Stephen Hawking – “Eine kurze Geschichte der Zeit”

Mit den zwischendurch kühleren Morgentemperaturen, war mein Kopf endlich wieder in der Lage sich in Gefilde zu wagen, die er seit Ende meines Bachelorstudiums nicht mehr gesehen hatte: Physik des 20. Jahrhunderts.

Zu eurer Beruhigung: Nein, ich werde hier nicht ca. 200 Seiten hervorragend erklärte Physik des Makro- und Mikrokosmos zusammen fassen, sondern mich lediglich damit begnügen kurz anzuschneiden, über was man in diesem Buch Genaueres erfahren kann.

Beginnend mit Galilei geht es mit kurzem Zwischenstopp bei Newton rasend schnell auf Einstein und der Erläuterung zu, welche Theorien im letzten Jahrhundert über das Universum erstellt wurden. Dehnt sich das Universum wirklich aus? Was hat es eigentlich mit schwarzen Löchern auf sich? Was sind Spins, Quarks und Strings? Hätte sich Leben entwickeln können, wenn auch nur ein (physikalisches) Gesetz im Universum anders wäre? In welche Richtung verläuft die Zeit? Und könnte die Menschheit irgendwann tatsächlich durch Wurmlöcher reisen oder aus der Zukunft kommen?

Ja, beim letzten Punkt wird ein zwinkerndes Auge auf Science Fiction geworfen, aber immerhin hat man mittlerweile genug Rüstzeug gesammelt, um zu verstehen, dass das zum Zeitpunkt des Verfassens des Buches noch nicht denkbar war. Vielleicht irgendwann, wenn wir wieder ein Stück weiter sind in unserem physikalischen Verständnis. …

Neben der Tatsache, dass doch recht komplexe Sachverhalte überraschend verständlich erklärt werden (hier auch mal ein Lob an den Übersetzer, der die Schachtelung hervorragend gelöst hat), sind mir noch ein paar andere Dinge aufgefallen. Zum einen scheint Hawking gut vernetzt innerhalb seines Fachbereichs gewesen zu sein und seine Freundschaften zu seinen Kollegen scheinen nicht darunter gelitten zu haben, dass sie sich ab und zu auch gegenseitig widerlegten. Zum anderen ist es erstaunlich, dass er sogar im Vatikan und in Russland (während des kalten Krieges wohlgemerkt) referieren durfte. Auch, dass er sehr offen über das Konzept “Gott” und einer “Schöpfung nach göttlichem Vorbild” spricht war unerwartet, fühlte sich allerdings nicht fehl am Platz an.

Trotz des immer mal wieder aufkommenden Humors, ist das Buch bestimmt keine leichte Kost im herkömmlichen Sinne. Und es könnte hilfreich sein, wenn man genug Zeit hat, um längere Passagen am Stück zu lesen, weil so der Kontext der ein oder anderen Erklärung erhalten bleibt. Dennoch ist es hervorragend und eigentlich angenehm zu lesen und definitiv eine Bereicherung meiner Allgemeinbildung. Leider bleibt noch ein Problem, das Hawking selbst im Ende des Buches anspricht:

Was würde es bedeuten, wenn wir tatsächlich die endgültige Theorie des Universums entdeckten? […] Aber auch der Laie würde eine ganz neue Vorstellung von den Gesetzen gewinnen, die das Universum regieren. Zu Newtons Zeit konnte der Gebildete noch den gesamten Horizont menschlichen Wissens überblicken, zumindest in groben Umrissen. Seither aber hat sich die Entwicklung der Wissenschaften so beschleunigt, daß dazu niemand mehr imstande ist. Da man die Theorien ständig verändert, um sie neune Beobachtungen anzupassen, können sie nie zu einer für den Laien verständlichen Form verarbeitet und vereinfacht werden. Man muß schon ein Spezialist sein, und selbst dann kann man nur hoffen, einen kleine Ausschnitt aus dem Spektrum wissenschaftlicher Theorien wirklich verstehen. Überdies ist das Tempo des Fortschritts so groß, daß der Wissensstoff, den man an der Schule oder Universität vermittelt bekommt, stets schon ein bißchen veraltet ist. Nur wenige Menschen vermögen mit dem raschen Wandel unserer Erkenntnisse Schritt zu halten, und das nur, wenn sie dafür ihre ganze Zeit opfern und sich auf ein kleines Fachgebiet spezialisieren. Alle anderen haben kaum eine Vorstellung von den Fortschritten, die erzielt werden. [1]

Zum Glück gibt es immerhin dieses Buch, um dem etwas Abhilfe zu schaffen.

Begonnen: 11.6. Beendet: 18.7.19

[1] Kapitel 11, S. 230 meiner Ausgabe

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