Jojo Moyes – “Ein ganzes halbes Jahr”

Kann man sich innerhalb eines halben Jahres komplett verändern? Wie sehr prägen uns die Menschen, die uns täglich umgeben? Wenn man Jojo Moyes glauben kann, mehr als wir am Anfang selbst ahnen würden.

Eigentlich nimmt Louisa Clark die Stelle als William Traynors Pflegerin und Gesellschafterin nur ungern an. Aber den Job im Cafe hat sie verloren und als einzigen anderen Vorschlag steht ihr nur noch ein Job in der “Unterhaltungsbranche” offen – zumindest laut Arbeitsamt. Und arbeiten muss sie – allein schon um ihre Familie, ihre Eltern, ihre Schwester mit dem kleinen Sohn und ihren Großvater zu unterstützen, vor allem als Treena wieder an die Uni zurückgeht und ihr Vater seinen Job in der Möbelfabrik verliert.

Und so bleibt sie, hält Wills Launen aus und lernt ihn immer mehr verstehen. Und Will seinerseits -.seit einem Motorradunfall (er wurde angefahren) im Rollstuhl und kaum in der Lage seine Arme zu bewegen – macht es sich zur Aufgabe sie neugierig auf die Welt außerhalb des beschaulichen Städtchens zu machen. Er bringt sie dazu Filme mit Untertiteln zu schauen, zu lesen, Klassik zu hören. Sie sei an manchen Tagen der einzige Grund, weswegen er aufstehe, gesteht er ihr auf der Hochzeit seiner Ex-Freundin mit seinem ehemals besten Freund. Doch da weiß Lou schon längst, dass er bald gar nicht mehr aufstehen will. Nach Ablauf des halben Jahres, für das sie ihren Vertrag hat, hat Will einen Termin bei Dignitas in der Schweiz. Mit Hilfe einer großen Online-Community denkt sie sich daher immer wieder Erlebnisse aus, um ihn doch umzustimmen. Aber selbst als sie sich in ihn verliebt und ihm auch offen sagt, dass sie mit ihm zusammen sein will, ändert das seine Meinung nicht, da es das einzige sei, dass er seit langem selbst bestimmen könne.

Trotz des darauf folgenden Streits ist sie in seinen letzten Stunden bei ihm. Ein paar Wochen später erfährt sie dann auch in einem Brief, dass er alles in die Wege geleitet hat, damit sie eine Ausbildung nachholen und anfangen kann, ihr Leben selbstbestimmt in vollen Zügen zu genießen.

Klar ich könnte hier noch von ihrem verrückten Modegeschmack schreiben, den sie hat, seitdem sie ihre “Unerschrockenheit” verlor (ein Erlebnis, mit dem sie erst durch Wills Hilfe lernt richtig umzugehen), von ihrem Sportbessenene (Ex)Freund Patrick, von Hummelstrumpfhosen und vielem mehr. Doch eigentlich möchte ich hier nur schreiben, dass ich mich nicht erinnern kann, wann ich das letzte Mal die letzten hundert Seiten eines Buches geweint habe und danach richtig down war. Bis auf wenige Kapitel, die auch mal Treena, Wills Mutter und Wills Pfleger zu Wort kommen lassen, erzählt Louisa ruhig und unaufgeregt was sie erlebt und wie sie sich fühlt. Sich nicht mit ihr zu identifizieren fällt dabei wirklich schwer.

Ich habe eine ganze Weile über das Ende nachdenken müssen, wartete ich doch während des Lesens die ganze Zeit auf das Happy End, das nicht kam. Dennoch ist es gut so wie es ist, denn es ist konsequent und bleibt den Charakteren, vor allem William, treu. Trotzdem war mein Fazit eine Stunde nach dem Auslesen und ein großes Stück Schokolade später, dass ich nächster Zeit wohl eher Fantasy lesen werde. Schöne ehrliche Fantasy, die tragische Liebesgeschichten nicht so sehr auf die emotionale Schiene zieht.

Begonnen: 14.11.    Beendet: 22.11.16

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