Eckart Hirschhausen – “Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?”

Witze über Beziehungen, Männlein und Weiblein machen geht auch – man höre und staune – niveauvoll. Man muss das Ganze einfach mal “streng” wissenschaftlich und medizinisch betrachten. Nach Manfred Spitzer vor ziemlich genau einem Jahr habe ich in diesem Buch zwar verzweifelt (und vergeblich) nach einer Quellenangabe für die zitierten Studien gesucht – dafür hatte ich regelmäßig Probleme nicht laut loszulachen. In öffentlichen Verkehrmittlen. Frühmorgens.

In die insgesamt sieben Abschnitte hat Hirschhausen neueste Erkenntnisse, aber wohl auch sein Bühnenprogramm “Liebesbeweise” einfließen lassen. Da diese dann zusätzlich noch in kleinere Kapitel unterteilt wurden und keinerlei Handlungsstrang folgen, präsentieren ich euch hier einfach nur das, was mir am besten im Gedächtnis geblieben ist:

  • die wenigsten Liebeslieder handeln von glücklichen, harmonischen Phasen einer Beziehung
  • es kann bei einem Streit helfen, Humor mit hineinzubringen (wenn noch nicht alles eskaliert ist)
  • die stärksten Bakterien opfern sich für die Gruppe, die dadurch länger lebt und insgesamt stärker wird (ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass hier “Beziehung” jeglicher Art behandelt wird)
  • Männer können tatsächlich auf Grund der Optik die passende Mutter für ihre Kinder erkennen, nur vergessen sie gerne, dass ihr Kopf seit dem Säuglingsalter gewachsen ist und daher kein gutes Maß für bestimmte Proportionen abgibt; Frauen hingegen haben es hierbei deutlich schwerer und orientieren sich deshalb gerne an der bereits vorhandenen bessere Hälfte eines möglichen Kandidaten
  • für das Verstehen von Emotionen (oder einfach nur irgendwelchen Texten) ist es wichtig, dass sich unsere Gesichtsmuskeln bewegen können
  • bereits die Vorstellung an den Verzehr von Süßigkeiten (oder wahlweise Käse) kann dafür sorgen, dass wir uns gesättigt fühlen – oder zumindest weniger davon essen

Zugegebenermaßen klingt das meiste hiervon jetzt deutlich weniger lustig als im Buch, dessen Reiz darin besteht, dass scheinbar allgemein Situationen aufgezeigt werden, zu denen man definitiv die eine oder andere reale Szene des Alltags zuordnen kann. Und natürlich der subtile Wortwitz, der manchmal eine Überleitung schafft, manchmal aber auch einfach nur für sich selbst stehen darf. Und wem das immer noch nicht reicht, bekommt Auszüge aus den “Liebes-” und “Streitkarten” diverser Besucher des Bühnenprogramms zu lesen.

Was will man mehr?

begonnen: 17.4.    beendet: 24.4.19

PS: Einen kleinen Kritikpunkt habe ich doch beinahe übersehen. Denn Herr Hirschhausen ist kein Freund von eBooks – was den Verlag aber nicht daran hindert, seine Werke als solche zur Verfügung zu stellen. Doch ganz Unrecht hat er leider auch nicht:

Nennen Sie mich altmodisch, aber ich glaube auch nicht so richtig an das E-Book! Ich finde es weder für mich schön noch für Leute, bei denen ich zu Besuch bin. Das E-Book hat nicht diesen typischen Geruch, diese Mischung aus Papier und Farbe. und dann gitb es da noch etwas: Ich weiß, es ist indiskret, aber wenn ich das erste Mal bei jemandem zu Hause bin, schaue ich nicht bei der ersten Gelegenheit im Bad nach den Geheimnissen der Kosmetik oder am Tisch, von welchem Hersteller das Porzellan ist. ich inspiziere das Bücherregal. Dann weiß ich sehr viel verlässlicher, ob jemand alle Tassen im Schrank hat. Man darf sich natürlich nicht von den extra zur Begutachtung drapierten Coffee-Table-Books ablenken lassen, bein denen es wichtiger ist, dass sie vom Format her zum Tisch passen als zur Persönlichkeit. Geistige Größe verraten die Regalecken, in denen schon länger nicht mehr Staub gewischt wurde, die aber vergangene Epochen der Auseinandersetzung dokumentieren. Zu wissen, was jemand gelesen hat oder zumindest vorhatte zu lesen, gibt automatisch Anlass zur Konversation oder, im schlimmsten Fall, zur Flucht. Jemanden wie ein offenes Buch lesen zu können, erfordert offene Bücher!

[…] Es gehört heute zum guten Ton, kein Junkfood in sich hineinzustopfen und darauf zu achten, wie sorgsam die Nahrung zubereitet wurde. Seltsamerweise legen die wenigsten Menschen die gleiche Sorgfalt bei geistiger Nahrung zugrunde.

[…] Vielleicht bin ich eine aussterbende Spezies. Und garantiert wird schon an einer App gearbeitet, die das Haptische virtuell integriert: Elektronische Eselsohren gibt es schon, demnächst dann auch Vergilben mit Photoshop und virtuelle Kaffeeflecken? Und wenn Gäste kommen, kann man mit einer Besucher-App das komplette elektronische Bücherregal auf dem Fernsehmonitor anzeigen lassen oder in der Vollversion alle Buchrücken auf Tapete ausdrucken und an die Wand hängen. […]

Die letzten beiden Vorschläge hätten wirklich ihren Reiz… Stellt sich nur noch die Frage, ob der Besitzer dieser Bücher dem interessierten Besuch wohl dann auch das Buch wird ausleihen können. Denn so sehr ich e-Books in den letzten Jahren auch zu schätzen gelernt habe. Dieser Aspekt stört mich dann doch etwas.

 

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