Pratchett – “Einfach göttlich” – Scheibenweltmythologie für Einsteiger

Es ist überraschend und schön zugleich, wenn der Buchtitel einem die Zusammenfassung eigentlich schon vorne weg nimmt. Doch, da damit noch nicht geklärt ist, was denn nun an diesem Roman über die Scheibenwelt “einfach göttlich” ist, folgt hier nun die Zusammenfassung.

Der Leser, ebenso wie der (aktiv eingreifende) Geschichtsmönch Lu-Tze, begleiten die Geschichte des achten Prophets, der vom monotheistischen Gott Om auserwählt wurde, um dessen Worte zu verkünden. Zu dieser besonderen Stellung berufen fühlt sich vor allem Diakon und Inquisitor Vorbis, der mit geschicktem Vorgehen seine Religion weiter verbreiten möchte.  Scheint es nicht da schon beinahe Fügung, dass er eines Tages auf den sehr gläubigen und etwas zu alten Novizen Brutha aufmerksam wird, der seine Zeit meistens im Garten verbringt und ein wirklich hervorragendes Gedächtnis hat?

So gelingt es ihm mit seiner Hilfe den Palast von Ephebe einzunehmen, in dem er sich als Gesandter für Friedensverhandlungen aufhält. Eigentlich ist der Palast durch ein verzwacktes und mit Fallen bewehrtes Labyrinth gesichert, doch Brutha kann sich sämtliche Schritte hindurch merken. Blöd nur, dass der einst so folgsame Brutha irgendwann anfängt nachzudenken und sich der Gegenseite anschließt. Die Verfolung auf hoher See misslingt, da die Meeresgöttin noch ein Hühnchen zu rupfen hat für den auf Vorbis Befehl hin getöteten Delfin. So landen beide schiffbrüchig in der Wüste zwischen Ephebe und Omnien und Vorbis hätte ihre Durchquerung ohne Bruthas Willen, ihn in  der Zitadelle vor ein Gericht zu stellen für seine Verbrechen, nicht überlebt.

Seltsam nur, dass Brutha plötzlich in der Zitadelle aufwacht und alle von Prohphet Vorbis sprechen, der die Wüste durchquerte. Wie Brutha letzten Endes als weiterer Märtyrer für das eigentliche Weltbild (Schildkröte statt Kugel) auf einer eisernen Schildkröte landet, kann ich euch leider nicht mehr sagen. Aber seid zumindest dahingehend beruhigt, dass Om auf Bruthas Seite steht und etwas entschieden gegen Vorbis hat. So ist Brutha letztlich sogar in der Lage die Flotten der anderen Nachbarstaaten zu besänftigen und Omien über mehr als hundert Jahre Frieden zu bringen.

So, das war die eine Sicht auf die Geschichte. Allerdings wird sehr oft aus der Sicht von Om erzählt, der sich bedauerlicherweise in der Form einer Schildkröte auf der Scheibenwelt befindet. Ebenso bedauerlich ist, dass anscheinend nur noch Brutha an ihn und nicht an die Institution des Glaubens glaubt. Hört dieser auf, an ihn zu glauben, wird er wieder zu einem der geringen Götter und muss sein Dasein in der Wüste fristen, verzweifelt auf der Suche nach einem Menschen, den er durch Listen und Versprechungen dazu bekommen muss, an ihn zu glauben. Keine gute Aussicht. Und da ist die ständige Gefahr von Adlern erst in die Luft gehoben und dann wieder fallen gelassen zu werden, was unweigerlich den Panzer zerbricht, noch nicht berücksichtigt! Oder die Menschen, die auf Bruthas “Haustier” immer mit einer Erklärung wie lecker diese doch schmecken würde, reagieren. Aber zum Glück geht alles gut aus, als Om sich via Adlerexpress aus der Wüste zu Brutha bringen lässt und vom Himmel fallend eben mal Vorbis erschlägt, nachdem Brutha im erklärte, er würde sterben. Denn plötzlich glauben wieder tausende an ihn und er wird entsprechend mächtig genug, um auf der Narbe den anderen Göttern der Scheibenwelt seine Meinung zu geigen. Nun ja, lest selbst und entscheidet, was ihr an diesem Werk “einfach göttlich” findet.

Ich meinerseits musste an vielen Stellen laut loslachen. So auch, als die Philosophen in Ephebe über die Existenz von Göttern diskutieren und nach entsprechenden Erscheinungen die Existenz des jeweiligen Gottes dann doch anerkennen. Nicht umsonst hat die Bibliothek ein Dach aus Kupfer!

Andererseits bietet das Buch auch Anlass sich auf humorvolle Art und Weise mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen. So erfährt Brutha im Gespräch mit Om, dass dieser vieles, was seine früheren Propheten verkündet haben, niemals gesagt hat. Auch tritt Tod regelmäßig auf (es sterben genau betrachtet ziemlich viele Leute) und die jeweilige Welt nach dem Sterben wird beschrieben. Für Oms Anhänger ist es eine Wüste, an derem Ende das Gericht wartet, für die im Sturm verunglückten Seeleute geht die Reise auf dem Geist ihres Schiffes einfach weiter.

Vielleicht ist doch nicht alles so lustig, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern wie von Pratchett gewohnt hoch philosophisch. Die Quintessenz? Wenn wir uns die Köpfe einschlagen wollen, dann nicht im Namen irgendeines Gottes, schließlich verfolgen wir damit unsere eigenen, weltlichen Interessen. Und wenn wir es nicht wollen, ist Frieden ein unschätzbar wertvolles Gut.

Begonnen: 21.4.    Beendet: 1.5.17

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