Terry Pratchett – “Lords und Ladies”

All die Jahre über wurden wir über die wahre Herkunft der Kornkreise angelogen! Nicht Außerirdische sind dafür verantwortlich, sondern die schwächer werdenden Barrieren zwischen den verschiedenen Welten – zumindest auf der Scheibenwelt, wo dieses Phänomen als Kreiszeit bekannt ist.

Doch darum geht es hier eigentlich nicht. Es geht um die glückliche Vermählung von Venrence, König von Lancre, mit der Hexe Magrat. Doch statt ihr formell einen Heiratsantrag zu machen, stellt er sie vor vollendete Tatsachen: der Termin steht fest, die Gäste sind bereits geladen und selbst das Kleid ist bereits fast fertig. Nicht gerade der Beginn einer Märchenhochzeit, aber immerhin kann die Verlobte in Spe dann nicht “Nein” sagen.

Kurz darauf verkracht sich dann Magrat auch noch mit Granny Weatherwax (s. Equal Rites) und zieht schon vorzeitig ins Schloss ein. Doch dass das Leben als (beinahe) Königin so langweilig sein würde, hat ihr natürlich keiner gesagt, als sie das Hexe-Sein an den Nagel hing.

Dafür haben die beiden anderen Hexen – Nanny Oggs macht die 3 voll – alle Hände voll damit zu tun, einen Haufen toll gewordener Junghexen zu bändigen. Die haben nämlich blöderweise oben im Wald bei den Tänzern (riesige Magnetsteine) getanzt. Blöde Idee. Ganz, ganz blöde Idee.

Aber zurück zu den Hochzeitsvorbereitungen. Aus dem fernen Ankh-Morpork macht sich eine Delegation von Zauberern auf den Weg, geführt von Mustrum Ridcully, der in alten Erinnerungen schwelgt, nach Lancre und gabelt nebenbei noch den zweitgrößten Liebhaber der Scheibenwelt, Casanunter (macht im Englischen Original wahrscheinlich etwas mehr Sinn), auf. Währenddessen probt eine Gruppe von Handwerkern ein Theaterstück zu Ehren der Brautleute ein – an den Tänzern, weil sie ansonsten von den anderen Untertanen immer gestört wurden. Der einzige der dabei ein mulmiges Gefühl hat, ist Schmied Ogg, Nannys Sohn und in der Lage alles zu beschlagen (dafür beschlägt er ab und zu das Pferd eines Herrn, der nur in GROßBUCHSTABEN spricht – wer mag das wohl sein? 😉 ).

Trotzdem führen sie ihr Stück der Brautgesellschaft genau dort vor. Es fehlen lediglich die beiden alten Hexen (wild umworben) und Magrat, die im Schloss schmollt, seit sie in Verence Sachen einen Brief von Granny gefunden hat, aus dem hervorgeht, dass sie dem König zu der oben beschriebenen Überrumpelungstaktik geraten hat. So ist sie aber im Schloss und kann sich zur Waffenkammer flüchten, als die Elfen angreifen. Und nein, Elfen sind nicht nette, harmlose Wesen. Bei Licht betrachtet und ohne den Einfluss des Glamour hätte man lieber ein paar Wesen aus den Kerkerdimensionen als Elfen in seinem Königreich. Aber glücklicherweise mögen sie kein Eisen. Aber unglücklicherweise hat die Elfenkönigin Venrence in ihrer Gewalt und plant ihn zu heiraten, um sich Lancre untertan zu machen.

Natürlich hat Magrat etwas dagegen und zieht ausgestattet mit der Rüstung einer alten Heldin und Königin aus Lancre (die es eigentlich so nie gab) gegen sie aus. Letzten Endes braucht es aber dann doch Granny Weatherwax, der es endlich gelingt in den Geist von Bienen einzutauchen, und den Elfenkönig, den Nanny Ogg auf den Plan gerufen hat, um der Situation wieder Herr zu werden.

Letzten Endes heiratet Verence seine Magrat im kleinsten Kreis und bis auf Ridcully, dem Granny wieder einen Korb gab, sind alle glücklich.

Sogar der Schreiberling aus Ankh Morpork, der diesen “Sommernachtstraum” etwas realistischer gestalten musste und ihn unter dem Titel “Widerspenstige Zähmung” auf die Bühnen der Scheibenwelt bringen will.

So…

Ich habe inzwischen den Sommernachtstraum in mehreren Varianten auf der Bühne gesehen und mir ist zumindest stellenweise klar, wo sich Pratchett an ihn anlehnt, allerdings funktioniert das Buch auch wunderbar ohne diese Referenz und die Bezüge auf die in der Geschichte vorangehenden Bücher, die ich leider nicht gelesen habe.

Die Geschichte ist kurzweilig, amüsant, an den richtigen Stellen spannend und wie gewohnt gespickt mit Situationskomik, zum Beispiel wenn Jorick Ogg (Wächter im Schloss) seine Mutter fragt “Freund oder Feind” und diese antwortet, sie sei seine Mutter und er solle den Blödsinn lassen. Oder aber auch die Beschreibung der Grabhügelformation, unter der der Zugang zur Welt des Elfenkönigs liegt.

Trotz all dieser Einfälle schlich sich ab und zu aber auch ein Stimmchen in meinen Kopf, das sagte “aber das ist doch wie in…” Daher hier nun ein kleiner Ausschnitt aus den Ähnlichkeiten zu den “Großen Schwertern(W)  – übrigens älter als dieses Buch -und den “Kingkiller-Chronicles” von Rothfuss (R).

  • Elfen mögen kein Eisen (alle 3)
  • die Elfenkönigin ist rothaarig (W)
  • Einhörner sind flauschig – das Haustier der Elfenkönigin verirrt sich und erhält von Schmied Ogg silberne Hufeisen – und oh, ähm, sorry, dass ist aus “Ich, einfach unverbesserlich” – kleiner Fehler
  • Der Braut ist ihr Ehegatte nicht königlich fast lieber (W)
  • Elfen sind hinter ihrer Schönheit eigentlich ziemlich grausame Wesen (R)
  • der Elfenkönig wird mit dem Teufel gleichgesetzt – in (P) lebt dieser nämlich unterirdisch in einer Art Sauna und Nanny Ogg ist froh, dass nur seine Gedanken erscheinen, nicht er selbst, während in (W) Ineluki mit einer an ein Geweih erinnernden Krone geschildert wird – ein äußerliches Merkmal, dass in der dortigen monotheistischen Religion mit dem “Teufel” in Verbindung gebracht wird
  • alle kuschen vor der weisen Frau – Granny Weatherwax vs. Geloe (W)

Jetzt könnte ich die Liste natürlich noch so weiterführen. Aber wo bliebe da für euch der Spaß? Falls euch noch etwas Wichtiges einfällt,  könnt ihr es ja einfach in die Kommentare schreiben.

Viel Spaß beim Lesen eine wirklich heiteren, wenn auch zwischenzeitlich wirklich bösartigen Buches!

Begonnen: 19.7.    Beendet: 29.7.17

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