von Kinsella (“Göttin in Gummistiefeln”) gelesen habe, ist schon eine Weile her, doch als ich den ersten Trailer zum Film (“Shopaholic”) gesehen habe, war ich begeistert und auch noch, als ich den Film dann irgendwann im Fernsehen sah – bis ich die ersten beiden Bücher las. Wieso muss Hollywood alles, was irgendwie Charme hat, aber auch davon lebt, dass es eben nicht in den USA spielt, amerikanisieren???! Das hat mich schon bei “PS: ich liebe dich” (u.a. weil ich beim Lesen damals tatsächlich in Irland war) auf die Palme gebracht. Natürlich ist Kaufsucht ein ernstes Thema und nicht alle Becky Bloomwoods dieser Welt leben in London, aber der Reiz liegt gerade in den kulturellen Unterschieden, der Distanz beider Orte. Und zu meinem großen Entsetzen merkt man es dem Film, der für sich genommen gut ist, leider auch wirklich an, dass zwei Bücher hineingepresst wurden. Die Hochzeit des Nachbarsohns, bei dem alle Gäste Becky als Störenfried empfinden und u.a. die Brautmutter denkt, die Beziehung zu Luke sei nur erfunden, fiel unter den Tisch. Lukes Beziehung zu seiner Mutter ebenso und ich könnte die Liste hier noch munter weiterführen. Da es mir aber nicht gut tut, mich zu sehr aufzuregen, fokusiere ich mich wieder auf die schönen Dinge im Leben. Die Bücher sind super geschrieben (zumindest ist die deutsche Übersetzung gut) und nähern sich dem Thema mit unglaublich viel Humor und einem Hang zum Fremdschämen (so erging es mir zumindest). Sie regen einen aber auch zum Nachdenken an, ohne einem vollends den Spaß am Stöbern, Suchen und Einkaufen zu vermiesen. Denn eigentlich sagen sie nur, man solle sich eine Arbeit suchen, die einen erfüllt und seine Talente am besten zum Vorschein bringt – dann wird das Leben insgesamt schöner.

“Die Schnäppchenjägerin” (12.11.15 -17.11.15)
“Fast geschenkt” (30.11.15 – 13.12.15)

PS (weil ich euch das wirklich nicht vorenthalten möchte): Kurz bevor Luke in den Abkleidenbereich tritt, erhält Becky einen Anruf von einer hochintelligent IT-Expertin, die laut eigener Aussage bezüglich Mode eine Analphabetin ist. Sie erhält sogar von ihr eine Liste mit Tipps, wie sie was in ihrem Kleiderschrank richtig zu kombinieren hat. Im allerletzten Brief (oder vielmehr einer E-Mail) schreibt statt der Banken sie ihr – vollkommen verzweifelt, weil sie die Liste verloren habe und jetzt nicht wisse, was sie machen soll.

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