Ransom Riggs – “Die Insel der besonderen Kinder”

Jeder hat diesen einen Großelternteil, der einem Geschichten aus der Zeit des zweiten Weltkrieges erzählt. So auch Jacob, Jake, in Ransom Riggs ersten Teil der Hollow-Trilogie (keine Ahnung, wie sie wirklich heißt oder ob es wirklich in drei Teilen abgeschlossen ist). Wem der Titel jetzt bekannt vorkommt – ja ich habe das Buch wegen des diese Woche bei uns erschienenen neuen Tim Burtons Film gelesen. Aber immer der Reihe nach.

Jakobs Großvater stammt aus einer polnischen, jüdischen Familie, die ihn zu Beginn des Krieges in Sicherheit zu einem englischen Waisenhaus geschickt hat. Doch dieses verließ er in späten Teenagerjahren um gegen die “Monster” zu kämpfen. Wie diese Monster aussahen, wusste er Jakob genau zu beschreiben, und von den “besonderen Kindern” unter der Obhut von Miss Peregrin hatte er noch einige Bilder. Dennoch tat sein Enkel dies bald als Märchen ab, die Bilder als Fälschungen und die Beschreibung der Monster als pure Fantasie – worin ihn sein Vater auch bestärkte.

Doch dann sieht er so ein Monster. Urplötzlich, eines Sommerabends. In direkter Nähe seines kurz zuvor bestialisch ermordeten Großvaters. Seine letzten Worte treiben ihn um, bis zu seinem nächsten Geburtstag, an dem er von seiner Tante ein Buch aus dem Nachlass erhält.

»Finde den Vogel. In der Schleife. Auf der anderen Seite vom Grab des alten Mannes. 3. September 1940.« Ich nickte, aber er sah mir offenbar an, dass ich nichts verstand. Mit letzter Kraft fügte er hinzu: »Emerson – der Brief. Erzähl ihnen, was passiert ist, Yakob.«

Ebendiesen Brief findet er darin und damit auch eine Adresse auf einer kleinen Insel vor der englischen Küste. Bestärkt von seinem Psychiater reisen Jakob und sein Vater, ein Hobby-Ornitologe, in das verschlafene Nest, das noch nicht einmal eine eigene Stromversorgung vom Festland besitzt. Aber wie groß ist seine Enttäuschung als er das Waisenhaus verrottet vorfindet, von der Zeit und einem Bombeneinschlag zerstört.

Seine Meinung ändert sich jedoch am nächsten Tag, als er einem Mädchen, das er zuvor noch nicht gesehen hatte, ins Moor in ein altes Steingrab folgt. Dieses dient als Zugang zur Zeitschleife des 3.9.1940, die Miss Peregrin bereits seit Jahrzehnten aufrecht erhält. Die nächsten Tage werden für Jacob bittersüß. Die “besonderen Kinder”, allen voran Emma mit ihrer Fähigkeit Feuer auf ihrer Handfläche entstehen zu lassen, nehmen ihn herzlich auf, sind aber auch traurig, weil sie wissen, dass sein Großvater tot ist. Außerdem muss er erfahren, dass sein Großvater ihn keineswegs in den anderen Dingen belogen hat. Die Monster sind real. Das, was Jacob gesehen hat ist ein Hollow – dass er ihn überhaupt sehen konnte, ist übrigens seine besondere Fähigkeit – es gibt aber auch noch Wights, die dadurch entstehen, dass Hollows genug Menschen mit besonderen Fähigkeiten gefressen haben. Entstanden sind sie im 19. Jahrhundert bei dem Versuch mehrerer Ymbrynes (Hüterinnen der Zeitschleifen) und mehrerer Wissenschaftler unsterblich zu werden, indem sie die gesamte Erde in einer Zeitschleife gefangen nehmen. Ihr ahnt es – es ging gründlich daneben.

Bedauerlicherweise sind diese Monster nur leider beratungsresistent. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung erinnern sie sich nämlich noch sehr genau an ihr Experiment und fangen nun alle übrigen Ymbrynes, um es zu wiederholen. Hierbei erfährt Jacob auch, dass er seit Jahren unter Beobachtung eines Wights stand, den er in seiner letzten Rolle als Psychiater allerdings erst richtig kennen gelernt hat (davor war er als Gärtner und Busfahrer getarnt).

Die Handlung des ersten Teils endet daher damit, dass sich die Kinder aufmachen, ihre “Headmisstress” zu suchen.

Am Anfang dauert es etwas, bis die Geschichte wirklich beginnt bzw. man merkt erst sehr viel später, dass man bereits am Anfang mitten in ihr drin steckte. Jacob kommt authentisch als vereinsamter Teenager rüber und gibt als Ich-Erzähler wirklich alles. Jede Freude, jeden Zweifel, jede Angst teilt er mit und fesselt so den Leser.

Fast war ich ein bisschen enttäuscht, als mir klar wurde, dass die verbliebenen Seiten nicht zum Beenden der Geschichte reichen. Aber andererseits bin ich froh darüber, da ich so ein wenig mehr über diese Parallelwelt erfahren kann, die Riggs geschaffen hat, und in der seltene Gene für übernatürlich erscheinende Ausprägungen bei Menschen sorgen. Mein Vater hat es mit “eine Mischung aus Alice im Wunderland und X-Men” wohl ziemlich auf den Punkt gebracht – außer, dass durch die Orientierung an historischen Begebenheiten das Ganze deutlich greifbarer wirkt.

Kurzum ein Buch auf dessen Fortsetzung ich mich wirklich freue.

PS: Die etwas düstere Seite des Autors findet ihr hier.

 (11.9.16 – 18.9.16)

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