Jojo Moyes – “Ein ganzes halbes Jahr”

Kann man sich innerhalb eines halben Jahres komplett verändern? Wie sehr prägen uns die Menschen, die uns täglich umgeben? Wenn man Jojo Moyes glauben kann, mehr als wir am Anfang selbst ahnen würden.

Eigentlich nimmt Louisa Clark die Stelle als William Traynors Pflegerin und Gesellschafterin nur ungern an. Aber den Job im Cafe hat sie verloren und als einzigen anderen Vorschlag steht ihr nur noch ein Job in der “Unterhaltungsbranche” offen – zumindest laut Arbeitsamt. Und arbeiten muss sie – allein schon um ihre Familie, ihre Eltern, ihre Schwester mit dem kleinen Sohn und ihren Großvater zu unterstützen, vor allem als Treena wieder an die Uni zurückgeht und ihr Vater seinen Job in der Möbelfabrik verliert.

Und so bleibt sie, hält Wills Launen aus und lernt ihn immer mehr verstehen. Und Will seinerseits -.seit einem Motorradunfall (er wurde angefahren) im Rollstuhl und kaum in der Lage seine Arme zu bewegen – macht es sich zur Aufgabe sie neugierig auf die Welt außerhalb des beschaulichen Städtchens zu machen. Er bringt sie dazu Filme mit Untertiteln zu schauen, zu lesen, Klassik zu hören. Sie sei an manchen Tagen der einzige Grund, weswegen er aufstehe, gesteht er ihr auf der Hochzeit seiner Ex-Freundin mit seinem ehemals besten Freund. Doch da weiß Lou schon längst, dass er bald gar nicht mehr aufstehen will. Nach Ablauf des halben Jahres, für das sie ihren Vertrag hat, hat Will einen Termin bei Dignitas in der Schweiz. Mit Hilfe einer großen Online-Community denkt sie sich daher immer wieder Erlebnisse aus, um ihn doch umzustimmen. Aber selbst als sie sich in ihn verliebt und ihm auch offen sagt, dass sie mit ihm zusammen sein will, ändert das seine Meinung nicht, da es das einzige sei, dass er seit langem selbst bestimmen könne.

Trotz des darauf folgenden Streits ist sie in seinen letzten Stunden bei ihm. Ein paar Wochen später erfährt sie dann auch in einem Brief, dass er alles in die Wege geleitet hat, damit sie eine Ausbildung nachholen und anfangen kann, ihr Leben selbstbestimmt in vollen Zügen zu genießen.

Klar ich könnte hier noch von ihrem verrückten Modegeschmack schreiben, den sie hat, seitdem sie ihre “Unerschrockenheit” verlor (ein Erlebnis, mit dem sie erst durch Wills Hilfe lernt richtig umzugehen), von ihrem Sportbessenene (Ex)Freund Patrick, von Hummelstrumpfhosen und vielem mehr. Doch eigentlich möchte ich hier nur schreiben, dass ich mich nicht erinnern kann, wann ich das letzte Mal die letzten hundert Seiten eines Buches geweint habe und danach richtig down war. Bis auf wenige Kapitel, die auch mal Treena, Wills Mutter und Wills Pfleger zu Wort kommen lassen, erzählt Louisa ruhig und unaufgeregt was sie erlebt und wie sie sich fühlt. Sich nicht mit ihr zu identifizieren fällt dabei wirklich schwer.

Ich habe eine ganze Weile über das Ende nachdenken müssen, wartete ich doch während des Lesens die ganze Zeit auf das Happy End, das nicht kam. Dennoch ist es gut so wie es ist, denn es ist konsequent und bleibt den Charakteren, vor allem William, treu. Trotzdem war mein Fazit eine Stunde nach dem Auslesen und ein großes Stück Schokolade später, dass ich nächster Zeit wohl eher Fantasy lesen werde. Schöne ehrliche Fantasy, die tragische Liebesgeschichten nicht so sehr auf die emotionale Schiene zieht.

Begonnen: 14.11.    Beendet: 22.11.16

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Dora Heldt – “Wir müssen reden”

Ich liebe Kolumnen! Ob sich diese Aussage tatsächlich verallgemeinern lässt, ist zwar so eine Frage, aber bei einer Zeitschrift, die meine gesamte Familie liest, beginne ich immer dort und schaue mir erst danach den Rest an. Umso mehr hat es mich dann gefreut, festzustellen, dass sich hinter “Wir müssen reden” eine heitere Sammlung von Kolumnenbeiträgen von Dora Heldt versckt.

Lächel ich in den ersten Kapiteln noch erheitert mit, so wird mir bald bewusst, was eine Kolumne so interessant macht – man findet sich sehr oft selbst darin wieder. Zwar muss ich mir noch keine Gedanken um graue Haare machen und ob sich Männer ebendiese auch färben dürfen, oder nicht, aber bei der Aufzählung der sieben schwarzen Strickjacken im Schrank fühle ich mich dann doch ertappt. Ebenso bei der Kritik an Leuten, die während des Einkaufs mit zu Hause telefonieren. Mach ich nicht. Ehrlich. Aus Sicht von Frau Heldt habe ich nämlich schon die nächst schlimmere Stufe erreicht: ich fotografiere! Das zwar auch nicht immer und es ist wirklich schwer Wolle für meinen Freund zu kaufen, die ihm gefallen soll, wenn 600km zwischen uns liegen, aber trotzdem… so einen schalen Beigeschmack hat das jetzt doch bekommen. Beim Rest kann ich dann nur wieder zustimmen: Stress mit Müttern, deren Vorstellung von einer sauberen Wohnung deutlich über den eigenen stehen, Silvesterrituale, Essensrunden mit Freunden, Pärchen, von denen man nur die eine Hälfte wirklich mag, die verzweifelte Suche nach gutsitzender, schicker Kleidung, dem Vorteil beim Schuhkauf ohne schlechtes gewissen nach einer anderen Größe zu fragen…

Witzig, leicht, humorvoll mit einer charmanten Sicht auf das weibliche Leben. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

begonnen: 19.10.16    beendet: 26.10.16

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Jane Austen – “Mansfield Park”

Looking at my queue of books I want to write a review about I just realised how I’ve neglected my blogging activity – and my English skills (sorry for that one). Nevertheless finishing the last book on sunday creates the oppurtunity to continue my writing here.

In May I decided to read all of Jane Austen’s novels. No big deal acutually, for already having read “Pride and Prejudice”, “Sense and Sensibility” and “Emma”, which is considered to be the longest novel of them. So here we are again for the pleasures of Austen’s writing and the knowledge that the protagonist ends up with the man meant to make her happy.

Well, Mansfield Park. The name says it all. The whole story takes places in Sir Thomas Bertram’s estate in Norfolk starting when his sister-in-law, the pastor’s wife Mrs. Norris, persuades him and his wife to take the oldest daughter of his other siste-in-law to them. Fanny Price is nine years old when she moves from her family in Portsmouth to her relatives to whom she won’t be ever considered equal. The only exception is her cousin Edmund who considers her well being over all the following years (letting her write letters to her brother William, gifting her a horse for exercise and so on), while his older brother Tom and the sisters Maria und Julia don’t care much about her.

Everything changes about nine years later with the dead of Mr. Norris and the arrival of new acquaintances: Mr. Rushworth in Sotherton, soon enganged to Maria, Henry Crawford, highly interested in both Betram sisters, and his own sister Mary Crawford, falling for Edmund and considering him the eldest son, for Tom and his father are away in Antigua. The summer is spent pleasantly by the young people though not without Fanny seeing the flaws in those additions to the party.

As soon as Sir Thomas is back in early autumn (Tom returned even earlier and brought his friend Yates home) Maria is married to Mr. Rushworth – for his fortune only and still interested in Crawford. But while she is away in Brighton with her new husband and her sister Henry Crawford finds himself soon in love with Fanny. But not having forgotten his former behaviour and actually loving Edmund (close to engage himself with Mary) she declines his proposal and withstands all tries of persuasion of her relatives. Angry about this Sir Thomas sends her back to her family for some months to clear her mind of the now common luxuries. During her stay her opinion of Crawford improves, when he visits her, but not yet enough to love him. The next news she receives are shocking! Tom sick and clos to death, Maria gone away with Crawford and Julia marrying Yates in Scotland!

Long story shortend: Edmund sober from his love to Mary comes to take her back to Mansfield Park where all are glad to have her again around them. And after a while she is finally married to him and lives in the parsonage with him. And all this fuss just because Crawford couldn’t wait for Fanny to fall in love with him!

It was a absolutely pleasant read and does Austen justice to be still considered one of England’s best writers. I can’t say how much I like her way of writing and telling a story even though the sudden indroduction of so many names is sometimes a bit confusing for myself. The whole family is in some parts funny or even insane, but the characters one ought to like are always likeable.

But now I wonder if “Mrs. Norris”, Mr. Filch’s cat in “Harry Potter” was inspired by that certain aunt Norris not granting her niece felicity. I might think about it and then tell you to what conclusion I came. Till then: 4 finished, 2 still to go. (Or should I also read “Lady Susan”? – what is your opinion about Austen?)

started: Nov’16    finished: 13.11.16

PS: I hope my English wasn’t that bad after all.

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FBM 2016 – “Fiel Begeisterung – Morgen”

Fast scheint es als würde mein Vater mein kleines Acronymspiel rund um die Fraknfurter Buchmesse aufgreifen. Schließlich heißt es bei mir jetzt schon seit vier Jahren Oktober = FBM. Und auch dieses Jahr brachte eine ganze Menge neuer Eindrücke und Erfahrungen – u.a. weil ich diesmal endlich beide Tage dort war.

Samstag

Anreise mit dem Zug, da sich die üblichen Verdächtigen nicht gemeldet haben, Schule hatten (mein Freund) oder das Auto bereits voll war (meine beste Freundin und ihre kleine Gruppe Con-Verrückter). Spätestens ab dem Frankfurter Hauptbahnhof hatte ich noch nicht einmal mehr die Chance mich zu verlaufen: Cosplayer und die allgemeine Frage “Fährt die Bahn hier zu Messe” waren gute Wegweiser.

10.15 Uhr erst auf dem Gelände, stand ich kaum eine Viertelstunde später bereits bei Fischer in Halle 3.1 an. Ursprünglich hatte ich nur kurz schauen wollen, wo der Stand war, doch die ersten 20 Leute, die bereits für Cecilia Ahern anstanden, haben mich dann davon überzeugt, dass man ruhig 1 1/2 Stunden warten kann für ein Autogramm – oder zwei. Fast elfengleich saß sie beim Signieren (etwas früher anfangend) und war sogar so freundlich mir auch ihren neuesten Roman, den ich gerade erstanden hatte, zu signieren, obwohl ich ihr das Buch, das ich mitgebracht hatte, schon gereicht hatte. Da waren die nervigen Besucher, die immer bei mir durch die Schlange wollten schlagartig vergessen.

Schwebend vor Glück habe ich dann meine beste Freundin gesucht und mit ihr die japanischen Verlage angesehen, ihr den letzten “Skip Beat” 35 – Band weggeschnappt und sie geneckt, weil sie doch eigentlich in Zivil hatte kommen wollen, was nicht ganz geklappt hatte.

Anschließend war ich noch alleine etwas unterwegs – hauptsächlich wieder in Halle 3. So war ich unverhofft Teil eines Gesprächs zwischen einem in Deutschland aufgewachsenem Schotten und einem Krimiautoren, der seine Geschichten in der schottischen Whiskey-Szene ansiedelt. Schnell waren wir bei den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Schottland und Irland, dem Unsichtbaren Volk und tatsächlich auch dem Thema Brexit.

Spät (also nach 18Uhr) ging es dann mit dem Zug zurück – mir gegenüber eine Gruppe Cosplayer, hinter mir ein Buchhändler aus Saarbrücken.

Sonntag

Ich sollte anfangen, der Zeitplanung meines Freundes mehr zu glauben. Mit dem Aufbruch um 8.30 Uhr (was mir am Vortag sehr früh vorgekommen war) waren wir gerade rechtzeitig, um es irgendwie noch in die Schlange für Kerstin Gier zu schaffen – also den Teil, der tatsächlich noch Hoffnung auf ein Autogramm hatte. Ab 9.40 Uhr standen wir an (auch sie hatte längst zu signieren begonnen), wurden mit Schokolade verköstigt (als bei der dritten Runde mein Freund nicht mehr neben mir stand, wurde dies sofort entdeckt – ein Mann fiel halt doch unter den sonstigen Wartenden auf) und diskutierten das weitere Vorgehen. Kurz vor zwölf – fast auf den letzten Drücker – stand ich dann ganz vorne. Kerstin Gier war bester Laune, auch wenn inzwischen von der trockenen Hallenluft hustend, war begeistert vom Vornamen meiner Mutter (ich hatte uns beide auf den Zettel geschrieben) und als ich sagte, ich habe ihr alle Bücher vorgelesen, gehörte mir die Sympathie aller Anwesenden für ein paar Sekunden.

Erleichtert ging es mit meinem Freund weiter zur stark geschrumpften Papeterie-Ecke und dem Ehrengast-Pavillon. Niederlande und Flandern hatten sich echt nicht lumpen lassen und den Hallenboden mit Backsteinen gepflastert, abgetrennte Inseln aus rechteckigen Kunststoffröhren geschaffen und sowohl ihre künstlerische als auch literarische Seite präsentiert – letztere Hinter einer hauchdünnen Projektionswand auf der stetig Wellen auf einen zu rollten. In einer anderen Ecke standen die Autoren Bregje Hofstede, Stefan Brijs und Jaap Robben Rede in einem Interview Rede und Antwort. Die teils holländischen Antworten waren gut zu verstehen, aber auch die Moderatorin fasste immer etwas zusammen.

Damit war schon Mitte Nachmittag, mit einem Flammlachsbrötchen gestärkt ging es zurück in Halle 3.0, wieder meine beste Freundin suchen und auch das ein oder andere Buch (z.B. zu Strickanleitungen für Babysachen – mein Freundeskreis ist da gerade ziemlich fleißig) bei G+U käuflich zu erwerben. Leseexemplare habe ich dieses Jahr nämlich leider keine gesehen. Noch ein bisschen in der Kalendergalerie stöbern, wo viele schon auf den Ausstellungsstückverkauf ab 16.Uhr warteten und böse schauten, wenn man sich ihrem auserkorenen Stück zu sehr näherte, und dann als Abschluss zum “Pralinen und Schokoladenworkshop” des Museums Choco-Story aus Brügge. Charmant und im fließenden Englisch philosophierte dort ein Chocolatier über die Unterschiede zwischen guter Schokolade und dem von der Industrie hergestelltem Zeug, verriet und zeigte Grundrezepte – einfach nur zum dahin schmelzen! Nach dem Probieren waren mein Freund und ich uns einig – wir müssen mehr mit Schokolade machen, uns genauer über Temperaturen informieren und überhaupt das ganze Thema einmal intensiver betrachten.

Und damit war der Tag auch schon rum. Die ersten Stände waren bereits leer, die übliche Bewegungsrichtung ging klar zum Ausgang und der Bus zum Parkhaus zurück war gerammelt voll – mit Vorfreude auf das nächste Jahr.

Fazit

Unterm Strich habe ich nicht das Gefühl, mehr gemacht oder mehr gesehen zu haben als in den Jahren davor, was vielleicht auch an der Ansteherei für Autogramme liegen kann. Aber dennoch war es ein tolles Erlebnis. Zum einen war ich deutlich entspannter, zum anderen hatte ich auch endlich Zeit genauer hinzusehen, stehen zu bleiben und mir auch mal die restlichen Besucher genauer anzusehen. Der einzige Nachteil war, dass ich an beiden Tagen aufgestanden bin wie unter der Woche zu den Vorlesungen – von Erholung kann da nicht wirklich die Rede sein. Aber immerhin habe ich jetzt wieder eine schöne Leseliste für das kommende Jahr:

  • Guy Gavriel Kay: Im Schatten des Himmels

  • Oscar Ratti und Adele Westbrook: “Secrets of the Samurai” (ihr Werk “Aikido and the Dynamic Sphere” wurde mir von einem meiner Senpais empfohlen); die Zeichnungen sind unglaublich!
  • John Szinger: Origami animal sculpture
  • Klaus Schwab: die Vierte industrielle Revolution
  • Anja Förster, Peter Kreuz: NEIN

  • Rico Erhardt Gehrke: Die 13te Sonne
  • Laird Oliver: Sünde: Schandmal – Schandmaske
  • Ariadne von Schirach: Du sollst nicht funktionieren

  • Jeffrey Cranor, Joseph Fink: Willkommen in Night Vale

Was es davon nun wirklich wird, werdet ihr dann sehen. Bis dahin: kuschelt euch mit einem guten Buch ein und vergesst darüber das herbstliche Wetter.

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Anthony Horowitz – “Scorpia” Alex Rider 5

Mein Name ist Rider, Alex Rider.

So stellt sich der vierzehnjährige Neffe des MI6-Agenten Ian Rider zum Glück nicht vor. Um ehrlich zu sein, hat er zu Beginn des fünften Bandes die Nase gestrichen voll von den ehemaligen Arbeitgebern seines Onkels – ehemalig, weil Ian tot ist, getötet bei einem Auftrag. Das hielt den MI6 jedoch nicht davon ab, Alex Rider zu rekrutieren (s. Stormbreaker). Inzwischen hat er für sie mindestens vier Mal die Welt vor Superschurken gerettet und will eigentlich nur ein sein altes Leben zurück – wenn da nicht der Hinweis eines sterbenden Profikillers (Ians Mörder) wäre, der ihm gesagt hat, um etwas über seinen Vater heraus zu finden müsse er nach Venedig und Scorpia suchen.

Gesagt, getan. Auf einem Schulausflug Ende der Sommerferien gelangt Alex tatsächlich mit seinem besten Freund Tom nach Venedig und entdeckt einen silbernen Scorpion auf dem Bug eines Motorbootes, dass ihn zum Witwenpalast und in den Dunstkreis von Julia Rothman führt, einer attraktiven Frau und für die aktuelle Operation “Unsichtbares Schwert” Kopf von Scorpia. Scorpia steht übrigens für Sabotage, Korruption, Informationsbeschaffung und Attentate. So ist es nicht verwunderlich, dass Alex ihren Topmann Nile in einer Biochemiefirma in der Nähe von Neapel wiedertrifft – bei dem Auftrag Dr. Liebermann zu ermorden. Er selbst überlebt – der letzte Tötungsversuch tue ihnen ja so leid, man hätte ihn erst jetzt als seines Vaters Sohn erkannt – und wird herzlich im Kreise der Organisation aufgenommen. Sehr bald folgt auch seine Ausbildung, nachdem er auf einem Videoband sieht, wie seine Chefin, Mrs. Jones, bei einem Gefangenenaustausch die Erschießung seines Vaters anordnet.

Beseelt von dem Wunsch nach Rache, reist Alex von Italien nach London, um mit ihrer Ermordung seine Karriere bei Scorpia zu starten. Das Attentat misslingt und er wird gefangen genommen. Gleichzeitig wurde mit der Operation “Unsichtbares Schwert” begonnen – der Drohung, dass Tausende Londoner Schulkinder sterben, wenn die USA bestimmten Forderungen nicht nachkämen. Mit seinen Beobachtungen und dem Wissen einen Nano-Expertin gelingt es, dass Wie zu klären (nämlich mit Gift gefüllte Nanokapseln, die mittels Impfstoff verteilt wurden), doch offen bleibt das Wo. Also bleibt Alex nichts anderes übrig, als zurückzugehen. Es kommt wie es kommen musste – ein Showdown in einer alten Kirche aus der ein Ballon mit den Sendeschüsseln emporsteigt. Im Laufe des Kampfes dort erleidet Nile schwere Verbrennungen und die fliehende Ms. Rothmann wird von der herabfallenden Konstruktion getroffen.

Ende gut, alles gut? Nicht ganz. Einige Tage später erfährt Alex endlich die Wahrheit über seinen Vater. Genau wie sein Bruder arbeitete er für den MI6, seine Festnahme war fingiert, damit er bei Scorpia aussteigen konnte – schließlich würde er bald Vater – doch Rothmann, die sich in ihn verliebt hatte, durchschaute die Finte und ließ das Flugzeug mit Alex Vater und seiner Mutter abstürzen – so wie Ian es immer erzählt hatte. Noch leicht benommen verlässt Alex das Hauptquartier und wird auf offener Straße angeschossen – ein kleiner Racheakt. Seltsamerweise befinden sich in der Menge, die ihn bald umgibt ein Paar, das aussieht wie ältere Versionen der beiden Menschen, die er nur von Bildern kennt. Sie kniet neben ihm und hält seine Hand.

Mein Serienjunkie hat mir die ersten beiden Bücher zum 14. Geburtstag geschenkt und Teil 3 & 4 anschließend ausgeliehen. Seitdem hatte ich nicht mehr weitergelesen, aber ich muss sagen, dass Teil 5 noch immer das hält, was seine Vorgänger damals versprochen haben. Natürlich bin ich etwas aus der Zielgruppe hinausgewachsen, aber es ist dennoch anschaulich und spannend, wie Alex durch Venedig hetzt, kämpfen lernt und sich seine ganz eigenen Gedanken zu den Geschehnissen um ihn herum macht. Die Perspektive schwankt zwischen naiv und abgebrüht, kindlich und erwachsen – wie man es eben von einem Teenager, der viel zu früh zu viel Verantwortung aufgebürdet bekommen hat, erwartet. Und obwohl das Buch bereits vor 12 Jahren erschien, kommt es einem immer noch aktuell vor. Insgesamt herrlich, um es in (fast) einem Rutsch zu lesen und mitzufiebern.

Gelesen: Anfang Oktober 2016

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Ransom Riggs – “Die Insel der besonderen Kinder”

Jeder hat diesen einen Großelternteil, der einem Geschichten aus der Zeit des zweiten Weltkrieges erzählt. So auch Jacob, Jake, in Ransom Riggs ersten Teil der Hollow-Trilogie (keine Ahnung, wie sie wirklich heißt oder ob es wirklich in drei Teilen abgeschlossen ist). Wem der Titel jetzt bekannt vorkommt – ja ich habe das Buch wegen des diese Woche bei uns erschienenen neuen Tim Burtons Film gelesen. Aber immer der Reihe nach.

Jakobs Großvater stammt aus einer polnischen, jüdischen Familie, die ihn zu Beginn des Krieges in Sicherheit zu einem englischen Waisenhaus geschickt hat. Doch dieses verließ er in späten Teenagerjahren um gegen die “Monster” zu kämpfen. Wie diese Monster aussahen, wusste er Jakob genau zu beschreiben, und von den “besonderen Kindern” unter der Obhut von Miss Peregrin hatte er noch einige Bilder. Dennoch tat sein Enkel dies bald als Märchen ab, die Bilder als Fälschungen und die Beschreibung der Monster als pure Fantasie – worin ihn sein Vater auch bestärkte.

Doch dann sieht er so ein Monster. Urplötzlich, eines Sommerabends. In direkter Nähe seines kurz zuvor bestialisch ermordeten Großvaters. Seine letzten Worte treiben ihn um, bis zu seinem nächsten Geburtstag, an dem er von seiner Tante ein Buch aus dem Nachlass erhält.

»Finde den Vogel. In der Schleife. Auf der anderen Seite vom Grab des alten Mannes. 3. September 1940.« Ich nickte, aber er sah mir offenbar an, dass ich nichts verstand. Mit letzter Kraft fügte er hinzu: »Emerson – der Brief. Erzähl ihnen, was passiert ist, Yakob.«

Ebendiesen Brief findet er darin und damit auch eine Adresse auf einer kleinen Insel vor der englischen Küste. Bestärkt von seinem Psychiater reisen Jakob und sein Vater, ein Hobby-Ornitologe, in das verschlafene Nest, das noch nicht einmal eine eigene Stromversorgung vom Festland besitzt. Aber wie groß ist seine Enttäuschung als er das Waisenhaus verrottet vorfindet, von der Zeit und einem Bombeneinschlag zerstört.

Seine Meinung ändert sich jedoch am nächsten Tag, als er einem Mädchen, das er zuvor noch nicht gesehen hatte, ins Moor in ein altes Steingrab folgt. Dieses dient als Zugang zur Zeitschleife des 3.9.1940, die Miss Peregrin bereits seit Jahrzehnten aufrecht erhält. Die nächsten Tage werden für Jacob bittersüß. Die “besonderen Kinder”, allen voran Emma mit ihrer Fähigkeit Feuer auf ihrer Handfläche entstehen zu lassen, nehmen ihn herzlich auf, sind aber auch traurig, weil sie wissen, dass sein Großvater tot ist. Außerdem muss er erfahren, dass sein Großvater ihn keineswegs in den anderen Dingen belogen hat. Die Monster sind real. Das, was Jacob gesehen hat ist ein Hollow – dass er ihn überhaupt sehen konnte, ist übrigens seine besondere Fähigkeit – es gibt aber auch noch Wights, die dadurch entstehen, dass Hollows genug Menschen mit besonderen Fähigkeiten gefressen haben. Entstanden sind sie im 19. Jahrhundert bei dem Versuch mehrerer Ymbrynes (Hüterinnen der Zeitschleifen) und mehrerer Wissenschaftler unsterblich zu werden, indem sie die gesamte Erde in einer Zeitschleife gefangen nehmen. Ihr ahnt es – es ging gründlich daneben.

Bedauerlicherweise sind diese Monster nur leider beratungsresistent. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung erinnern sie sich nämlich noch sehr genau an ihr Experiment und fangen nun alle übrigen Ymbrynes, um es zu wiederholen. Hierbei erfährt Jacob auch, dass er seit Jahren unter Beobachtung eines Wights stand, den er in seiner letzten Rolle als Psychiater allerdings erst richtig kennen gelernt hat (davor war er als Gärtner und Busfahrer getarnt).

Die Handlung des ersten Teils endet daher damit, dass sich die Kinder aufmachen, ihre “Headmisstress” zu suchen.

Am Anfang dauert es etwas, bis die Geschichte wirklich beginnt bzw. man merkt erst sehr viel später, dass man bereits am Anfang mitten in ihr drin steckte. Jacob kommt authentisch als vereinsamter Teenager rüber und gibt als Ich-Erzähler wirklich alles. Jede Freude, jeden Zweifel, jede Angst teilt er mit und fesselt so den Leser.

Fast war ich ein bisschen enttäuscht, als mir klar wurde, dass die verbliebenen Seiten nicht zum Beenden der Geschichte reichen. Aber andererseits bin ich froh darüber, da ich so ein wenig mehr über diese Parallelwelt erfahren kann, die Riggs geschaffen hat, und in der seltene Gene für übernatürlich erscheinende Ausprägungen bei Menschen sorgen. Mein Vater hat es mit “eine Mischung aus Alice im Wunderland und X-Men” wohl ziemlich auf den Punkt gebracht – außer, dass durch die Orientierung an historischen Begebenheiten das Ganze deutlich greifbarer wirkt.

Kurzum ein Buch auf dessen Fortsetzung ich mich wirklich freue.

PS: Die etwas düstere Seite des Autors findet ihr hier.

 (11.9.16 – 18.9.16)

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Meg Cabot – “Schattenliebe”

Und der Kitsch wird unerträglich. Eigentlich sollte ich meine Lehre doch bereits aus der “Shadowfalls”-Reihe gezogen haben, aber manchmal muss ich anscheinend dann doch daran erinnert werden.

Die Geschichte um Pierce und ihren Herrscher der Unterwelt geht weiter mit einem Arbeitsstau, der sich während der Rettungsaktion für ihren Cousin angesammelt hat. Doch bald droht der Unterwelt nicht nur laut Dr. Graves, Johns ehemaligem Schiffsarzt, eine Pestilenz, sondern auch die Neuausschreibung des Chefposten. Denn bei dem Versuch die Fähren nicht an die Küste donnern zu lassen, raubt Thanatos John seine Seele.

Das kann Pierce so natürlich nicht auf sich sitzen lassen und geht mit Kayla, Frank und Alex nach Isla Huesos, um Lebensmittel zu holen und bestenfalls auch neue Schiffe, um die Seelen der Verstorbenen ihrem eigentlichen Schicksal zuzuführen. Blöd nur, dass a) der Hurrikan im vollen Gange ist und b) sie noch immer jagen. Einziger Lichtstreif ist, dass mitten in dem Sturm wohl auch John ist, der sie beschützt und gar nicht erfreut ist, dass seine Freundin den versnobten Seth Rector küssen muss, um ihn frei zu kriegen. Es war anscheinend, laut Alex, der als neuer Wirt fungiert, Sitte, dass der jüngste männliche Rector-Spross Thanatos beherbergte. Wie nett.

Aber statt im schlimmsten Sturm weiter Furien zu jagen und mit dem Persephone Diamanten zur Strecke zu bringen, wie es ihnen u.a. bei Thanatos gelungen war, verschwinden die beiden Turteltauben erstmal in Pierce altes Zimmer und vergnügen sich dort – gedeckt von den Geräuschen des Unwetters. Am Morgen stehen sie dann natürlich ihren Eltern gegenüber, die nun endlich die Wahrheit erfahren, und der Polizei vor der sie Reißaus Richtung Friedhof nehmen, oder genauer gesagt Pierce und Alex, weil John mit seinem Wunsch-Schwiegervater Schiffe transportiert. Natürlich kommt es zum großen Showdown auf dem Friedhof, während dem Pierce in letzter Sekunde Hilfe aus der Unterwelt erhält und endlich den Diamanten an die Peitsche von Johns gewalttätigem Vater bindet und so die ultimative Waffe erhält, mit der sie zwar die Furien, aber nicht die Menschen, von denen sie Besitz ergriffen haben, tötet. Friede, Freude, Eierkuchen. Nur die Großmutter ist auch ohne Furie ziemlich schrecklich.

Wo da Kitsch ist? Ähm, vielleicht an der Stelle, wo Pierce ihrem John unterbreitet, dass sie außerhalb der Unterwelt sehr wohl eine Familie gründen können? Dass sie sich immer beherrscht und ihre Kräfte nicht ausbrechen lässt und dafür immer ihr Freund zur Hilfe kommen muss? Auch wenn sie auch im dritten Teil sehr oft zitiert wird – mit der selbstbewussten Herrscherin der Unterwelt hat das recht wenig zu tun. Mädel, du bist 17. In deinem Alter hat Harry bereits Voldemort besiegt und Katniss ein ganzes Reich in eine Revolution geführt.

Oder ich bin einfach zu alt für diesen … Wie dem auch sei. Was sich im zweiten Band noch angenehm las, war hier wirklich störend. Es gibt wieder eine Menge Rückbezüge auf die vergangene Handlung, alles schön gespickt mit so Worten wie “damals”. Damals – Erinnerung des Lesers: gestern aus Sicht der Handlung –  als John mich… Ich kann nur hoffen, dass das ein Übersetzungsfehler war. Denn eigentlich lassen sich die Abstände sehr genau bestimmen und könnten daher auch so genannt werden. Oder bin ich da einfach nur zu kritisch?

Fazit: Nette, leichte Urlaubslektüre, die aber einiges an Geduld seitens des Lesers erwartet. Wenn ihr es dennoch lesen wollt- ihr seid gewarnt worden!

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Meg Cabot – “Underworld”

Es war einmal ein ganz normales Mädchen. Doch dann fand es heraus, dass es eigentlich die Prinzessin eines europäischen Zwergstaats ist und das Schicksal von Anne Hathaway nahm seinen Lauf. Wie sehr ich “Plötzlich Prinzessin” damals liebte und noch heute gerne schaue! Aber erst durch Zufall fand ich heraus, dass die Filme sehr lose auf den Büchern der Amerikanerin Meg Cabot beruhen. Gesagt, getan. Ich suchte in der Onleihe danach, fand leider nichts, doch ein anderes ihrer Werke landete auf meiner Leseliste.

Da ich als Belohnung an mich selbst nach monatelangem Lesen englischer Fachliteratur mir endlich einen eBook-Reader gegönnt habe, musste natürlich ein erstes Probebuch heruntergeladen werden. Da der Rest leider gerade ausgeliehen war, fiel meine Wahl auf den zweiten Teil der “Abandon”-Serie von Meg Abot. Ein kleines Detail, was mir erst mit der Zeit auffiel und angenehmerweise beim Lesen kaum zu Gewicht fällt.

So erwacht die sechzehnjährige Pierce für den Leser ziemlich verblüffend in den Armen des ewig neunzehnjährigen Hüters der Unterwelt John Hayden. Einst meuterte er zum Schutz der Mannschaft gegen seinen geldgierigen Vater und wurde zum Dank dafür auf dem Meer ausgesetzt. Allein vier treue Crewmitglieder, darunter ein kleiner Junge und der blinde Schiffsarzt, blieben ihm erhalten und helfen ihm nun bei seiner Aufgabe, die Seelen der Verstorbenen ja in die richtige Abteilung der Unterwelt zu schicken. Eine so langweilige Aufgabe, dass Pierce lieber in Johns Zimmer stöbert, dabei ihre Tasche und ihr Handy findet, und John dann davon überzeugt, dass sie ihrem Cousin Alex zu Hilfe eilen müssen. Den hat sie nämlich in einen Sarg eingesperrt auf ihrem Display gesehen.

Nach einigem Hin und Her und dem Versprechen, dass sie (auch wenn sie zu dem Moment denkt, dass sie wegen des morgens verzehrten Essens eh keine Wahl mehr hat) für immer in der Unterwelt bliebe. Beim letzten Mal ist sie nämlich einfach abgehauen. Aber das war, bevor sie herausfand, dass ihre Großmutter eine Furie ist. – Komplizierte Geschichte.

Auf jeden Fall geht es dann auf Isla Huesos, die gerade ein Fest zu Ehren Johns feiert, kreuz und quer über die Insel, um Alex zu finden, ihn zu warnen und zu retten. Nebenbei wird den besorgten Eltern versichert, dass es Pierce gut geht, verguckt sich ihre beste Freundin in Crewmitglied Frank und findet der Küster heraus, dass Persephones Granatapfelkerne eigentlich für etwas ganz anderes stehen. Doch die Furien sind nicht weit und Alex noch lange nicht außer Gefahr, sodass am nächsten Tag die eigentliche Rettungsaktion in einer Gruft steigt – die Gruft der Familie, die John bereits zu Lebzeiten nicht ausstehen konnte,

Insgesamt also erstaunlich wenig Handlung für die über 200 Seiten. Dennoch ist die Geschichte amüsant zu lesen und der Kapitelbeginn mit passenden Zitaten aus Dantes “göttlicher Komödie” wie die allgegenwärtigen Persephone/Hades-Referenzen tragen zum Genuss bei. Allerdings bleibt es mir ein Rätsel wie bei einem so auschweifenden Erzählstil so viel Vorhandlung in Teil 1 gepasst haben soll. Naja, vielleicht lüftet sich dieses Geheimnis noch in Teil 3.

Begonnen: 18.8.16    Beendet: 1.9.16

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J. K. Rowling – “Ein plötzlicher Todesfall”

Not Harry Potter anymore. Das ist wohl die passendste Aussage, die ich nach dem Hören dieses Buches im Netz gefunden habe. Nicht mehr Geschichten über eine Welt voller Zauberer. Dafür allerdings weiterhin England, Teenager in den Hauptrollen und die tragische Verknüpfung von Ereignissen.

Alles beginnt mit der plötzlichen Vakanz des Sitzes von Ratsmitglied Barry Fairbrother. Ausgerechnet an seinem Hochzeitstag verstirbt der beliebte Bewohner der Kleinstadt Pagford, der sich als mehrfacher Vater trotzdem die Zeit nahm die Ruder-AG an der Schule seiner Kinder zu leiten und sich für den ärmlichen Stadtteil Fields der Nachbarstadt stark zu machen, aus dem er stammt. Seine eigene Familie rückt nur selten in den Fokus, vielmehr wird geschlidert, was Fairbrothers Tod in anderen Familien auslöst. Bei anderen Ratsmitgliedern, seinen engsten Freunden und der Jugend des kleines Städtchens.

So unterschiedlich die Familien sind, so weitgefächert sind ihre Probleme. Angefangen von unzufriedenen Gattinnen, die sich in Boybandmitglieder verknallen, über Diabetes Typ 2, Alkohlabhängigkeit, häusliche Gewalt und Drogenabhängigkeit werden die einzelnen “Probleme” der Gesellschaft beleuchtet. Hinzu kommen vergangene und aktuelle Kindheitstraumata und oft auch Arroganz, mit der sich derjenige meist selbst im Weg steht und seine Situation verschlimmert. Jeder hat seine eigene Last zu tragen und ist dennoch so blind für die Problemen anderer, dass  die letzte Szene des Buches eine Mutter ist, deren Kinder auf Grund der einzelnen Verstrickungen der Geschichte bestattet werden. Ein kleiner Junge der im Fluss ertrank und seine Schwester, die Jahre lang versuchte ihre Mutter clean zu kriegen, sich für seinen Tod die Schuld gab und sich deshalb mit einer Überdosis selbst umbrachte.

Dieses Buch ist nicht fantastisch, es ist ehrlich. So ehrlich, dass es mir manchmal die Luft geraubt hat. Jede einzelne Geschichte ist glaubwürdig und so authentisch, dass man glaubt Pagford läge keine halbe Stunde vom eigenen Wohnort entfernt. Es war spannend zu sehen, wie sich die einzelnen Handlungsstränge anfangs kaum berührten und einem erst allmählich aufging, dass sie dicht ineinander verwoben waren und sich gegenseitig bedingten.

Heiter und leicht ist dieses Buch auf jeden Fall auch nicht. Wenn man einmal doch lacht, dann hat es einen bitteren Beigeschmack. So freut man sich, als Parminder Jawanda Miles Mollison abweist, der sie als Ärztin zur Hilfe ruft, als sein Vater einen Herzinfarkt erleidet. Denn die Mollisons haben dafür gesorgt, dass sie von ihrem Beruf als Ärztin suspendiert wurde, weil sie auf der Ratsversammlung Howard Mollison ins Gesicht gesagt hat, dass seine Adipositas das Gesundheitssystem und den Staat mindestens genauso viel kosten würde, wie die Drogenabhängigen, deren Entzugsklinik er schließen lassen wolle. Die wenigen schönen Momente beschränken sich eigentlich auf die Erinnerungen an die Siege der Rudermannschaft, in der Pamindas Tochter  und Krystal Weedon waren, die dafür sorgt, dass auf beiden geschilderten Beerdigungen Rihannas “Umbrella”läuft.

Nachdem ich vor ein paar Jahren die ersten Kapitel gelesen habe, hatte ich das Buch schnell wieder zur Seite gelegt. Ich kam irgendwie nicht richtig in die Geschichte hinein und auch der Versuch meines Gehirns Parallelen zu Harry Potter zu finden, hat es nicht gerade leicht gemacht voran zu kommen. Es hat tatsächlich bis Anfang April diesen Jahres gedauert, bis ich mich dazu durchringen konnte, mir das Hörbuch auszuleihen und ich bin froh, dass ich es jetzt kenne. Denn Rowling hat damit bewiesen, dass sie nicht nur brilliante Ideen hat, sondern auch etwas von ihrem Handwerk versteht und weiß, wie man eine komplexe Geschichte plausibel und spannend zugleich konstruiert.

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Cecelia Ahern – “Der Ghostwriter”

Ich hatte auf der ersten Nachhausefahrt dieses Jahr Glück. Ein nur zur Hälfte belegtes Abteil und ruhige Mitreisende. Ideal also, um ein wenig zu lesen, und ein Buch aus meinem Bücherkauf im Februar zu beenden. Die Novelle von Cecelia Ahern ist in meiner Taschenbuchausgabe keine 150 Seiten stark, hat es dafür aber faustdick hinter den Ohren.

Herman Banks zieht von New York nach England aufs Land. Er braucht Ruhe von seinem Leben in der Großstadt und nachdem er all die Jahre ein hervorragender Geschäftsmann war, will er sich endlich etwas Zeit gönnen, um einen eigenen Roman zu schreiben. Genau an dem Ort, an dem sein Lieblingsbuch geschrieben wurde. So wird das altehrwürdige Gemäuer neu eingerichtet, sämtliche Kommunikation in die Staaten abgekapselt und die untreue, junge Frau, mit der es einen Neuanfang zu wagen gilt, eingepackt.

Anfangs hegt man als Leser noch keinen Verdacht. Natürlich ist es merkwürdig, dass immer wieder Einrichtungsgegenstände verschwinden, aber das kann doch auch einfach ein sehr gewiefter Einbrecher sein. Oder? Nur beim ersten Mal wird die Polizei geholt. Denn Herman entdeckt, dass für jeden verschwundenen Gegenstand am nächsten Morgen neue Seiten nach seinen Entwürfen auf der alten Schreibmaschine getippt worden sind. Während ihn das sichtlich erfreut, bekommt Amber Angst. Sie spricht mit jemanden, der früher einmal in dem Haus gewohnt hat und dessen gesamte Familie verschwand. Dennoch kommt seine Warnung, sie solle so schnell wie möglich abreisen zu spät, da Amber am nächsten Morgen verschwunden ist. Aber selbst jetzt kann Herman nicht aufhören. Als die Haushälterin und die Polizei endlich nach dem Rechten sehen, ist auch er unauffindbar, doch das Manuskript liegt vollendet auf dem Schreibtisch.

Ungewohnt finster kommt die Geschichte daher, an vielen Stellen zum Ende des Buches sogar schon gruselig. Hinzu kommt die angespannte Beziehung zwischen Amber und Herman, der sich immer mehr zurückzieht und verfallen lässt, während er seine Frau eine neue Affäre unterstellt, obwohl sie einfach nur einen Psychiater aufsucht.

Wer oder was heimlich die Geschichte schreibt, bleibt zudem ungeklärt. Zwar wird angedeutet, dass es wohl häufiger vorkam, aber genaueres zum Ursprung bleibt ungesagt und so verliert man sich selbst in wildesten Spekulationen, während man Auszüge aus dem fremden Roman liest.

Trotz allem würde ich die Novelle als leichte Lektüre bezeichnen, die sich gut während der Bahnfahrt lesen lässt. Vom Lesen mit vielen Unterbrechungen würde ich jedoch abraten, da sonst der Aufbau des Spannungsbogens schnell verloren gehen kann.

Begonnen & Beendet: 25.2.16

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