Kerstin Gier – “ein unmoralisches Sonderangebot”

Es ist wirklich nur der Sommerhitze zuzuschreiben – wirklich! Denn sobald mir endlich klar wurde, dass ich “eine kurze Geschichte der Zeit” bei über 30 Grad Außen- und mindestens genauso viel Innentemperatur im Zug nicht weiterlesen würde, suchte ich mir was aus, was gut verständliche Unterhaltung für meinen Wetter geplagten Kopf verspach. Okay, ich bin ehrlich: Manchmal braucht mein Kopf einfach Seifenoper statt hervorragend beschriebener Physik – oder auch mal einen Abstecher ins Grüne.

Thematisch passend dreht sich in diesem humorvollen Büchlein von Kerstin Gier alles um die Familie Gaertner, den verwitweten Patriarchen Fritz und seine drei erwachsenen und verheirateten Kinder sowie Ehegatten. Erzählerin ist die eingeheiratete Olivia, die sich mit einer Gärtnerei auf dem Land (eine halbe Stunde von der Stadt entfernt) einen Lebenstraum erfüllt hat. Nur leider ist das zugehörige Wohnhaus eine Ruine, ihre Verkäuferin eine echte Zicke – Pardon. Ein Frettchen – ihr Mann, der zumindest eine halbe Gärtnerlehre vor dem Marketingstudium hinter sich hat, arbeitet nicht wirklich mit und bis zum Hals in Schulden stecken sie deswegen auch noch. Da kommt das Angebot des Schwiegervaters, dass jedes Paar 1 Millionen bekommt, wenn sie ein halbes Jahr jeweils mitvertauschten Frauen wohnen, gerade recht – wenn sie nicht so Angst hätte ihr Mann könne etwas mit ihrer Schwägerin anfangen. Sie selbst ist gut mit ihrem Schwager befreundet und hilft ihm während der Zeit bei der Ausarbeitung einer Garten-Show (quasi “Pimp my garden”), nachdem sie die Dachterrasse der chicen Stadtwohnung endlich “wohnlich” gestaltet hat. Ihre Schwägerin indessen renoviert nach und nach die “Ruine”, versucht schwanger zu werden und nutzt den kleinen Gewächshausbereich, den sie von Olivia zugeteilt bekommen hat zum Cannabisanbau. Eigentlich entwickelt sich alles prächtig, nur die verdammte Eifersucht zwickt etwas.

Just am Tag der erfolgreichen Vorstellung des neuen Sendungskonzeptes und des lukrativen Cannabisverkaufs an die besten Freunde des Patriarchen, die gleichzeitig als Regelwächter fungieren, findet Olivia heraus, dass ihr Mann sie tatsächlich betrügt. Nicht mit ihrer Schwägerin, mit der sie sich inzwischen wirklich gut versteht, sondern mit der Verkäuferin! Im sehr angetrunkenen Zustand verführt sie daraufhin ihren Schwager. Erste Zeugin des Resultats wird übrigens Evelin (geben wir ihr doch endlich mal einen Namen, da sie wirklich Schwung in die Handlung bringt), die Olivia gesteht, dass sie sich sehr für die beiden freue, da sie inzwischen eh mehr eine Freundschaft Plus hätten als eine Ehe und ihr Karriere sowieso wichtiger ist als Familiengründung.

Prompt schnappt sie übrigens Olivias Mann dann dessen “Traumjob” in Übersee weg, was ihm auch ganz recht geschieht, ging er doch felsenfest davon aus, dass Olivia für ihn alles stehen und liegen ließe, nur weil ihm das Leben mit ihr inzwischen “peinlich” sei (also eher sie ihm, bzw. er sich neben seinen erfolgreichen Freunden minderwertig fühlt). Dennoch wendet sich alles zum Guten – zumindest für Olivia und ihre Lieben und ihre beste Freundin, deren Geschichte wohl in einem anderen Buch von Kerstin Gier erzählt wird, bekommt oben drauf einen neuen Garten. Die Gärtnerei floriert und Olivias lebt glücklich mit ihrem nun nicht mehr Schwager in der ehemaligen Ruine.

Kurzweilig, unterhaltsam und mit viel Humor. Was will ich mehr? Zwar merkt man an den Jennifer Aniston und Brad Pitt Vergleichen, dass das Buch wohl schon etwas älter ist, aber der “Aktualität” tut dies keinen Abriss – und ein paar Gartentipps gibt es obendrauf.

Gelesen: Juni/Juli 2019

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