Nathaniel Hawthorne – “Der scharlachrote Buchtstabe”

Schon vor einer ganzen Weile habe ich mir den Film “Leicht zu haben” mit Emma Stone in der Hauptrolle angesehen. Wer den Film gesehen hat, weiß, dass die Schullektüre “the scarlet letter” eine zentrale Rolle darin spielt und sich die Protagonistin außerdem darüber aufregt, dass ihre Mitschüler alle nur den Film schauen und nicht das Buch lesen würden. Als ich das Buch daher vor einiger Zeit gebraucht gesehen habe, dachte ich nur “Herausforderung angenommen!”.

Was soll ich sagen? Da ich durch meine beruflichen Wechsel sehr viel Zeit im öffentlichen Nahverkehr verbringe, habe ich beschlossen, mich nach und nach durch das Fach mit den ungelesenen Büchern zu arbeiten. Und so landete dieses Büchlein mit seinen knapp 300 Seiten bei mir in der Tasche.

Zu Beginn ist es dem Autor wichtig, dass der Leser genau versteht wie es dazu kam, dass er nach seiner Tätigkeit im Zollamt diese Geschichte niederschrieb, die sich laut ihm tatsächlich so zu trug. Also, wie er eines Tages die alten Aufzeichnungen eines seiner Vorgänger fand, die sich bis auf die frühen Anfänge in der neuen britischen Kolonie an der Westküste Nordamerikas zurück datieren lassen. Leider beschreibt er dafür ausführlich circa 20 Seiten lang seine Kollegen und Mitarbeiter. Aber nun zur eigentlichen Geschichte.

Sie beginnt an dem Tag, an dem Hester Prynne mit ihrer neugeborenen Tochter Pearl am Pranger stehen muss. Ihr Verbrechen wiegt schwer in der noch jungen Puritanersiedlung. Zwar ist sie verheiratet, doch nach allgemeinem Wissen kam sie allein nach Amerika, ihr Mann, ein Gelehrter, blieb noch in Amsterdam. Wie kann sie also Mutter geworden sein? Trotz Ermahnung Dimmesdales, des Pfarrers, verrät sie den Namen des Vaters nicht und trägt zudem stolz den von ihr selbst angefertigten und reich verzierten Buchstaben “A”. Diese äußere Kennzeichnung soll Warnung für andere und gleichzeitig ewige Strafe für sie selbst sein.

Am Tag dieser Ereignisse kommt zudem ein Fremder in die Stadt, der bald zum angesehenen Arzt der Gemeinde wird und sich sogar mit dem ebenfalls hoch angesehenen Pfarrer mehrere Jahre eine größere Wohnung teilt. Dieser Fremde ist allerdings Hesters Ehemann, der sich nun Roger Chillingworth nennt und auf Rache an seinem Nebenbuhler sinnt.

Die Jahre gehen ins Land und Hester gewinnt allmählich an Achtung in der Gemeinde zurück. Zwar lebt sie mit ihrer Tochter weit ab von den anderen und häufig wird noch über sie getratscht und getuschelt und vor allem die Kinder beleidigen sie, doch ihr handarbeitliches Geschick und die akzeptierende und dennoch stolze Art wie sie ihre Last trägt beeindrucken die Leute. Gleichzeitig fühlt sie einen gewissen Zwiespalt ihrer Tochter gegenüber, die sie zwar über alles liebt, die sie aber auf der anderen Seite immer an ihr “Verbrechen” erinnert. Auch ist Pearl etwas anders als andere Kinder, gibt seltsame Antworten und scheint ungewöhnlich wissend. Ihren ganz eigenen Kopf hat sie aber auch, was sich zeigt, als sie der andere Pfarrer der Siedlung nach ihrer christlichen Erziehung ausfragt und sie – obwohl sie eigentlich die korrekten Antworten kennt – etwas vollkommen anderes von sich gibt. Oder als sie und ihre Mutter eines nachts mit Dimmesdale auf dem Pranger stehen und sie ihn auffordert auch tagsüber so ihre Hand zu halten und neben ihr und ihrer Mutter zu stehen.

Ihr ahnt vermutlich schon längst, wer ihr Vater ist.

Hester indes ist besorgt, da Dimmesdales Gesundheit – ein seltsames Herzleiden – immer schlechter wird. Sie bittet Chillingworth darum, Dimmesdale die Wahrheit über seine Identität zu sagen (zu Handlungsbeginn hatte sie versprechen müssen, seine Identität geheim zu halten), und passt ihren “Geliebten” im Wald ab, wo sie sich endlich aussprechen und beschließen gemeinsam zurück nach Europa zu ziehen.

Doch alles kommt anders. Dimmesdale predigt ein letztes Mal am Wahltag (kenne mich mit den amerikanischen Gepflogenheiten zu wenig aus, um das im zeitlichen Kontext korrekt einzuordnen), währenddessen Hester draußen vor der Kirche (auf Grund des Wahltags sind viele Leute von außerhalb gekommen und die Kirche ist zu voll) von Fremden begafft wird und außerdem mit bekommt, dass Chillingworth ebenfalls auf dem “Fluchtschiff” reisen will. Als die anschließende Prozession an ihr vorbei kommt, steigt Dimmesdale tatsächlich bei Tageslicht auf den Pranger und ruft Hester und Pearl zu sich. Er enthüllt ein Brandzeichen in Form eines “A”s auf seiner Brust und erliegt anschließend seinem Herzleiden in Hesters Armen.

Der Autor merkt noch an, dass Pearl wohl entgegen aller Erwartungen zu einer “normalen” jungen Damen herangewachsen wäre und gut in Europa geheiratet hätte, während Hester als alte Frau zurück nach Amerika gekehrt sei, wo sie mit ein wenig Abstand, aber mit einem gemeinsamen Grabstein neben Dimmesdale begraben worden wäre.

 Also irgendwie doch ein Happy End? So genau bin ich mir nicht sicher. Auch fehlte mir an mancher Stelle dann doch der Austausch mit einem Lehrer oder zumindest anderen Lesern des Buchs. Denn viele Feinheiten des Buchs – die Verwendung von Farbe, Tag/Nacht, Teufel und Dämonen, die genaue Bedeutung von Pearls Verhalten etc. – sind mir wohl entgangen. Dazu ein sehr blumiger Schreibstil, der mich das ein oder andere Mal fast nervte.

Mein Fazit lautet daher: es ist zwar ein interessant zu lesendes Buch, da man einiges über die Epoche zum Entstehungszeitpunkt lernt (Hawthorne wertet bestimmte (alte) Ansichten und Verhaltensweisen sehr stark), es ist aber kein Buch, dass ich wieder lesen würde.

Gelesen: Oktober 2018

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