Rebecca Alexander – “Das Geheimnis von Leben und Tod”

“Er hat Recht”, flüsterte sie. “Es ist eine Sucht. Du bist für mich wie Heroin. Ich muss mich von dir fern halten.”

Was sich hier auf den ersten Blick liest wie eine Neuauflage von “Twilight” ist in Wahrheit so viel mehr. Das Zitat stammt aus dem vorletzten Kapitel und beschreibt den Kernpunkt, weswegen die zwei Protagonisten am Ende nicht zu einander finden.Und eigentlich ist dieser Teil der Geschichte nur ein nettes Gimmick.

Erzählt wird in zwei Zeitebenen: unserer heutigen Zeit und dem Jahr 1585, in dem der Gelehrte John Dee mit seinem Schüler Edward Kelley am Hofe des polnischen Königs empfangen wird. Bald erfahren sie, dass sie seine Nichte, Erzsébet Bathory heilen sollen, und werden zu diesem Zweck auf ihre Burg in den Karparten entführt, weil ihnen die Inquisition im Nacken hängt. Der Grund, dass sich die Gruppe und Konrad von Schönborn gerade an diese beiden frommen Protestanten hängt, könnte darin zu suchen sein, dass Dee durchaus der Magie vertraut ist und von Kelley von Zeit zu Zeit ein höheres Wesen namens Saraquel Besitz ergreift. Beide halten dieses für einen Engel, obwohl sich in Kelley, aus dessen Sicht erzählt und dessen Tagebucheinträge zitiert werden, allmählich Zweifel regen. Denn in der Burg verschwinden Kinder, Getränke der Gräfin enthalten Blut und der inzwischen inhaftierte Konrad erzählt von seinen Erlebnissen mit Wiedergängerinnen. Trotzdem wird das Ritual vollzogen, damit Bathory endlich zu genug Kräften kommt, um einen Erben zu gebähren. Das Vorhaben gelingt – dennoch müssen Dee und Kelley schließlich vor ihrer Hinrichtung fliehen und werden nur aus einer Laune heraus von der Gräfin in Ruhe gelassen, nachdem sie im Wald gestellt wurden.

Die zweite Handlung beginnt damit, das Professor Felix Guichard an einen Tatort gerufen wird, um sich die sonderbaren Symbole auf dem Körper der Toten genauer anzusehen. Zwar stellt sich später heraus, dass sie eines natürlichen Todes starb, doch führen seine Recherchen Felix zu Jackdaw, kurz Jack, deren Pflegemutter vor wenigen Jahren Dokumente und Medaillen mit eben diesen Symbolen verkauft hat. Sie hat sie auf ihrem Körper tätowiert, weil sie ansonsten nicht leben könnte. Als so genannte Leihzeiterin wurde ihr Leben über den Tod hinaus verlängert, da ihr Blut heilende Wirkung hat. Inzwischen versucht sie auf die gleiche Art und Weise anderen Mädchen das Leben zu retten – nur blöderweise scheinen sich plötzlich alle für das neue Mädchen, Sadie, zu interessieren. Nicht nur die Polizei und die Mutter suchen nach ihr, sondern auch eine Hexe, der Jack bei ihrer ersten Begegnung nur mit Mühe in kommen kann. Wenig später versucht diese Sadie in ihre Gewalt zu bringen, scheitert aber zunächst, was der Inquisition Zeit gibt auf den Plan zu treten. Stephen McNamaras Schwester war einst auch eine Leihzeiterin und wurde von Erzsébet Bathory exsanguiert, um deren Vitalität auf sich selbst zu übertragen. Aus Sorge, um ihre Freunde geht Sadie freiwillig mit ihr mit, nichts ahnend, was sie erwartet.

Währenddessen tun sich Jack und Felix mit “Mac” zusammen, um Bathory zu töten und Sadie zu befreien. Es kommt zum großen Finale in einer alten Kapelle, in der die Gräfin von einem entfesselten Elementarwesen verbrannt wird. Allerdings musste Jack, um stark genug zu sein für die Konfrontation, Felix Blut trinken, was seitdem zwischen ihnen steht. Dennoch kümmern sie sich zusammen (und mit der Hilfe von ein paar anderen Leuten) um Sadie, die nach all dem Blutverlust im Koma liegt.

Die Geschichte endet damit, dass alle Hauptfiguren mehr oder minder heil aus dem Ganzen herauskommen (die Gräfin zählt nicht). Aber als “Happy End” würde ich es trotzdem nicht bezeichnen. Dafür ist zu viel Negatives geschehen.

Ich bin mir unsicher, ob man das Buch als “Vampirroman” bezeichnen kann. Zwar zeigen sich klare Parallelen zu “Dracula”, doch es wird immer nur von “Wiedergängern” und “Leihzeitern” gesprochen, beziehungsweise davon, dass letztere unter gar keinen Umständen Blut trinken sollten (s.o.).

Davon einmal abgesehen ist es spannend, bildhaft und fesselnd geschrieben. Die oft nur wenige Seiten langen Kapitel und die Wechsel zwischen den Zeitebenen wirkten anspornend und waren genau richtig, um auch mal im Bus oder noch kurz abends zu lesen – oder wie heute, um endlich zu wissen wie es ausgeht, eine Stunde lang draußen unter blauem Himmel im Sonnenschein.

So weit ich weiß, kam das Buch erst im Februar auf den deutschen Markt, und lässt mich den Glauben in Fantasy für Erwachsene ein kleines Stück mehr zurückgewinnen. Kein Kitsch, keine albernen Liebesschwüre, sondern einfach nur gute Unterhaltung.

Begonnen: 4.4.16    Beendet: 21.4.16

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